Ein Broker an der New York Stock Exchange schlägt die Hand vor die Stirn

Der Präsident, das FBI und die Börse Das steckt hinter dem späten Kurssturz an der Wall Street

von Angela Göpfert

Stand: 10.04.2018, 10:19 Uhr

Die New Yorker Börse hat am Montag die schlimmste letzte Handelsstunde seit sechs Jahren erlebt. Wir erklären warum. Kleiner Tipp: Ein Porno-Sternchen spielt dabei auch eine Rolle. Und das FBI.

"Der Aktienmarkt ist heute sehr stark gefallen, sobald die Gerüchte über diesen Quatsch die Runde machten." So kommentierte Donald Trump höchstpersönlich die späten Entwicklungen am New Yorker Aktienmarkt.

Tatsächlich hat der Dow Jones am Montag zwar leicht im Plus geschlossen. Worauf Trump mit seiner Äußerung aber anspielt, ist klar: In der letzten Handelsstunde hat der Dow Jones rund 300 Punkte und damit binnen kürzester Zeit fast all seine angelaufenen Gewinne eingebüßt.

Laut dem amerikanischen Finanzportal "Marketwatch" war dies sogar die schlimmste letzte Handelsstunde seit sechseinhalb Jahren.

Dow Jones: Kursverlauf am Börsenplatz Dow Jones Indizes für den Zeitraum Intraday
Kurs
25.798,42
Differenz relativ
+2,17%
S&P 500: Kursverlauf am Börsenplatz S&P Indizes für den Zeitraum Intraday
Kurs
2.809,92
Differenz relativ
+2,15%
Nasdaq 100: Kursverlauf am Börsenplatz NASDAQ Indizes für den Zeitraum Intraday
Kurs
7.276,43
Differenz relativ
+2,94%

Razzia bei Trump-Anwalt

Doch von welchen "Gerüchten", welchem "Quatsch" redete Trump? Was war der Auslöser für diese plötzliche scharfe Risk-off-Bewegung?

Kurz vor Handelsschluss in New York berichtete als erste die "New York Times", dass FBI-Ermittler das Büro, die Wohnung und das Hotelzimmer des Trump-Freundes, -Vertrauten, -Rechtsbeistandes und -Ausputzers Michael Cohen durchsucht hätten. Der Tipp kam vom FBI-Sonderermittler Robert Mueller in der Russland-Affäre.

Russland-Affäre im Fokus der Razzia

Matrjoschka. | Quelle: colourbox.de

"Ein Angriff auf unser Land"

Trumps Anwalt Michael Cohen braucht nun selbst einen Anwalt. Der Jurist Stephen Ryan meldete sich auch sogleich öffentlich zu Wort und verurteilte die Durchsuchungen als "völlig unangebracht und unnötig". Trump selbst sagte, die Untersuchung sei "eine Schande", "ein Angriff auf unser Land".

Nach Informationen der "New York Times" ging es bei der Razzia nicht nur um die Russland-Affäre, sondern auch um eine angebliche Schweigegeldzahlung von 130.000 Dollar, die Cohen nach eigener Darstellung kurz vor der Wahl an das Pornosternchen Stormy Daniels getätigt hat - nach Lage der Dinge für Trump. Nach Auffassung vieler Juristen könnte das eine illegale Wahlkampfspende gewesen sein.

Donald Trump

Schäumt vor Wut: Donald Trump. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Polit-Show-Down droht

Mit der Razzia zieht das FBI nun die Schlinge um den Hals des US-Präsidenten immer fester zu. Die heftige Kursreaktion wundert insofern kaum. Schließlich hassen Aktienmärkte nichts mehr als Unsicherheit.

Nach Meinung von Experten könnte die neue Entwicklung nun gravierende Folgeentscheidungen nach sich ziehen. Sollte Trump tatsächlich zu dem Schluss kommen, Sonderermittler Mueller oder der stellvertretende Justizminister Rod Rosenstein hätten ihre Kompetenzen überschritten, und sollte er beide oder auch nur einen der beiden entlassen, dann könnte es zum Polit-Showdown kommen: Schließlich ist Trumps Rolle in der Russland-Affäre auch in der eigenen Partei höchst umstritten.

Ein Unsicherheitsfaktor weniger

Doch vorerst sehen Anlagestrategen in den neuen Entwicklungen keine mittel- bis langfristig bedeutsame Belastung für die Aktienmärkte. Selbst kurzfristig dürfte das gestrige Schauspiel schon wieder schnell in Vergessenheit geraten – denn über Nacht haben sich die Unsicherheiten an anderer Stelle reduziert. Lesen Sie dazu unseren Artikel: Eine Rally made in China.