Wochenausblick

Ein Wechselbad der Gefühle Damoklesschwert Coronavirus

von Robert Minde

Stand: 26.01.2020, 12:39 Uhr

Eigentlich müsste sich die Börse in der nächsten Woche mit der in Fahrt gekommenen Berichtssaison auseinandersetzen. Eigentlich, denn über den Märkten schwebt die ständige Angst, dass sich das chinesische Coronavirus weiter ausbreitet.

Denn wenn es um das Coronavirus geht, werden Erinnerungen wach an 2002/2003, als das SARS-Virus in China ebenfalls für die pandemische Ausbreitung einer Lungenkrankheit gesorgt und damit die chinesische Wirtschaft schwächte. Das neue Virus ähnelt jedenfalls dem von 2002.

Droht jetzt also mit dem Coronavirus ein SARS 2.0? Das Thema wird ungeachtet einer Vielzahl an Unternehmens- und Konjunkturdaten die Weltbörsen in der kommenden Woche beschäftigen. Schon am Wochenende musste die Zahl der Toten und Infizierten stetig erhöht werden, mittlerweile hat es auch in Frankreich und den USA Ansteckungsfälle gegeben.

China rigoros

Gegen die Ausbreitung schlägt China einen rigorisen Kurs ein. So wurde die Millionenstadt Wuhan, wo das Virus ausgebrochen war, ebenso von der Außenwelt isoliert, wie weitere große Städte in der Nähe.

Chinesischer Präsident Xi Jinping

Chinesischer Präsident Xi Jinping. | Bildquelle: Imago

Die chinesische Führung hat auf höchster Parteiebene eine leitende Arbeitsgruppe zum Umgang mit der neuen Lungenkrankheit eingesetzt. Der Beschluss fiel am Samstag nach Angaben des Staatsfernsehens auf einer Krisensitzung des Politbüros unter Leitung von Staats- und Parteichef Xi Jinping. Die Virus-Bekämpfung ist also zur Chefsache geworden.

Zwischen Berichtssaison und Bangen

Dow Jones Ind.: Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum Intraday
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An der Börse kommt die Entschlossenheit der chinesischen Behörden prinzipiell gut an. Am Freitag jedenfalls waren zumindest die heimischen Anleger zufrieden, allerdings ist in Deutschland bisher auch noch kein Coronavirus-Fall aufgetreten. Aber der Wind kann sich schnell drehen, wie die New Yorker Börse gezeigt hatte, als der zweite Ansteckungsfall in den USA bekannt geworden war.

Dax hat Rekordstände im Visier

Es wird also maßgeblich von der Coronavirus-Nachrichtenlage abhängen, ob sich die Märkte beruhigen. Sollte dies der Fall sein, kann es für den Dax durchaus weiter nach oben gehen, hat der Index doch erst in der vergangenen Woche mit 13.640 Punkten endlich ein neues Rekordhoch markiert, auf das die Anleger so lange gewartet haben.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Autoaktien dürften aber weiter im besonders kritischen Fokus bleiben. Denn nach den Handelsabkommen mit Mexiko und Kanada und zuletzt mit China könnte sich der unberechenbare US-Präsident Trump nun den Europäern "widmen" - mit Autozöllen hat er erst jüngst auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos schon offen gedroht.

"Insgesamt scheint den Anlegern der Risikoappetit aber nicht vergangen", schreiben die Experten der Helaba in ihrem Wochenausblick. Denn es gibt neben dem Damoklesschwert des Coronavirus viel zu tun für Anleger, Analysten, Strategen und alle anderen Marktteilnehmer und Beobachter.

Techwerte bringen die US-Berichtssaison so richtig in Fahrt

Die in den USA bereits recht vielversprechend angelaufene Berichtssaison geht weiter, unter anderem mit Zahlen des Kultkonzerns Apple am Dienstag nach Börsenschluss in New York. Oder den Berichten von anderen Tech-Schwergewichten wie Facebook, Microsoft oder Amazon. Auch E-Autobauer Tesla legt Zahlen vor, die zeigen müssen, ob die jüngste Rally der Aktie fundamental untermauert war.

