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870 Millionen Euro Strafe aufgebrummt Daimler-Anleger brauchen starke Nerven

Stand: 24.09.2019, 16:25 Uhr

Der Konzern muss im Zuge des Dieselskandals 870 Millionen Euro Strafe zahlen. Die Ergebnisprognose für das laufende Geschäftsjahr behielt Daimler zwar bei, doch die Aktie ist ein Trauerspiel.

Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 5 Jahre
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In den vergangenen fünf Jahren hat sich der Wert der Daimler-Papiere halbiert, von gut 90 auf zuletzt 45 Euro. Am Montag geriet die Aktie erneut unter Druck. Analyst Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler hatte das Kursziel von 52 auf 48 Euro herabgesetzt. Als Grund nannte er die weltweite Krise der Autoindustrie und den Umbruch der Branche, der auch Daimler erschüttert.

Die US-Investmentbank Goldman Sachs empfiehlt sogar die Daimler-Aktie zu verkaufen. Das Kursziel liegt mit 42 Euro noch unter dem derzeitigen Niveau. Daimler sei im Sommer zwar Branchengewinner gewesen, eine Trendaussage für die europäische Absatzentwicklung lasse sich aber erst nach den September-Daten machen.

Analysten sind sich uneinig

Doch es gibt auch ganz andere Meinungen. So hat die Investmentbank Morgen Stanley die Einstufung für Daimler auf "Overweight" mit einem Kursziel von 62 Euro belassen. Auch JPMorgan traut der Aktie mehr zu, hat sie auf "Overweight" mit einem Kursziel von 65 Euro eingestuft.

Källenius schreibt Brandbrief an Führungskräfte

Wie die "Stuttgarter Nachrichten" Anfang der Woche berichteten, habe der seit Mitte Mai amtierende Daimler-Chef Ola Källenius seinen Führungskräften Mitschuld an der herrschenden Krise des Konzerns gegeben.

In dem Brief an die Führungskräfte, der der Zeitung vorliegt heißt es "der Mittelablfluss, den wir zuletzt verzeichnet haben, ist nicht akzeptabel". Nicht alle Schwierigkeiten, die dem Konzern im ersten Halbjahr entstanden sind seien auf äußere Faktoren zurückzuführen.
Um finanzielle Einbußen zu kompensieren, fordern die Vorstände die Führungskräfte auf, mit ihren Mitarbeitern ins Gespräch zu gehen. Sie wüssten am ehesten wo Verbesserungsmöglichkeiten bestünden.

Ola Källeenius

Ola Källenius. | Bildquelle: picture alliance /Marijan Murat/dpa

Seit dem Amtsantritt von Ola Källenius hat der Konzern bereits zweimal seine Ertragsprognosen korrigiert und Gewinnwarnungen herausgegeben. Dieselaffäre, die globalen Handelskonflikte und hohe Kosten für Forschung und Entwicklung neuer Technologien drücken das Ergebnis. Im zweiten Quartal machte der Konzern einen Verlust in Höhe von 1,2 Milliarden Euro.

Strafe belastet

Nun muss Daimler eine Strafe von 870 Millionen Euro zahlen. Der Bescheid kommt zwar nicht überraschend, belastet aber trotzdem. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Unternehmen vor, eine "fahrlässige Verletzung der Aufsichtspflicht in einer mit der Fahrzeugzertifizierung befassten Abteilung" vor. Diese führte dazu, dass für Dieselfahrzeuge behördliche Genehmigungen erteilt wurden, obwohl deren Ausstoß von Stickoxiden teilweise nicht den regulatorischen Anforderungen entsprach", hieß es weiter. Das Kraftfahrt-Bundesamt hatte zum Rückruf von 684.000 Fahrzeugen wegen zu hoher Abgaswerten aufgerufen. Daimler hatte gegen diese Bescheide Widerspruch eingelegt.

Daimler hält an Ergebnisprognose fest

Daimler will keine Rechtsmittel gegen die Geldbuße einlegen. Das Bußgeld zu keiner zusätzlichen Ergebnisbelastung, erklärte der Konzern. Im zweiten Quartal diesen Jahres hatte der Autobauer 2,67 Milliarden Euro für Belastungen im Zusammenhang mit dem Abgasskandal zurückgelegt.

In der Folge musste Daimler den ersten Quartalsverlust seit zehn Jahren vermelden. Der Konzern erwartet für das Gesamtjahr einen Rückgang um mehr als 15 Prozent beim operativen Ergebnis.

ms