Geely SUV stellt sich Daimler in den Weg
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Geely-Chef erwirbt fast zehn Prozent Anteile Chinesen steigen groß bei Daimler ein

Stand: 25.02.2018, 16:00 Uhr

Deutsche Top-Konzerne geraten zunehmend ins Visier chinesischer Investoren. Der chinesische Autobauer Geely ist zum neuen Großaktionär von Daimler aufgestiegen. Er will damit eine Allianz gegen Tesla, Google und Uber bilden.

Geely-Chef Li Shufu versprach am Wochenende ein langfristiges Engagement. Er freue sich, "Daimler auf dem Weg zu einem der weltweit führenden Anbieter von Elektromobilität zu begleiten".

Allianz gegen Tesla, Google und Uber

Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Sein Einstieg bei Daimler verband Li mit einer Kampfansage an Tesla& Co. "Die Wettbewerber, die uns im 21. Jahrhundert technologisch herausfordern, kommen nicht aus der Autoindustrie", betonte Li. Man brauche Freunde und Partner, um diesen "Eindringlingen von außen" mit vereinten Kräften zu begegnen. Zusammen mit dem Stuttgarter Autobauer will Geely eine Allianz schaffen, die beim autonomen Fahren und Elektroantrieben Rivalen wie Tesla, Google und Uber die Stirn bietet.

In den vergangenen Wochen hat Li massenhaft Daimler-Aktien für fast 7,5 Milliarden Euro eingesammelt und besitzt nun 9,7 Prozent Anteile an Daimler. Das geht aus einer Stimmrechtsmitteilung hervor, die am Freitagabend nach Xetra-Schluss veröffentlicht wurde.

Damit steigen die Chinesen auf einen Schlag zum größten Einzelaktionär des Stuttgarter Autobauers auf. Bisher war der Staatsfonds von Kuwait mit 6,8 Prozent größter Anteilseigner bei Daimler, einen richtigen Ankeraktionär haben die Stuttgarter nicht.

Was hat Geely mit Daimler vor?

Geely gehört unter anderem die schwedische Marke Volvo Cars. Laut Medienbericht ist Vorstandschef Li Shufu vor allem an der Batterietechnik der Schwaben interessiert, um den sich rasant entwickelten Elektroautomarkt in China zu erobern. Das Problem: Daimler hat bereits zwei Partner im Reich der Mitte: BAIC und BYD. Mit BAIC im Werk Peking ist der Bau des Elektro-SUV EQC für 2019 vereinbart.

Ein Daimler-Sprecher sagte, jeder langfristig interessierte Investor sei bei den Schwaben willkommen. Seit Wochen wurde spekuliert, der umtriebige Geely-Chef könne einen Großeinstieg bei dem Dax-Konzern planen.

Charmeoffensive von Li in Berlin

Laut Insidern will der Geely-Chef Anfang der kommenden Woche Spitzenvertreter von Daimler treffen. Außerdem soll auch ein Gespräch mit dem Wirtschaftsberater von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) stattfinden. Das Treffen sei Teil einer mehrtägigen Charmeoffensive des chinesischen Milliardärs in Deutschland, schrieb die "Bild am Sonntag".

Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer begrüßte den Einstieg von Li als sehr günstig für die Entwicklung von Daimler. Der Geely-Chef sei ein langfristiger, gut berechenbarer und wichtiger Anker-Investor, erklärte er. Das Muster von Lis Strategie sei sehr gut an Volvo abzulesen. Unter Ford war der schwedische Autohersteller zum Sanierungsfall geworden. "Man wollte Ford-Fahrzeuge bauen, die den Namen Volvo trugen." Unter Li würden nun Volvos gebaut und das große Know-how der Schweden "auf Geely transformiert", erklärte Dudenhöffer. Deshalb habe Geely im vergangenen Jahr mit den neuen Volvo-Plattformen einen so großen Markterfolg erzielt und seine Verkäufe um 60 Prozent steigern können.

Muss Daimler Millionen-Kredit zurückzahlen?

Derweil droht Daimler neuer Ärger wegen der Abgas-Affäre. Einem Zeitungsbericht zufolge könnte die Europäische Investitionsbank (EIB) Förderkredite zurückfordern. "Die EIB ist besorgt hinsichtlich der Vorwürfe gegen Daimler und deren potenzielle Auswirkungen auf die Kreditfinanzierung der Bank an das Unternehmen", zitierte die "Welt am Sonntag" einen EIB-Sprecher. Für eine vorzeitige Rückforderung noch offener Beträge sei es noch zu früh, dafür müssten Beweise vorliegen. "Wir werden die offiziellen Ermittlungen weiterhin genau verfolgen und entsprechend den Entwicklungen reagieren", sagte der Sprecher.  Die EIB hatte Daimler der Zeitung zufolge 2012 einen 300-Millionen-Euro-Kredit für Forschung und Entwicklung gewährt.

nb