Mann schwebt an zwei Herzluftballons

Boomender Markt für Dating-Apps Das große Online-Geschäft mit der Liebe

von Angela Göpfert

Stand: 11.04.2019, 06:45 Uhr

Einfach nach rechts wischen – viel mehr braucht es bei der Verkupplungs-App Tinder nicht für das nächste Date. Die Konzernmutter Match Group wächst ebenso rasant wie aggressiv. Doch jetzt flirtet auch Facebook mit dem Online-Dating-Markt.

Im Jahr 2019 gibt kaum ein Single mehr eine Kontaktanzeige auf. Stattdessen lädt er sich eine Dating-App aufs Smartphone. Die Partnersuche im Netz boomt. Analysten schätzen, dass der weltweite Markt für Dating-Apps bis 2020 auf zwölf Milliarden Dollar pro Jahr anwachsen wird.

Platzhirsch unter den Online-Dating-Diensten ist Tinder. Die seit 2012 auf iPhones und seit 2013 auch auf Android-Geräten verfügbare App hatte zuletzt 4,3 Millionen zahlende Nutzer weltweit.

Zahlende Tinder-Nutzer

Binnen nur drei Jahren hat Tinder die Zahl seiner Nutzer versechsfacht. | Bildquelle: Unternehmen, Grafik: boerse.ARD.de

Zahllose Angebote

Doch auf dem großen Online-Dating-Markt tummeln sich noch viele andere Plattformen und Apps wie OKCupid, Match.com, Hinge, Plenty of Fish und Meetic (neu.de, LoveScout24). Zudem gibt es zahlreiche Spezialangebote: OurTime ist für Leute ab 50, BlackPeopleMeet für Afroamerikaner und Chispa für Latinos.

Ein unüberschaubarer Markt – doch nur auf den ersten Blick.

Dating-Monopol liegt in Texas

Was viele nämlich nicht wissen: All die genannten Dating-Dienste, inklusive Tinder, gehören nur einer Firma. Die texanische Match Group hat sich nach ihrer Gründung eine Art Monopol mit mehr als 45 Dating-Firmen geschaffen, 25 davon hat sich das Unternehmen per Übernahme einverleibt. So auch Hinge.

Hinge gilt als "Anti-Tinder-App", setzt sie doch im Gegensatz zu Tinder weniger auf lockere Bekanntschaften, denn auf Langzeitbeziehungen. Laut Unternehmensangaben wird Hinge von allen Apps mittlerweile am häufigsten auf den Hochzeitsseiten der Tageszeitung "New York Times" erwähnt.

Hinge

Ob die beiden wohl heiraten werden? . | Bildquelle: Unternehmen

Kinderwunsch-Filter kostet extra

Die Partnersuche per App oder Website ist allerdings teuer, Sonderwünsche haben ihren Preis. So kosten die meisten Apps zwischen 5 und 25 Dollar pro Monat. Zusätzliche Filter, wie sie etwa Hinge Premium für die Punkte Politik, Trinken, Rauchen und Kinderwunsch anbietet, kosten extra.

Tinder App

Von 8,1 Millionen Match-Group-Nutzern stammen 4,3 Millionen von Tinder. | Bildquelle: picture alliance / xim.ds

Das Online-Geschäft mit der Liebe ist ein äußerst lukratives Geschäft, das zeigt ein Blick auf die Zahlen des Quasi-Monopolisten Match Group, der zuletzt 8,1 Millionen Abonnenten zählte. 2018 stieg der Umsatz um 30 Prozent auf 1,7 Milliarden Dollar, der Gewinn kletterte um 37 Prozent auf 478 Millionen Dollar.

Euphorische Analysten vergleichen Match Group schon mit Netflix in den Anfangsjahren. Tatsächlich beruhen beide Geschäftsmodelle auf einem Abo-Modell mit dem Ziel der längerfristigen Kundenbindung.

600 Millionen potenzielle Kunden

Match Group wächst auf alle Fälle extrem rasant – und der Online-Dating-Markt ist noch lange nicht gesättigt. So haben laut Studien rund die Hälfte der Singles in Europa und den USA noch nie einen Online-Dating-Dienst benutzt.

Durch die Brille von Match-Chefin Mandy Ginsberg betrachtet, sind das alles potenzielle Kunden. Ginsberg sieht weltweit 600 Millionen Singles als Zielgruppe im Internet.

Eine Aktie zum Verlieben

Die Herzen der Anleger hat Match Group jedenfalls schon lange gewonnen. Die Match-Aktie kam Ende 2015 zu einem Ausgabepreis von 12,00 Dollar an die US-Technologiebörse Nasdaq. Seither hat sie sich mehr als vervierfacht.

Match Group Chart

In der Spitze zahlten Anleger 60,95 Dollar je Match-Group-Aktie. | Bildquelle: boerse.ARD.de

Also alles rosarot für Match Group? Keineswegs! Der Markt für Online-Dating-Dienste verfügt nämlich nur über niedrige Markteintrittsbarrieren: Das kommt Konkurrenten wie Spark Networks, zu der auch das deutsche Dating-Portal eDarling gehört, zugute. Spark Networks kündigte im März die Übernahme von "Zoosk" an - dadurch steigt das Unternehmen zum zweitgrößten Dating-App-Anbieter in Nordamerika auf.

Facebook-Schock

Facebook-Chef Mark Zuckerberg

Der Erfolg von Match Group ruft Mark Zuckerberg auf den Plan. | Bildquelle: picture alliance / Steven Senne/AP/dpa

Neue Konkurrenz droht auch vom Social-Media-Giganten Facebook persönlich. 2018 kündigte Facebook-Chef Mark Zuckerberg an, Nutzer des Social Networks könnten in Zukunft ein Dating-Profil erstellen, das Freunde nicht sehen.

Eine Spitze in Richtung Tinder konnte sich Zuckerberg dabei nicht verkneifen: "Hier geht es um den Aufbau richtiger, langfristiger Beziehungen – nicht nur um schnellen Sex."

Nur ein Sturm im Wasserglas?

In einer ersten Reaktion brach die Match-Aktie zunächst um mehr als 20 Prozent ein – konnte sich seither aber komplett erholen. Denn der "Tinder-Killer" von Facebook ist über die Testphase noch lange nicht hinaus.

Zudem hatte Facebook in der Vergangenheit bereits mehrfach bei neuen Geschäftsbereichen wie Bezahlservices, Verkaufsplattformen oder einem Essen-Bestellservice wenig bis gar keinen Erfolg vorzuweisen.

Um den Mega-Monopolisten Match Group zu gefährden, bedarf es schon mehr als nur ein paar lockere Sprüche von der Seite.