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Warten auf neue Trump-Tweets Dax bleibt im Bann des Zollstreits

von Robert Minde

Stand: 19.05.2019, 14:12 Uhr

Eigentlich ist die Lage ziemlich frustrierend. Die Weltbörsen warten wie das Kaninchen vor der Schlange auf neue Tweets von Donald Trump. Da hilft auch dem Dax ein noch so dicht gedrängter Terminkalender in der kommenden Woche nicht wirklich.

Denn der heimische Aktienmarkt erwartet nicht nur jede Menge neuer Konjunkturzahlen, darunter den heimischen Ifo-Geschäftsklimaindex am Donnerstag, sondern auch so manche Hauptversammlung mit Zündstoff.

Anja Kohl
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Im Bann der großen Politik

Aber all das tritt in den Hintergrund, sobald der Mann aus Washington sein Twitter-Konto benutzt und mit der ihm eigenen Rhetorik meist mehr Schaden als Nutzen stiftet - in jedem Fall aber für viel Unruhe und jede Menge Unsicherheit sorgt. Zuckerbrot und Peitsche, das scheint das Prinzip des Mannes aus dem New Yorker Stadtteil Queens zu sein.

Ein wackliger Grund, auf dem der Dax da steht, aber eine kleine Hoffnung gibt es doch. Nach dem Desaster der jüngsten Handelsgespräche mit China scheint es jetzt darauf hinauszulaufen, dass bis zum G20-Treffen im Juni zumindest eine verbale Abrüstungspause für ein bisschen mehr Ruhe sorgen könnte. Trotzdem, es kann jederzeit wieder losgehen, dafür steht zu viel auf dem Spiel für beide Seiten.

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Was nächste Woche wichtig wird... [17.5.19]

Der Streit drehe sich nämlich nicht nur um Zölle. "Vielmehr stehen Technologieführerschaften, offene Marktzugänge, der Schutz geistigen Eigentums, staatliche Unterstützung von Unternehmen und schließlich die anstehende Neuordnung der globalen wirtschaftlichen Rangordnung auf dem Spiel" sagt Carsten Mumm, Chef-Analyst der Privatbank Donner & Reuschel.

Zwischen Iran, Brexit und Europawahl

Aber als ob Donald Trumps Sprunghaftigkeit beim Umgang mit Zöllen nicht schon genug wäre, mit dem Dauerthema Brexit und einer drohenden militärischen Konfrontation am Persischen Golf hängen weitere politische Damoklesschwerter über der Börse.

Und das in einer Zeit, in der ab dem 23. Mai die Europawahl beginnt. Europafeindliche Parteien wittern Morgenluft. Zudem sorgt die Unfähigkeit der politischen Kaste in Großbritannien dafür, dass den Brexeteers in London eine weitere Bühne geboten wird, den europäischen Einigungsprozess zu sabotieren. Der Brexit ist übrigens gerade für die Devisenmärkte bedeutsam, hat das britische Pfund doch schon in der vergangenen Woche zur Schwäche geneigt.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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12.228,44
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Auch das Fortbestehen der italienischen Regierung erscheint alles andere als sicher und ein Bruch könnte nach den Wahlen weiteres Öl in das politische Feuer gießen. In diesem brisanten Umfeld wird es die Börse schwer haben, "business as usual" zu praktizieren. Trotz all der Risiken hält sich der Dax bei über 12.200 Punkten aber erstaunlich stabil, die Bullen haben also die Flinte noch nicht ins Korn geworfen. Das macht Mut.

Ifo-Index voraus

Unter den heimischen Konjunkturzahlen ragt der am Donnerstag anstehende Ifo-Geschäftsklimaindex für den Mai heraus, er gilt als der wichtigste deutsche Konjunkturindikator. Zuletzt waren die Wirtschaftsnachrichten aus Deutschland wieder etwas besser, die endgültigen BIP-Zahlen für das erste Quartal werden ebenfalls am Donnerstag erwartet.

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ifo. | Bildquelle: ifo, colourbox.de, Montage: boerse.ARD.de

Aus Europa wird am Dienstag das Verbrauchervertrauen für den Mai vorab erwartet, hinzu kommen sowohl für Deutschland und Europa PMI-Zahlen für das Verarbeitende Gewerbe im Mai am Donnerstag. Gleiches gilt für die USA, deren Markit-PMI-Daten am Nachmittag folgen.

Am Mittwoch wird nach Börsenschluss in Europa auch das FOMC-Sitzungsprotokoll vom 1.5. erwartet (ab 20:00 Uhr MEZ). Dabei werden sich die Anleger fragen, ob die US-Notenbank Federal Reserve an ihrer Zinspause festhält oder womöglich sogar die Richtung ändern könnte.

Zahlreiche Hauptversammlungen im Fokus

Der Großteil der Berichtssaison ist zwar vorbei, dafür dominieren die Termine der Hauptversammlungen traditionell im Frühsommer den Terminkalender. Neben zahlreichen Aktionärstreffen von Unternehmen aus der zweiten Reihe stehen die von Autobauer Daimler, der Commerzbank (beide am Mittwoch) und vor allem der Deutschen Bank am Donnerstag in besonderem Interesse.

Gerade bei den Treffen der Bankaktionäre kann es heiß her gehen, müssen sich die Anteilseigner doch schon seit Jahren mit entweder ganz gestrichenen oder, wenn überhaupt, mit kümmerlichsten Ausschüttungen zufrieden gegen. Lediglich die momentanen Übernahmefantasien haben den Sektor zuletzt etwas angeschoben.

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