Luftaufnahme der RWE-Zentrale in Essen
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Neue Strategie vorgestellt Das neue, grüne Gewand von RWE

Stand: 30.09.2019, 10:45 Uhr

Vom Braunkohleverstromer zum Ökostrom-Anbieter: Heute übernimmt RWE die erneuerbaren Energien des Konkurrenten Eon. Wie das möglich wurde und was das bedeutet, lesen Sie hier.

Der Wandel zum Ökostrom-Anbieter ist Folge eines weit reichenden Tauschgeschäfts. Eon-Chef Johannes Teyssen und RWE-Chef Rolf Martin Schmitz hatten die Transaktion im März 2018 vereinbart. Eon wird sich künftig auf die Sparten Netz und Vertrieb konzentrieren. RWE erhält unter anderem die erneuerbaren Energien von Innogy, aber auch die Anlagen, die Eon derzeit noch betreibt. Zudem wird RWE mit 16,7 Prozent an Eon beteiligt.

Die Wettbewerbshüter der EU haben den Deal mit einem Gesamtwert von mehr als 40 Milliarden Euro vor kurzem genehmigt. RWE behält zwar zunächst die Kern- und Kohlekraftwerke im Konzern, wird sie aber zukünftig weiter abbauen und verkaufen. Im Gegenzug will RWE die erneuerbaren Energien massiv ausbauen.

Klimaneutral bis 2040

Rolf Martin Schmitz, Vorstand RWE AG

Rolf Martin Schmitz. | Bildquelle: Unternehmen

Pro Jahr werde der Konzern netto rund 1,5 Milliarden Euro in den Ausbau des Geschäfts mit erneuerbarer Energie und Speicher investieren, sagte Vorstandschef Schmitz am Vormittag auf einer Pressekonferenz in Essen. Gemeinsam mit Partnern könnten daraus zwei bis drei Milliarden werden. Auch das Gas- und LNG-Geschäft (Flüssigerdgas) solle ausgebaut werden. 2040 werde RWE dann zu 100 Prozent klimaneutral sein, versprach er.

Dazu gehört auch, den CO2-Ausstoß in den nächsten Jahren drastisch zu senken. Der dreistufige CO2-Minderungsplan sieht bis 2030 eine Verringerung um 70 Prozent vor. Künftig soll die konventionelle Stromerzeugung nur noch 20 Prozent des operativen Ergebnisses (Ebitda) ausmachen. Der Anteil der Erneuerbaren Energien soll auf 60 Prozent ansteigen.

Neues Zeitalter

Der Fokus der neuen RWE liegt ganz klar auf der Stromerzeugung durch Wind- und Sonnenenergie sowie auf Speichertechnologien. Dadurch wird RWE zu einem der führenden Unternehmen bei grünem Strom - bei Strom aus Windkraftanlagen auf See rangiert RWE nach eigenen Angaben sogar weltweit auf Platz zwei.

Schmitz hatte bereits direkt nach der Zustimmung der EU gesagt, für RWE beginne ein neues Zeitalter. An der Börse kommt der Umbau bislang gut an. Die Aktie hat seit Jahresbeginn fast um die Hälfte zugelegt und gehört damit zu den Top Drei im Leitindex Dax.

Damit schneidet RWE deutlich besser ab als Eon. Der Aktienkurs des bisherigen Konkurrenten, der durch die Vereinbarung mit RWE keine eigene Stromproduktion mehr hat, kommt seit Monaten nicht von der Stelle. Gut lief bei RWE dieses Jahr bisher vor allem der Energiehandel. Dieser war auch größtenteils dafür verantwortlich, dass das Unternehmen zum Halbjahr starke Zahlen vorlegte. Allerdings ist auf das Handelsgeschäft wenig Verlass, weil es sehr schwankungsanfällig ist.

Weniger Braunkohle

Dennoch hob Konzernchef Schmitz zuletzt die Jahresprognose an. Offen ist, wie sich der Kohleausstieg auf die Geschäfte von RWE auswirken wird. Schmitz verhandelt derzeit mit der Bundesregierung über Entschädigungen für die vorzeitige Abschaltung von Braunkohlekraftwerken.

Rund drei Gigawatt Braunkohlekapazität soll RWE bis Ende 2022 vom Netz nehmen. Schmitz fordert dafür Ausgleichszahlungen von bis zu 1,5 Milliarden Euro pro Gigawatt abgeschalteter Leistung und der daran hängenden Braunkohleförderung. Die Braunkohlekraftwerke sind in den vergangenen Monaten nur mit reduzierter Leistung gelaufen. In diesem Sommer produzierten sie ein Drittel weniger Strom als im Sommer 2018. Das lag auch daran, dass Gaskraftwerke zeitweise billiger produzierten als die Braunkohlemeiler.

lg/dpa/rtr