Frauenquote

Studie Dax-Aufsteiger lassen Frauenquote sinken

Stand: 22.06.2020, 08:20 Uhr

Der Frauenanteil in Vorständen spielt bei den Indexanpassungen offenbar keine Rolle. Im Gegenteil: Die Dax-Aufsteiger ziehen die Quoten sogar regelmäßig nach unten.

Das sei auch bei den aktuellen Wechseln wieder so, zeigt eine aktuelle Studie. Die Lufthansa mit einem Frauenanteil von 17 Prozent im Vorstand werde im Leitindex Dax ersetzt vom Immobilienkonzern Deutsche Wohnen - ohne eine einzige Frau im Vorstand.

Auch beim bisher jüngsten Wechsel im Dax sei mit dem Triebwerkshersteller MTU Aero Engines ein Konzern ohne weiblichen Vorstand aufgestiegen. "Die letzten vier Aufsteiger in den Dax (Deutsche Wohnen, MTU, Wirecard, Covestro) kommen im Schnitt mit einer Frauenquote von lediglich 13 Prozent auf eine halb so hohe Frauenquote wie die Unternehmen, die sie verdrängt haben", teilte die US-Personalberatung Russell Reynolds am Montag mit.

Zwei Drittel der MDax-Vorstände ohne Frau

Im MDax der mittelgroßen Werte werde die Deutsche Pfandbriefbank abgelöst vom Werbevermarkter Ströer, bei dem ebenfalls keine Frau im Vorstand sitzt. Das sei für Aufsteiger in den MDax nicht ungewöhnlich: "Von den 29 Aufsteigern der letzten beiden Jahre in den zweitwichtigsten deutschen Börsenindex haben 25 kein weibliches Vorstandsmitglied", so die Personalberater.

Immerhin: Im MDax sei der Frauenanteil seit 2017 von vier auf zehn Prozent gewachsen. Allerdings "haben 40 der 60 MDax-Unternehmen (zwei Drittel) weiterhin nicht einmal eine Frau im Vorstand".

Andere Länder weiter

In den USA, Großbritannien, Frankreich, den skandinavischen Staaten, den Niederlanden und Spanien liege die Frauenquote höher als beim Dax. Beim MDax liege sie zudem noch unter der Frauenquote in der Schweiz und Italien.

Wenig Frauen in der Unternehmensführung, das stehe einer positiven Entwicklung bei Börsenumsatz und Marktkapitalisierung offenbar nicht im Weg, sagte Russell-Reynolds-Europamanager Jens-Thomas Pietralla. Oft seien die Aufsteiger junge Unternehmen mit kleinen Vorständen. Mehr Vielfalt bei Geschlecht, Internationalität und Erfahrung könnten aber den nächsten Entwicklungsschritt begünstigen.

Geschlechtervielfalt gut für das Geschäft

Im Oktober hatte es noch nach einem Meilenstein für die Gleichstellung in der Unternehmenswelt ausgesehen, als Jennifer Morgan als erste weibliche Vorstandschefin in die Geschichte des Dax einging. Doch bereits Ende April 2020 musste sich die Top-Managerin an der (Co-Spitze) von SAP wieder verabschieden.

Dabei zeigen viele Studien einen positiven Zusammenhang zwischen Frauen auf Führungsebene und der Performance von Unternehmen. So fand etwa das Credit Suisse Research Institute in ihrer Studie "CS Gender 3000" heraus, dass eine überdurchschnittliche Frauenquote an der Firmenspitze für eine bessere Aktienkursentwicklung als eine unterdurchschnittliche Quote sorgt. Geschlechtervielfalt sei demnach gut für das Geschäft.

tb/dpa-AFX