Smart Vision EQ Fortwo Concept auf der CES Asia in Shanghai

Joint Venture mit Großaktionär Geely Daimler macht den "Smart"-Deal in China

Stand: 28.03.2019, 09:15 Uhr

Die Kleinwagenmarke Smart wird in Zukunft ganz wesentlich in China gefertigt und dort vom Band rollen. Daimler gründet dazu ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem chinesischen Auto-Hersteller Geely. Der ist bereits als Großaktionär bei Daimler an Bord.

Mit knapp zehn Prozent ist Geely an dem Stuttgarter Autokonzern beteiligt. Und die Vereinbarung zur Produktion war von langer Hand geplant worden, bereits am Mittwoch hieß es von Medienseite, der Deal sei "auf der Zielgeraden".

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Nun ist er laut den Beteiligten in trockenen Tüchern: Daimler will strategisch offenbar zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Zum einen soll die Produktion des zuletzt nicht sehr absatzstarken Smart eines Tages komplett in China stattfinden. Und mit der Fokussierung auf den Smart als Elektroflitzer kann der dortige riesige Absatzmarkt für E-Autos direkt erreicht werden.

Smart voll unter Strom

Und so sieht die Vereinbarung im Detail aus: Die beiden Unternehmen kündigten am Donnerstag an, bis Ende dieses Jahres ein Joint Venture mit einer 50:50 Beteiligung beider Seiten zu gründen. Ab 2022 soll dieses Gemeinschaftsunternehmen neue vollelektrische Smart-Modelle auf den Markt bringen. Das Design soll weiter von Mercedes stammen, die Entwicklung von Geely.

Die Smart-Produktion in Frankreich und Slowenien läuft mit dem Ende der aktuellen Modellgeneration im Jahr 2022 aus. Produziert wird dann ausschließlich in China in einer neuen Fabrik. Dadurch kann der batteriebetriebene Stadtflitzer günstiger gebaut werden, zumal Geely der führende E-Auto-Hersteller in China ist.

Verkaufszahlen nicht prickelnd

Der 1998 eingeführte Smart war in Deutschland das erste Serienmodell eines Elektroautos, das überwiegend aber auch mit Benzinmotoren gebaut wurde. Der Kleinwagen ist nicht nur vom Format her ein Zwerg, sondern blieb es auch beim Absatz. Im vergangenen Jahr rollten knapp 129.000 Exemplare zu den Kunden, etwa viereinhalb Prozent weniger als im Jahr zuvor.

Daimler-Chef Dieter Zetsche sieht in der Marke, die ab 2020 nur noch als Elektroauto geplant ist, dennoch großes Potenzial. Mit Geely soll Smart weltweit neues Wachstum produzieren. "Denn nicht nur im Reich der Mitte sehen wir für unser kleinstes Fahrzeug noch riesige Chancen." Die Smart-Beschäftigten sollten ihre Jobs behalten und künftig im Joint-Venture oder an anderer Stelle bei Daimler arbeiten. Das Smart-Werk im französischen Hambach wird auf die Fertigung von Modellen der neuen Daimler-Elektroautomarke EQ umgestellt.

Einstieg mit Weitblick

Geely-Eigner Li Shufu war im vergangenen Jahr überraschend als Großaktionär mit knapp zehn Prozent bei Daimler eingestiegen. Der Unternehmer hatte betont, mit dem Stuttgarter Premiumautobauer eng zusammen zu arbeiten, ihm aber nicht hineinreden zu wollen. Ein Angebot für einen Mitfahrdienst in China war das erste gemeinsame Projekt.

Die Daimler-Aktie hat sich in den vergangenen drei Monaten wieder deutlich nach oben entwickelt. Diesel-Skandal und Befürchtungen um eine konjunkturelle Abkühlung haben dem Titel allerdings auf Sicht von zwölf Monaten immer noch ein Kursminus von 22 Prozent beschert. Der Dax hat im selben Zeitraum lediglich fünf Prozent eingebüßt.

AB