v.l.: Christian Klein, Bill McDermott, Jennifer Morgan
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"Stärker gegen Salesforce werden" Das sagen Experten zum SAP-Chefwechsel

Stand: 11.10.2019, 14:24 Uhr

Der erfolgreiche Chef von SAP Bill McDermott wird das Unternehmen schon bald verlassen. Ab sofort führt ein neues Vorstandsduo den Walldorfer Konzern. Wie beurteilen Experten die neue Situation?

Der Abgang von McDermott (in der Mitte) komme zwar etwas überraschend, scheine aber der "langfristigen Nachfolgeplanung" des Unternehmens zu entsprechen, kommentierte Andreas Wolf von Warburg Research. Aufsichtsratschef Hasso Plattner hatte nach eigener Aussage vor mehr als einem Jahr erstmals mit Bill McDermott über eine Nachfolgeregelung gesprochen.

SAP-Chef Bill McDermott

Bill McDermott . | Bildquelle: picture alliance / Uwe Anspach/dpa

Mit dem zumindest von außen unerwarteten Führungswechsel greife ein offensichtlich gut vorbereiteter Nachfolgeplan, der zum einen auf Verjüngung und Dynamik, zum anderen aber auch auf Kontinuität setze, kommentierte Wolfgang Donie von der NordLB. Die Kompetenzen der beiden neuen Co-Vorstandschefs Jennifer Morgan und Christian Klein ergänzten sich augenscheinlich gut.

Da McDermott nun zwei neue Chefs aus eigenem Hause folgten, dürfte der Übergang an der Konzernspitze ohne größere Reibung erfolgen, erklärte Mohammed Moawalla von Goldman Sachs.

Erprobte Doppelspitze

Positiv wertete Mark Moerdler von Bernstein Research, dass SAP zum erfolgreichen Modell einer Doppelspitze zurückkehre. Die beiden neuen Chefs hätten unterschiedliche Hintergründe und ergänzten sich gut, so Moerdler weiter. Die eine Führungskraft sitze in den USA und habe Vertriebserfahrung, die andere sitze in Europa und bringe Erfahrung im Management mit. Bill McDermott hatte SAP von 2010 bis 2013 zusammen mit Jim Hagemann Snabe als Teil einer Doppelspitze geführt.

Drei Hauptaufgaben

"Aus der geschäftlichen Perspektive gibt es keinen Grund für einen Rücktritt. McDermott hat SAP sehr erfolgreich geführt. Unter ihm gab es einen Symbiose aus hoch einstelligen, teilweise zweistelligem Wachstum und Profitabilität", sagte Holger Schmidt vom Bankhaus Metzler zu boerse.ARD.de.

"Die wichtigste Aufgabe ist es, die installierte Basis für die wichtige Unternehmens-Software S/4 Hana zu erhöhen." Und weiter: "Zweitens muss SAP den Unternehmen mehr Hilfestellung beim Umstieg vom bisherigen SAP R/3-System geben. Und als dritte Hauptaufgabe sehe ich den Bereich CRM (Customer Relationship Management). Hier hat SAP mittlerweile weniger als nur noch rund zehn Prozent Marktanteil. Der US-Konkurrent Salesforce ist SAP mit 20 Prozent Marktanteil enteilt. Daher muss SAP dringend seine CRM-Software C/4 Hana stärken."

Im November zählt es

Analystin Stacy Pollard von JPMorgan blickt erst einmal nur bis in den November. Ob es unter den beiden neuen Chefs strategische oder taktische Änderungen geben wird, zeige sich indes wohl erst zum Kapitalmarkttag des Konzerns am zwölften November, so die Expertin.

ME