Frau im Liegestuhl am Strand
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Gewinnwarnung Das Sommer-Problem der Tui

Stand: 07.02.2019, 16:20 Uhr

Im Gegensatz zu Thomas Cook hat die Tui bisher den Last-Minute-Preiskampf und den Hitzesommer gut weggesteckt. Nun aber bekommt der Touristik-Konzern die Nachwirkungen doch noch zu spüren.

Die Tui senkte am späten Mittwochabend ihre Jahresziele - und das deutlich. Das Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebita) werde nicht um über zehn Prozent zulegen, sondern lediglich auf dem Niveau des Vorjahres (1,18 Milliarden Euro) liegen, warnte der Urlaubskonzern aus Hannover. 2017/18 hatte die Tui mit 733 Millionen Euro noch 14 Prozent mehr verdient.

Überkapazitäten in Spanien drücken die Margen

Als Grund nannte der Branchenprimus die Nachwirkungen des heißen Sommers 2018. Potenzielle Urlauber bleiben dieses Jahr lieber zu Hause. Andere bevorzugen die billigen Reiseziele Türkei und Nordafrika. Das führt zu Überkapazitäten in Spanien und auf den Kanarischen Inseln. Folglich müssen Konzerne wie die Tui im Spanien-Geschäft mit niedrigeren Margen kalkulieren.

Abzulesen ist das bei den Sommerbuchungen für 2019. Zwar seien laut der Tui schon wie im Vorjahr 34 Prozent des Sommerprogramms verkauft. Allerdings lägen die Margen unter dem Niveau von 2018.

Jetzt werden die Kosten noch mehr gesenkt

Mit Kosteneinsparungen und Effizienzsteigerungen will die Tui gegensteuern. Dafür sollen die verschiedenen Segmente unter einer einheitlichen Leitung zusammengeführt werden. Die Vertriebskosten sollen unter anderem durch eine Ausweitung der Onlinevermarktung gesenkt werden.

Die Tui sieht sich auf dem Weg zum Digitalunternehmen. "Wir wollen das Amazon der Reisebranche sein", verkündete Tui-Chef Fritz Joussen jüngst in einem Interview mit "Rheinischen Post". Schon jetzt wachsen die Online-Buchungen jährlich um gut 20 Prozent.

Trotz der Gewinnwarnung hält das Tui-Management an seinen Dividenden-Plänen fest. Die Aktionäre sollen wie geplant eine Ausschüttung von 0,72 Euro pro Aktie für das Geschäftsjahr 2017/18 bekommen.

Aktien stürzen ab

Das kann die Anleger nicht beruhigen. Die Tui-Aktien brechen am Donnerstag um 15 Prozent ein. Mit 10,93 Euro notieren sie auf dem tiefsten Stand seit Mitte 2016. Auf Ein-Jahres-Sicht hat der Kurs des weltgrößten Touristik-Konzerns rund 36 Prozent eingebüßt.

Noch härter traf es die Aktien des Tui-Rivalen Thomas Cook. Deren Kurs schmierte binnen eines Jahres um fast die Hälfte ab. Am Donnerstag steigen die Titel des Neckermann-Mutterkonzerns immerhin um über zehn Prozent.

Thomas Cook erwägt Verkauf des Airline-Geschäfts

Thomas Cook: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
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Europas zweitgrößter Reiseveranstalter Thomas Cook stellt angesichts des anhaltenden Trends zu Last-Minute-Buchungen die Rolle seiner Fluggesellschaften auf den Prüfstand. Die Untersuchung sei noch in einem frühen Stadium und umfasse alle Optionen, um Wert für die Aktionäre zu schaffen, sagte Vorstandschef Peter Fankhauser am Donnerstag in London. "Gestern wurden mehrere Investmentbanken beauftragt, diesen Prozess aktiv zu begleiten", sagte Airline-Chef Christoph Debus am Nachmittag. Das Unternehmen braucht dringend Geld, um in den Ausbau seiner Hotelmarken zu investieren.

Als möglicher Investor für Condor wurde sofort die Lufthansa gehandelt, zu der Condor bis Anfang 2009 gehört hatte. Laut "Süddeutscher Zeitung" soll es Interesse an den Condor-Langstreckenflügen aus Frankfurt geben. Auf diesen Verbindungen sitzen viele Passagiere, die zuvor mit Lufthansa-Jets nach Frankfurt kommen.

Schon seit einiger Zeit hatte es immer wieder Gerüchte gegeben, Thomas Cook könnte sich von seiner Airline-Sparte samt Condor trennen. Fankhauser und das Cook-Management hatten die Gerüchte mehrfach zurückgewiesen. Als Hindernis für einen Verkauf wurde genannt, dass Condor so stark mit den Schwestergesellschaften integriert ist, dass die Airline allein kaum mehr verkauft werden könne.

Briten halten sich mit Sommerbuchungen zurück

Nun aber trifft die Reiseflaute den Cook-Konzern immer härter. Im ersten Quartal 2018/19 stieg der operative Verlust im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 14 Millionen auf 60 Millionen britische Pfund (68 Millionen Euro). Im Winter legten die Buchungen zwar zu, aber die Preise sanken. Bei den Sommerbuchungen zeigten sich die Kunden zurückhaltend. Vor allem die Brexit-geplagten Briten. Bisher liegen die Buchungen zwölf Prozent unter dem Vorjahresniveau.

Bereits im vergangenen Geschäftsjahr hatte Thomas Cook schwer gelitten. Das operative Ergebnis sackte um fast ein Fünftel auf 250 Millionen Pfund ab. Der deutsch-britische Reiseveranstalter bekam den Hitzesommer stärker zu spüren als die Tui. Viele Menschen in Mitteleuropa und Großbritannien hatten die Sommermonate angesichts des sehr warmen Wetters zu Hause verbracht. Andere buchten ihre Auslandsreisen erst auf den letzten Drücker. Der dadurch beförderte Preiskampf im Last-Minute-Geschäft drückte bei Reiseveranstaltern auf den Gewinn.

nb