SAP macht den Anfang, bange Blicke auf die Deutsche Bank

Hinzu kommt, dass auch bei uns die Großen aus dem Dax anfangen, ihre Bücher zu öffnen. Den Auftakt macht das wertvollste börsennotierte deutsche Unternehmen, der Walldorfer Softwarekonzern SAP, am Dienstag ab 7:00 Uhr.

Deutsche Bank-Chef Christian Sewing

Deutsche Bank-Chef Christian Sewing. | Bildquelle: picture alliance / Arne Dedert / dpa

Mit gemischten Gefühlen erwartet die Börse hingegen die Geschäftszahlen der Deutschen Bank am Donnerstag. Weniger der erwartete fünfte Jahresverlust in Folge dürfte die Anleger umtreiben, sondern vielmehr der Fortgang des Umbaus, den Bankchef Christian Sewing angestoßen hat.

"Es ist nicht zu erkennen, dass der Strategieschwenk ein Wendepunkt für die Bank ist", ist Barclays-Analyst Amit Goel skeptisch. "Die Bank wird Schwierigkeiten haben, ihre Ertragsziele zu erreichen."

Im Fokus der heimischen Anleger dürfte auch Dax-Absteiger Thyssenkrupp stehen, der am Freitag seine Hauptversammlung abhält. Vor allem der Ausfall der Dividende erhitzt die Gemüter beim angeschlagenen Industrie-Konzern.

Ifo-Index und Fed-Entscheid

Zudem stehen zahlreiche wichtige Konjunkturdaten auf der Agenda der kommenden Woche. So am Montag ab 10:00 Uhr der Ifo-Geschäftsklimaindex, der wichtigste deutsche Konjunkturindikator, für den Januar. Volkswirte erwarten im Mittel einen Anstieg von zuletzt 96,3 auf 97,0 Punkte.

Auch der GfK-Index wird am Mittwoch erwartet, der Auskunft über die Stimmung der heimischen Verbraucher gibt. Für die Eurozone folgen vergleichbare Stimmungsbarometer am Donnerstag. Am Freitag schließlich gibt es schließlich noch europäische Inflationsdaten und die US-Konsumausgaben.

Von der Zinssitzung der Fed werden keine Zinsänderungen erwartet. Die US-Notenbank wird am Mittwochabend ihre Entscheidung bekannt geben. Die größte Herausforderung für die Fed sei die Kommunikation der jüngsten Eingriffe am Geldmarkt, meint Commerzbank-Volkswirt Bernd Weidensteiner. Um Liquiditätsengpässe zu vermeiden, musste die Fed zuletzt wiederholt Geld in den Markt pumpen.

Anfang oder Ende des Brexit-Dramas?

Am Freitag schließlich verlässt Großbritannien offiziell die EU, das vorläufige Ende des Brexit-Dramas. Oder vielleicht erst der Anfang? Denn noch ist nicht klar, wie die zukünftigen Handelsbeziehungen zwischen der Union und den Briten ausfallen werden.

Boris Johnson

Boris Johnson. | Bildquelle: picture alliance / empics

Bis Ende 2020 ändere sich zwar wegen der vereinbarten Übergangsfrist zunächst nichts, kommentiert Martin Lück, Chefanlagestratege für Deutschland, Österreich und Osteuropa bei Blackrock. Sollte es bis Jahresende aber kein Abkommen geben, drohe ein harter Bruch. Das Thema bleibt also weiter präsent, zumal unter dem neuen britischen Premier Boris Johnson.

Wegen des chinesischen Neujahrsfestes bleiben die Märkte in China bis einschließlich Donnerstag geschlossen. Am Montag und Dienstag ist auch die Börse in Hongkong geschlossen.

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Die Hingucker der Woche Von Apple bis Visa

<strong>SAP:</strong><br/>Unter den Dax-Aktien macht Deutschlands wertvollstes börsennotiertes Unternehmen den Anfang am Dienstag ab 7:00 Uhr. Der Walldorfer Softwarekonzern ist derzeit glänzend unterwegs, alles andere als weiteres Wachtsum wäre eine Enttäuschung. Erstmals präsentiert das neue Führungs-Duo Jennifer Morgan und Christian Klein die Zahlen. <strong>Mehr zum Thema: </strong><a href="" externalId="c217ce24-b4db-48e6-9410-595711b74784"><em>SAP baut um.</em></a>: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 1 Jahr

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