SAP-Chef Bill McDermott

Teuerster Zukauf der Firmengeschichte SAP: Das ist Bills 8-Milliarden-Dollar-Baby

Stand: 12.11.2018, 14:26 Uhr

Dass SAP nach der Übernahme des Konkurrenten Callidus zu Beginn des Jahres erneut auf Einkaufstour war, hatte sich längst herumgesprochen. Nun meldet das Unternehmen Vollzug. Doch der hohe Preis verschreckt die Anleger.

Es handelt sich um das US-Unternehmen Qualtrics, ein Spezialist des sogenannten "Erfahrungsmanagements". Im Klartext bedeutet das: Qualtrics sammelt Daten von Kunden und Mitarbeitern sowie zu Produkten und Marken für Unternehmen weltweit, die unmittelbar ausgewertet werden können. Das gebe SAP einen Vorteil gegenüber Wettbewerbern, die sich weiter auf rückwärts gerichtete Daten stützten, sagte Konzernchef Bill McDermott.

Für diese Übernahme legt Europas größter Softwarehersteller acht Milliarden Dollar auf den Tisch. Mit der in Euro gerechnet teuersten Übernahme in der Geschichte des Unternehmens will sich SAP weiter stärken, um den schnell wachsenden Konkurrenten Salesforce in Schach zu halten und diesen in seinem Stammgeschäft weiter anzugreifen.

Wertvoller Pionier

Salesforce hatte sich erst vor Kurzem den Hersteller Mulesoft für rund 6,5 Milliarden Dollar gesichert. SAP selbst hatte Anfang des Jahres den Salesforce-Konkurrenten Callidus für 2,4 Milliarden Dollar gekauft. Vorstandschef Bill McDermott hatte eigentlich angekündigt, vorerst nur kleinere Ergänzungskäufe anzupeilen.

Jetzt hat der seit 2014 allein amtierende Unternehmenschef aber doch größer zugeschlagen. In einer Telefonkonferenz mit Analysten sprach der Amerikaner von einem weiteren "mutigen Schritt" für den wertvollsten Dax-Konzern. Qualtrics zähle zu den weltweiten Pionieren im Software-Bereich Experience Management (XM), hieß es.

400 Millionen Dollar Umsatz erwartet

Die zugekaufte Firma erwarte für das Gesamtjahr 2018 über 400 Millionen Dollar Umsatz und zukünftige Wachstumsraten von über 40 Prozent. Das Unternehmen aus dem Bundesstaat Utah wollte eigentlich bald selbst an die Börse gehen.

Mit acht Milliarden Dollar ist Qualtrics in Dollar gemessen nur etwas billiger als der 2014 gekaufte Hersteller von Reisekostensoftware Concur. Dieser hatte 8,3 Milliarden Dollar inklusive Schulden gekostet. Da der Euro damals aber mehr wert war, lag der umgerechnete Kaufpreis unter den jetzigen sieben Milliarden Euro. Diesen will SAP in bar zahlen. Die Finanzierung sei gesichert. Die Übernahme soll im ersten Halbjahr 2019 abgeschlossen sein.

Qualtrics soll Cloud-Geschäft stärken

Mit der Übernahme will SAP vor allem das Geschäft mit Unternehmenssoftware in der sogenannten Cloud - also online - stärken. Hier ist derzeit der Rivale Salesforce Branchenprimus. SAP ist der größte Anbieter von Unternehmenssoftware insgesamt, will den Kaliforniern aber auch in der Cloud zusetzen. Salesforce wächst hier aber - unter anderem getrieben von Übernahmen - weiter rasant, so dass das 1999 von Konzernchef Marc Benioff gegründete Unternehmen SAP auch künftig beim Gesamtumsatz angreifen könnte.

McDermott hat in den vergangenen Jahren zunehmend auf das stark wachsende Cloudgeschäft gesetzt und die Erfolge mit Software für das Management von Kundenbeziehungen und für den Vertrieb (CRM) betont. Auch mit Hilfe dieser Übernahme soll das operative Ergebnis schneller wachsen als der Umsatz, wie McDermott betonte.

Enorm hoher Kaufpreis

Noch sind die Größenverhältnisse zwischen den beiden Konzernen eindeutig: SAP machte vergangenes Jahr mit dem Verkauf von Software 19,5 Milliarden Euro Umsatz, davon 3,8 Milliarden in der Cloudsparte. Salesforce brachte im Geschäftsjahr 2017/18 (Ende Januar) rund 10,5 Milliarden Dollar Umsatz auf die Waage, davon 9,7 Milliarden über die Cloud.

Die Analysten von Mainfirst sprachen von einem enorm hohen Kaufpreis, ließen ihre Einstufung aber auf "Outperform" mit einem Kursziel von 120 Euro. Auch das Analysehaus Bernstein Research hat die Einstufung für SAP angesichts der Übernahme des US-Unternehmens Qualtrics auf "Outperform" mit einem Kursziel von 115 Euro belassen.

Die Anleger reagieren verschreckt. Die SAP-Aktie eröffnet im Minus und notiert zeitweise vier Prozent im Minus.

lg/dpa