Volocopter

Startup Volocopter sammelt weitere Millionen ein Daimler und Geely kooperieren jetzt auch bei Flugtaxis

Stand: 09.09.2019, 10:33 Uhr

Taxis, die abheben und durch die Luft schweben - daran arbeitet das Startup Volocopter, an dem Daimler beteiligt ist. Nun steigt auch der chinesische Großaktionär Geely ein, um Flugtaxis in Großstädte zu bringen. Zuletzt gelang Volocopter ein Durchbruch.

Geely war im Februar 2018 mit 9,7 Prozent der Anteile bei Daimler eingestiegen und damit auf einen Schlag zum größten Aktionär geworden. Seitdem prüfen die Schwaben und die Chinesen, wie sie sinnvoll zusammenarbeiten können - offenbar mit Erfolg.

Ab 2022 soll Geely die neuen Elektromodelle von Daimlers Kleinwagenserie Smart in China entwickeln und fertigen. Auf diesen Projekten baue auch die jüngste Kooperation auf, sagte Geely-Chef Li Shufu. Über eine Finanzierungsrunde steigen die Chinesen bei der Flugtaxi-Firma Volocopter ein, wie die Unternehmen am Montag in Frankfurt vor Beginn der Automesse IAA mitteilten.

Flugtaxis für die Metropolen

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Volocopter . | Bildquelle: Volocopter

Daimler ist bereits seit 2017 an dem Startup beteiligt, das helikopterähnliche Flugtaxis mit Elektroantrieb entwickelt. Die Fluggeräte sollen vor allem in stau- und smoggeplagten Megacities unter anderem in China zum Einsatz kommen. "Wir freuen uns zu sehen, dass unsere Partner von Geely in Volocopter investieren", sagte Daimler-Konzernchef Ola Källenius. Die Volvo-Muttergesellschaft Geely und Volocopter wollen der Mitteilung zufolge auch ein Gemeinschaftsunternehmen gründen, um Luftmobilität in Metropolen auch "in den wichtigen chinesischen Markt zu bringen".

Angeführt von Geely sammelte Volocopter bei der abgeschlossenen Finanzierungsrunde 50 Millionen Euro ein. Insgesamt hat die Firma aus dem baden-württembergischen Bruchsal damit bisher 85 Millionen Euro von Investoren bekommen. Daimler hält gut zehn Prozent an Volocopter, Intel etwa 8,5 Prozent. Hauptanteilseigner bleiben aber weiter die Gründer. Gegen Ende des Jahres will das Startup weiteres Geld einkassieren. In den kommenden drei Jahren soll schließlich das erste Modell marktfähig gemacht werden.

"Urban Air Mobility Pionier"

Das Unternehmen bezeichnet sich selbst als "Urban Air Mobility Pionier". Und die Pläne der Badener sind tatsächlich schon sehr konkret. Im August stellte Volocopter die vierte Generation der Flugtaxis vor: Der "Volo-City" für den städtischen Raum mit 18 Rotoren, einer Reichweite von 35 Kilometern und einer Höchstgeschwindigkeit von 110 Stundenkilometern. Noch in diesem Jahr soll er in Singapur fliegen und seinen "Volo-Port" - einen Flugplatz für Testflüge - präsentieren. Dort sollen alle Prozesse unter realen Bedingungen getestet werden.

Seinen ersten Flug hat Volocopter 2017 in Dubau absolviert. Der erprobte Prototyp erreichte dort eine maximale Flugdauer von 30 Minuten und eine Geschwindigkeit von 50 Stundenkilometer.

Erstmals im öffentlichen Luftraum

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Volocopter . | Bildquelle: Volocopter

Vor wenigen Wochen gelang Volocopter ein kleiner Durchbruch: Nach jahrelangen Tests und zahllosen Testflügen in gesicherten Sperrzonen ist ein "Volocopter" Ende August als erstes Fluggerät seiner Art im regulären Flughafenbetrieb gestartet. Er hob am Flughafen Helsinki ab und teilte sich erstmals den öffentlichen Luftraum mit normalen Flugzeugen und Hubschraubern.

In Deutschland könnte das Ganze noch etwas länger dauern. Auf einem Bürgerfest rund um das Mercedes-Benz-Museum bringt Daimler am kommenden Wochenende den "Volocopter 2x" - ein Vorgänger-Modell vom "Volo-City" - nach Stuttgart. Zum ersten Mal soll dann ein Volocopter in einer deutschen Großstadt abheben. In Zukunft sollen die Volocopter als Flugtaxis für Kurzstrecken in Großstädten eingesetzt werden und damit bei der Lösung des Mobilitätsproblems helfen. Ein möglicher Einsatzort wäre beispielsweise auch der Frankfurter Flughafen.

tb