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Mangel an zuverlässigen Ausrüstern Das 5G-Problem der Telekom

von Notker Blechner

Stand: 19.02.2020, 06:45 Uhr

In den USA ist die Telekom fast am Ziel. Ein New Yorker Richter hat den Weg für die Fusion der US-Tochter T-Mobile US mit Sprint frei gemacht. Weniger rosig sind die Perspektiven im deutschen Heimatmarkt - wegen 5G.

Gerade erst hatten die Telekom-Manager die Genehmigung der Sprint-Mobile-US-Fusion durch den US-Richter Victor Marrero gefeiert. Da trübte eine Rücktritts-Meldung die Stimmung in der Bonner Konzernzentrale. Überraschend verkündete Telekom-Deutschland-Chef Dirk Wössner seinen Rücktritt. Er galt als heißer Kandidat für die Nachfolge von Telekom-Chef Timotheus Höttges.

Anschluss an Vodafone verloren

Laut Medienberichten habe Wössner beim 5G-Aufbau zu langsam reagiert. Bei der Einführung des Echtzeitmobilfunks war Rivale Vodafone deutlich schneller als die Telekom. Vodafone startete im Sommer als erster Betreiber in Deutschland das 5G-Netz für private Nutzer. Seither haben die Briten Tausende Kunden gewonnen und lukrative Projekte an Land gezogen. So rüstet Vodafone gemeinsam mit Total erste Tankstellen in Deutschland mit schnellem 5G-Mobilfunk aus.

Die Telekom kommt zwar inzwischen auch mit dem 5G-Ausbau voran. Doch der Bonner Magenta-Konzern hat ein großes Problem: den geeigneten Ausrüster zu finden. Denn der bisherige Partner Huawei steht unter Spionageverdacht und wird möglicherweise vom Ausbau der deutschen G5-Infrastruktur ausgeschlossen. Die SPD und Teile der Union setzen sich jedenfalls dafür ein.

Auf Distanz zu Nokia und Huawei

Doch auch mit einem anderen Partner gibt es Probleme. Die Rede ist vom finnischen Netzwerkausrüster Nokia. Einem Insider zufolge ist die Telekom höchst unzufrieden mit den Finnen. Die Bonner Manager sollen Nokia aufgefordert haben, ihre Leistungen zu verbessern. Dabei hat die Telekom Nokia als Funknetz-Ausrüster bereits fallen gelassen. Nur in Deutschland gibt es noch eine letzte Galgenfrist.

Weil er Telekom ohne Nokia und Huawei schlichtweg die Alternativen fehlen. Es bliebe unter den großen Ausrüstern nur noch die schwedische Ericsson übrig. Eine solche Abhängigkeit wollen die Bonner nicht riskieren. "Wir verfolgen eine Mehr-Zulieferer-Strategie, um uns nicht auf einen einzigen Anbieter verlassen zu müssen", verteidigt sich der Magenta-Konzern.

Welche Alternative zu Ericsson?

Im Dezember 2019 verkündete die Telekom, angesichts der unklaren politischen Lage aktuell keine Verträge mehr zu 5G einzugehen - "mit keinem Hersteller". Nun läuft den Bonnern die Zeit davon. Bis Ende des Monats soll dem Vorstand eine aktualisierte Strategie vorgelegt werden, welche Anbieter nun für die 5G-Ausrüstung zur Verfügung stehen. Antennen und Basis-Stationen für das Mobilfunk-Netz stammen derzeit zu gleichen Teilen von Nokia und Huawei. Qualitätsprobleme bei den Finnen sorgten dann dafür, dass ihr Anteil an den Ausgaben für die deutschen Netze auf 30 Prozent schrumpfte.

Inzwischen bevorzugt die Telekom Ericsson. Im vergangenen Jahr wurde mehreren Insidern zufolge erwogen, Huawei als Hauptlieferant zu behalten. Rund 70 Prozent der Investments für das 5G-Netzwerk sollten an die Chinesen fallen, 30 Prozent an Ericsson. Doch diese Lieferantenaufteilung dürfte nun bald Makulatur sein angesichts des anhaltenden politischen Drucks auf Huawei.

Telefonica und Vodafone halten an Huawei-Technik fest

Die Telekom-Rivalen haben es da leichter. Trotz Kritik aus Berlin halten Vodafone und Telefonica unbeirrt an Huawei als Partner für den 5G-Aufbau fest. Telefonica setzt auf Huawei und Nokia, Vodafone bezieht beim Antennen-Netz seine Technik zur Hälfte von Huawei und Ericsson. Ohne den Marktführer verliere Deutschland den Anschluss an die Zukunft, warnten Deutsche Telekom und Vodafone Ende des vergangenen Jahres.

Im 5-G-Rennen hat derzeit Ericsson die Nase vorn. Die Schweden haben eigenen Angaben zufolge bis Anfang Dezember 76 Ausrüsterverträge für 5G-Netze weltweit abgeschlossen. Huawei verweist auf 60 Orders, Nokia spricht von 50 Aufträgen.

Huawei hat's auch im restlichen Europa schwer

Die größten europäischen Telekom-Konzerne bevorzugen eine europäische Lösung. Orange, die frühere France Télécom, hat die 5G-Aufträge regional zwischen Ericsson und Nokia aufgeteilt. Die EU-Kommission hat jüngst den Mitgliedsländern empfohlen, risikobehaftete Anbieter wie Huawei aus Kernbereichen der Netze fernzuhalten.

Beim Ausblick, den die Telekom mit ihren Jahreszahlen am Mittwoch präsentiert, dürfte das 5G-Dilemma eine Rolle spielen. Eine rasche politische Klarheit könnte den T-Aktien neuen Schub geben. Von der neuen Mobilfunk-Generation versprechen sich Analysten und Branchenbeobachter ein großes Wachstumspotenzial auch für die Telekom.

US-Expansion wird teuer

Das Problem: Der 5G-Ausbau in Europa dürfte für die Bonner teuer werden. Gleichzeitig brauchen sie auch viel Geld für die Expansion in den USA. T-Mobile US hat versprochen, ein landesweites 5G-Mobilfunknetz aufzubauen. 40 Milliarden Dollar an Investitionen hat T-Mobile-US-Chef John Legere in Aussicht gestellt. Wie der Magenta-Konzern diesen Spagat zwischen den USA und Europa schaffen will, wird er bald beantworten müssen.