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Fragen auf der HV Daimler: Warum die Aktie trotzdem schwächelt

Stand: 05.04.2018, 08:50 Uhr

Trotz Rekordumsätzen und Bestwerten beim Gewinn kommt die Daimler-Aktie seit Jahren nicht vom Fleck. Ein Problem, das auf der heutigen Hauptversammlung für Diskussionen sorgen dürfte.

Tatsächlich hat Daimler im vergangenen Jahr so viele Fahrzeuge verkauft wie nie zuvor und damit auch bei Umsatz und Gewinn Bestwerte erzielt. 3,9 Milliarden Euro sollen als Dividende an die Aktionäre ausgezahlt werden, 400 Millionen Euro mehr als im Vorjahr.

Den Aktienkurs hat das trotzdem nicht beflügelt. Die im Dax notierten Papiere pendelten das ganze vergangene Jahr über um die 70-Euro-Marke. Im Sommer schmolzen sie sogar auf 60 Euro ab, bevor sie bis zum Jahresende wieder ihr Ausgangsniveau vom Januar erreichten. Damit ist die Aktie in etwa so viel wert wie vor vier Jahren.

Sind die fetten Jahre vorbei?

Ingo Speich, Union Investment

Ingo Speich, Union Investment. | Bildquelle: Union Investment

Kein Wunder, dass Aktionäre wie Ingo Speich, Portfoliomanager bei der Fondsgesellschaft Union Invest, dieses Thema bei der heutigen Hauptversammlung ansprechen wollen. Speich hat auch gleich die passende Antwort dazu: Am Kapitalmarkt gehe die Sorge um, dass es eigentlich nicht mehr besser werden könne und nach den fetten auch wieder magere Jahre kommen würden.

Zudem müssten sich Daimler & Co. neu erfinden und viele Milliarden in die neuen Megatrends Elektromobilität, autonomes und vernetztes Fahren sowie Carsharing investieren, was die künftige Profitabilität und die künftigen Gewinne schmälern dürfte. Viele Aktionäre befürchten eine starke Belastung der Marge, wenn massenhaft Elektroautos produziert werden sollten, um die EU-Emissionsvorgaben zu erreichen.

Dauerthema Dieselskandal

Gedeckelt wird die Aktie aber auch vom Dauerthema Diesel. US-Justiz und Stuttgarter Staatsanwaltschaft ermitteln im Zusammenhang mit dem Vorwurf der Manipulation von Abgaswerten. Dazu kommt der Skandal um Abgastests an Affen in den USA, der neben VW auch Daimler betrifft. Außerdem stehen immer noch Fahrverbote in deutschen Städten im Raum. Anleger fragen sich deshalb welche Belastungen da auf den Autobauer zukommen und ob die bereits gebildeten Rücklagen ausreichen.

Zudem werden sich der Vorstand um Chef Dieter Zetsche und der Aufsichtsrat wohl einige Fragen zu den Kartellvorwürfen gegen Daimler und andere deutsche Autobauer anhören müssen. Daimler hatte sich selbst bei den Behörden angezeigt, die EU-Kommission prüft den Fall aber noch. Die Schwaben sollen sich mit anderen Herstellern jahrelang über Technik, Kosten und Zulieferer abgesprochen haben.

Welchen Mehrwert bringt Li Shufu?

Auch bleibt unklar, wie sich die neue Unternehmensstruktur - Daimler will eine Holding mit drei rechtlich selbständigen Einheiten bilden - auf die künftige Gewinnentwicklung auswirken wird. "Die Daimler-Holding darf kein teures Beförderungskonstrukt für einzelne Manager werden, sondern muss endlich den Aktienkurs beflügeln", fordert Speich in seinem vorab veröffentlichten Redetext.

Geely-Chef Li Shufu

Geely-Chef Li Shufu. | Bildquelle: picture alliance/AP Photo

Sorgen bereitet außerdem der Einstieg des chinesischen Großaktionärs und Geely-Gründers, Li Shufu, der im Februar überraschend mit knapp zehn Prozent bei Daimler eingestiegen war. Bisher hat dieser Schritt die Daimler-Aktie eher belastet als beflügelt, weil niemand weiß, welchen Mehrwert der Einstieg für die Daimler-Anleger bringen könnte.

lg