Mercedes E-Klasse 2020

Nach Wochen des Stillstands Autobauer werfen Werke wieder an

Stand: 20.04.2020, 12:14 Uhr

Nach vier Wochen Stillstand in großen Teilen der Produktion fährt der Autobauer Daimler seine Werke von diesem Montag an wieder hoch. Auch VW will bis zum Ende der Woche die Produktion in Deutschland wieder aufnehmen. Dazu war sehr viel Vorarbeit nötig.

Gearbeitet werden soll unter strengen Hygienevorgaben, die Konzern und Betriebsrat anhand von Gefahrenbeurteilungen für jeden Arbeitsplatz erarbeitet haben. "Der daraus entstandene Katalog dient auch als Basis für die Empfehlungen des (Branchenverbands) VDA und ist am Ende auch in die Überlegungen der Bundesregierung eingeflossen", erläutert Daimler-Personalvorstand Wilfried Porth. "Da haben wir sehr viel Vorarbeit geleistet."

Damit die Mitarbeiter untereinander nicht mehr Kontakt haben als nötig, werden unter anderem die Schichten nicht voll besetzt und die Dienstzeiten so geändert, dass sich die Beschäftigten weder am Werkstor noch in den Umkleideräumen begegnen. Wo möglich, soll zudem weiter vom Homeoffice aus gearbeitet werden. "Wir haben immer gesagt: Wenn wir wieder anfangen, soll das Infektionsrisiko bei uns geringer sein als außerhalb des Unternehmens", betont Gesamtbetriebsratschef Michael Brecht.

Antriebs- und Getriebetechnik

Zuerst aufgenommen werden soll die Fertigung in der Antriebs- und Getriebetechnik. Darauf sind nicht nur die Werke in Deutschland, sondern auch die im Ausland, besonders in China, angewiesen. Während einige Standorte zunächst mit einer Schicht beginnen, soll in anderen gleich wieder in zwei oder drei Schichten gearbeitet werden.

"Wir sind noch deutlich reduziert, was die Produktion angeht", sagte Daimler-Manager Porth. Die Lieferketten hätten im Großen und Ganzen gehalten, der Anlauf in China, der schon einige Wochen zurückliegt, habe gut funktioniert. "Wir haben in Europa noch größere Themen in Italien, Frankreich ist auch noch extrem eingeschränkt", sagte Porth. Die jetzt geplanten Anläufe seien aber abgesichert.

Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Niemand weiß, wie der Markt reagiert

Seit dem Atomunfall von Fukushima im Jahr 2011 hat Daimler eine Arbeitsgruppe eingerichtet, die bei größeren Notfällen alternative Lieferanten finden soll. Dabei gilt, dass es für die Autoindustrie keine Grenzen gibt, und auch heute noch wichtige Zulieferer, etwa aus Italien, schon morgen durch andere ersetzt werden können.

Daimler hatte einen Großteil seiner Produktion im März heruntergefahren, seit dem 6. April gilt zudem Kurzarbeit, die nach jetzigem Stand erst Ende April auslaufen soll. Etwa 80 Prozent der rund 170.000 Beschäftigten in Deutschland sind in unterschiedlichem Maße betroffen. Wann Daimler mit der Produktion zurück auf das Vor-Krisen-Niveau kommen könne, sei unklar. "Wir wissen noch gar nicht, wie der Markt reagieren wird", sagt Brecht. Man fahre derzeit komplett auf Sicht und entscheide von Woche zu Woche, wie es weitergeht.

VW beginnt erst in Zwickau

Auch Volkswagen fährt in dieser Woche seine Fahrzeugproduktion teilweise wieder hoch. Im Zwickauer VW-Werk gibt es von heute an entsprechende Vorbereitungen. "Wiederanlaufen wird das Band dann am Donnerstag", so ein Unternehmenssprecher. Zwickau sei damit das erste Fahrzeugwerk in Deutschland, das der Autohersteller schrittweise wieder in Betrieb nehme.

Europaweit soll zuerst im slowakischen Bratislava losgelegt werden, wo die Bänder bereits seit heute morgen wieder laufen. In Sachsen nimmt von Donnerstag an auch das Motorenwerk in Chemnitz seine Arbeit wieder auf. In den Werken Wolfsburg, Emden, Dresden und Hannover soll es den Angaben zufolge am 27. April losgehen. Die 8.000 Mitarbeiter am Standort Zwickau sollen schrittweise an ihren Arbeitsplatz zurückkehren. Bis 3. Mai sei aber der Großteil weiterhin in Kurzarbeit, hieß es. Wann der Stand vor der Corona-Pandemie erreicht wird, sei derzeit nicht absehbar.

Ist das aufholbar?

Auch welche wirtschaftlichen Folgen die Corona-Krise nach sich ziehen werde, sei noch nicht absehbar, betonen die Autobauer. "Offensichtlich bricht uns im Moment etwas weg, von dem kein Mensch weiß, ob es aufholbar ist", sagt Daimler-Personalvorstand Porth. Sollte sich die Nachfrage aber unterhalb dessen einpendeln, was der Konzern in seiner Planung zugrundegelegt habe, sei auch klar, dass die bisherigen Sparvorgaben und der geplante Abbau von Stellen nicht ausreichten. Zudem rufen die Hersteller nach der Einführung von Kaufprämien.

lg/dpa/rtr