Deutsches Eigenkapitalforum 2017 Daldrup

Eigenkapitalforum Daldrup auf dem Weg zum Energieversorger

von Notker Blechner

Stand: 28.11.2017, 12:58 Uhr

In den letzten Jahren ging es mit den Aktien des Geothermie-Pioniers Daldrup in die Tiefe. Zuletzt aber schossen die Öko-Titel wieder nach oben. Auf dem Eigenkapitalforum gab's eine Erklärung für das Kurs-Revival.

Was hat dieser Mann alles mitgemacht? Josef Daldrup musste sich mit wehrhaften Bürgerinitiativen, störrischen Bürgermeistern, skeptischen Politikern und kritischen Journalisten auseinandersetzen. Immer wieder wurden Baugenehmigungen für Geothermie-Anlagen verschoben, hinzu kamen technische Probleme bei Bohrungen. Nun endlich scheint der lange Kampf gewonnen zu sein. "Wir haben den Durchbruch geschafft", verkündete Daldrup freudestrahlend am Rande des Eigenkapitalforums gegenüber boerse.ARD.de.

Anlage in Landau im Probebetrieb

Seit ein paar Wochen läuft das Geothermie-Kraftwerk in Landau in der Südpfalz im Probebetrieb. Es soll mit heißem Wasser aus 3.000 Metern Tiefe Strom für etwa 4.000 Haushalte erzeugen. Das Kraftwerk war schon vor zehn Jahren in Betrieb genommen worden. 2014 war die Anlage abgeschaltet worden, nachdem sich der Boden in der Umgebung stellenweise um mehrere Zentimeter gehoben hatte und tiefe Risse entstanden waren. Experten hatten das mit dem Kraftwerk in Verbindung gebracht. Als Ursache galt arsenhaltiges Tiefenwasser, das aus einem Leck der Anlage austrat. Inzwischen hat Daldrup die Anlage saniert.

In Kürze soll das Kraftwerk in den Regelbetrieb gehen, falls die Behörden grünes Licht geben. Den anhaltenden Widerstand der Bürgerinitiative in Landau sieht Daldrup gelassen. "Das sind drei Leute", erklärt er auf dem Eigenkapitalforum. Der Leiter der Bürgerinitiative widerspricht dieser Darstellung.

Erdbeben seien in der Region rund um Landau normal. In den letzten zwei Jahren habe dort gut 800 Mal die Erde gewackelt, erklärte er auf dem Eigenkapitalforum. Dass Geothermie Erdbeben verursache, sei nicht nachgewiesen. Eine Ausnahme sei Basel. "Dort wurden Fehler gemacht." Die Ingenieure hatten dort das wenig erprobte Hot-Dry-Rock-Verfahren – das Einpressen von Wasser unter sehr hohem Druck – angewandt.

Kraftwerk in Taufkirchen soll 2018 ans Netz

Nach Landau soll auch bald die Anlage im bayerischen Taufkirchen ans Netz gehen. Der Wärmetauscher sei inzwischen eingebaut worden, so dass die Probebetriebsphase bis Ende des Jahres abgeschlossen sein dürfte. 2018 werde die Anlage dann voraussichtlich in den Regelbetrieb geben. Zunächst werde es noch ein paar Anlaufschwierigkeiten geben, warnt Daldrup. 2019 könne dann aber die volle Kapazität der Stromproduktion abgerufen werden.

Die Inbetriebnahme des 69 Millionen Euro teuren Geothermie-Projekts in Taufkirchen war ebenfalls immer wieder verschoben worden. Langwierige Genehmigungen hatten für jahrelange Verzögerungen gesorgt. Seit 2015 liefert das Kraftwerk in Taufkirchen bereits Wärme.

Umsatz- und Gewinnschub im nächsten Jahr?

Mit den Anlagen in Taufkirchen und Landau will der Bohr-Spezialist im nächsten Jahr kräftig Auftrieb bekommen. Genaue Zahlen wollte Josef Daldrup (noch) nicht nennen. 2017 soll die Gesamtleistung noch bescheiden von 39,46 Millionen auf rund 40 Millionen Euro zulegen. Für die Ebit-Marge werden zwei bis fünf Prozent in Aussicht gestellt. Im ersten Halbjahr 2017 lag die Gesamtleistung bei 22,84 Millionen Euro.

Die Hoffnung auf anziehende Geschäfte im nächsten Jahr lässt sich am Aktienkurs ablesen. Die Daldrup-Aktie stieg seit Mitte Oktober um gut 30 Prozent.

Noch macht Daldrup das meiste Geld mit Bohrungen. Das soll sich bald ändern. "Wir wollen vom Bohrspezialisten und Anbieter schlüsselfertiger Geothermiekraftwerke zum mittelständischen Energieversorger auf der Basis erneuerbarer Energien werden", kündigte Daldrup auf dem Eigenkapitalforum an.

Gewinner der EEG-Novelle

Der streitlustige Daldrup sieht die Geothermie als Gewinner der Novellierung des EEG (Erneuerbare-Energien-Gesetz). Die Einspeisevergütung bleibe langfristig stabil bei 25,2 Cents/kWh. Eine Degression komme erst ab 2021.

Freilich sieht sich die Firma nicht abhängig vom EEG. Bei der Fernwärme sei Daldrup schon jetzt wettbewerbsfähig und komme ganz ohne Subventionen aus.