Ola Källenius
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Personalabbau und Kostensenkungen Daimler: Nachhaltigkeit kostet Jobs

Stand: 14.11.2019, 11:11 Uhr

Mit einer großen Schlankheitskur will der neue Daimler-Chef Ola Källenius den Autobauer fit für die Zukunft machen. Der Elektroschwenk kostet viel Geld. Auf dem Investorentag in London kündigte der Schwede Milliardeneinsparungen beim Personal und in der Produktion an.

Mit Spannung hatten Investoren auf diesen Tag gewartet: In London sollte Källenius die Zukunftsstrategie von Daimler verkünden. Und darstellen, wie der Premium-Autobauer wieder langfristig auf die Erfolgsspur zurückfindet.

Rendite für Pkw-Sparte bleibt niedrig

Doch der große Wurf blieb aus. Källenius kündigte zwar an, die Kosten in den kommenden drei Jahren um mehr als anderthalb Milliarden Euro senken und die Investitionen einfrieren zu wollen. Die Renditeziele für die Pkw-Tochter Mercedes und die Sparte Vans würden aber noch länger auf dem niedrigen Niveau von vier Prozent verharren, warnte er. Erst ab 2022 könnte die Rendite wieder mehr als sechs Prozent betragen.

In der Kernsparte mit Pkw - also ohne die Vans - hatte Daimler bisher immer eine Zielrendite von acht bis zehn Prozent angepeilt, lag aber wegen der flauen Autokonjunktur und Kosten für die Dieselaffäre zuletzt schon deutlich darunter.

Elektroschwenk kostet Gewinn

Die Kostenbelastungen zur Erreichung der CO2-Ziele erforderten "umfassende Maßnahmen zur Effizienzsteigerung" in allen Unternehmensbereichen, sagte Konzernchef Källenius zur Begründung. Das wachsende Angebot an reinen Elektrowagen und Hybridfahrzeugen führe zu "Kostensteigerungen, die die Umsatzrendite von Mercedes-Benz Cars belasten werden".

Nach den Plänen von Daimler-Boss Källenius sollen bis 2039 alle Mercedes-Neuwagen CO2-neutral fahren. Unter der Marke EQ kommen bis Ende 2022 zehn reine Elektromodelle. Vor kurzem zog auch die Lkw- und Bus-Sparte nach. Nutzfahrzeug-Vorstand Martin Daum kündigte an, dass Daimler die Nutzfahrzeugflotte für neue Lastwagen und Busse bis 2039 ebenfalls CO2-neutral machen wolle. Dabei setzen die Schwaben nicht nur auf Elektroantriebe, sondern auch auf Wasserstoff. In zehn Jahren soll die erste Laster-Kleinserie auf Wasserstoffbasis angeboten werden.

Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Die Spar- und Rendite-Ankündigungen kommen an der Börse schlecht an. Die Aktie von Daimler sackte am Vormittag um rund drei Prozent ab und ist größter Verlierer im Dax. Seit Jahresbeginn hat das Papier des Autobauers 13 Prozent zugelegt. Besonders seit Oktober ging es mit den Aktien nach oben.

Rund zehn Prozent der Top-Manager müssen wohl gehen

Bis Ende 2022 sollen bei Mercedes-Benz Cars und Vans mehr als eine Milliarde Euro an Personalkosten eingespart werden. Sowohl im Management als auch außerhalb der Produktion - in der Verwaltung - sollen Stellen abgebaut werden. Um wie viele Jobs es genau geht, ließ Daimler aber offen. Nach Informationen des Betriebsrats sind angeblich zehn Prozent der Führungskräfte, also rund 1.100 Management-Positionen betroffen. Die Investitionen und Entwicklungsausgaben sollten auf dem Niveau von diesem Jahr eingefroren werden.

Auch im Lkw-Geschäft in Europa sollen die Kosten bis Ende 2022 um 550 Millionen Euro sinken. Im Geschäft mit Lkws und Bussen peilt Daimler 2020 eine Umsatzrendite von mindestens fünf Prozent an, 2022 soll sie auf mindestens sieben Prozent klettern. Der Daimler-Konzern will zugleich die Nettoliquidität auf mehr als zehn Milliarden Euro erhöhen.

nb

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Mercedes-Benz ist eine eingetragene Marke für Autos der Daimler AG. 2016 wurden 2,08 Millionen Neufahrzeuge der Marke verkauft.