Hingucker der Woche

Coronavirus und kein Ende Dax bleibt in schwerem Fahrwasser

von Robert Minde

Stand: 08.03.2020, 15:05 Uhr

Auch die kommende Woche wird von bleierner Unsicherheit über den Fortgang der Coronakrise geprägt werden. Denn Besserung ist nicht in Sicht. Ein kleiner Hoffnungsschimmer bleibt aber.

Denn mittlerweile stehen Regierungen und Notenbanken global Gewehr bei Fuß, die negativen Folgen der Viruskrise für die Realwirtschaft mit frischen Geldspritzen abzufedern. Eine Rezession müsse mit allen Mitteln verhindert werden, so unisono das Credo der Verantwortlichen. Denn es werden bereits Parallelen zur großen Finanzkrise 2008/2009 gezogen. Auch die Bundesregierung berät derzeit über Entlastungsschritte, die von den Wirtschaftsverbänden vehement gefordert werden.

Keine Entwarnung in Sicht

Denn eine Entwarnung bei den Infektionszahlen ist nicht zu erkennen, im Gegenteil. In Deutschland ist die Zahl der mit dem Virus infizierten Personen von 795 auf 847 angestiegen. Die 847 sei die Zahl der offiziell gemeldeten Erkrankten bis Sonntag, 08.00 Uhr, teilt das Robert-Koch-Institut am Vormittag mit.

In Italien hat die Regierung derweil fast ganz Norditalien abgesperrt. Nach Einschätzung von Österreichs Kanzler Sebastian Kurz ist es nur eine Frage der Zeit, bis auch andere europäische Staaten im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus ähnlich drastische Schritte unternehmen wie Italien. Auch Bundesgesundheitsminister Spahn rechnet mit weiteren Einschränkungen.

Alle Augen auf die EZB

Christine Lagarde

Christine Lagarde. | Bildquelle: picture alliance/Xinhua

Die EZB, die am Donnerstag tagt, steht beim Corona-Kampf kommende Woche besonders im Blickpunkt der Märkte. Diese erwarten nach der kräftigen Zinssenkung der US-Notenbank in der Vorwoche, dass die Bank unter der neuen Chefin Christine Lagarde ebenfalls weitere Lockerungsschritte beschließt. Gleich zu Beginn ihrer Amtszeit steht die Französin damit vor der vielleicht größten Herausforderung seit der Eurokrise.

"Da der Einlagenzinssatz bereits auf einem Rekordtief von minus 0,5 liegt, ist der Spielraum deutlich geringer als bei der Fed", sagt Fondsmanager Wolfgang Bauer vom Vermögensverwalter M&G.

Die Währungshüter könnten aber das Volumen ihrer Wertpapierankäufe von derzeit monatlich 20 Milliarden problemlos auf 80 Milliarden Euro aufstocken und dabei verstärkt Unternehmensanleihen einsammeln. Als fest ausgemacht gilt am Kapitalmarkt, dass der Einlagenzins für Geschäftsbanken von minus 0,5 auf minus 0,6 Prozent gesenkt wird.

Dax dürfte hochvolatil bleiben

Der Dax kann Hilfe jedenfalls gebrauchen, nach dem Sturm der Vorwochen. In nur zwei Wochen hat der deutsche Leitindex rund 2.000 Punkte verloren, erst vor knapp drei Wochen wurde bei 13.795 Punkten ein neues Rekordhoch markiert. Zwar könnten Schnäppchenjäger auch in der neuen Woche für vorübergehende Erholung sorgen, doch insgesamt werden sich die Anleger wohl auf eine erneut unruhige Woche einstellen müssen.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 1 Monat
Kurs
11.391,28
Differenz relativ
+2,87%

"Solange die globale Corona-Ausbreitung anhält, dürften die Aktienmärkte trotz weiterer Stützungsmaßnahmen seitens der Notenbanken und der Politik weiterhin stark schwanken", sagte der Chefstratege der Münchner Privatbank Merck Finck, Robert Greil.

Besonders schwer wiegt, dass wohl immer noch niemand sagen kann, wie hoch der Corona-Schaden letztlich in den Firmenbilanzen ausfallen wird. "Bis sie die aus dem Corona-Virus resultierenden Negativeffekte offenlegen, vergehen wohl noch einige Wochen. Ein Großteil der Folgewirkungen dürfte erst Anfang April nach Abschluss des Jahresauftaktquartals feststehen und bekanntgegeben werden", so DZ-Bank-Ökonom Bielmeier.

Drei Dax-Werte legen noch Zahlen vor

Fast schon zur Nebensache wird da die Berichtssaison, die allerdings langsam ausklingt. Die drei Dax-Nachzügler Deutsche Post, Adidas und RWE öffnen ihre Bücher. Zudem gibt es noch ein paar Berichte aus der zweiten Reihe, so unter anderem von Lanxess, K+S oder Symrise. Bei allen Berichten wird es wohl auf den Ausblick ankommen, den Analysten üblicherweise für die Revision ihrer Gewinnschätzungen heranziehen.

Auf der Agenda stehen zudem unter den Konjunkturdaten solche zur deutschen (am Montag) und europäischen Industrieproduktion (am Donnerstag). "Ob die Talfahrt in der Industrie zu Ende ist, bleibt abzuwarten", sagt Commerzbank-Analyst Christoph Weil. "In den USA werden die Verbraucherpreise für Februar zeigen, dass die Inflation einer weiteren Zinssenkung seitens der Fed nicht im Wege steht."

Euro, Renten, Öl und Gold

Auch auf andere Anlageklassen wird die Coronavirus-Krise ihren erheblichen Einfluss behalten, dazu muss man kein Prophet sein. So lassen die massiven Zinssenkungen der US-Notenbank den Zinsvorsprung des Dollar schrumpfen und im Gegenzug den Euro erstarken. Da in den USA weitere Zinssenkungen erwartet werden, stehen die Chancen hoch, dass der Euro weiter auf der Gewinnerseite bleibt.

Auch beim Run auf als sicher geltende Staatsanleihen zeichnet sich kein Ende ab. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihen ist bis auf das Rekordniveau bei minus 0,74 Prozent gefallen. Die Ölpreise schließlich müssen sich nach dem Scheitern der Opec + Verhandlungen auf niedrigerem Niveau austarieren.