Mercedesstern in Qualmwolken

Aktie robust Daimler ruft hunderttausende Fahrzeuge zurück

Stand: 12.06.2018, 18:24 Uhr

Der Daimler-Konzern steckt tief im Diesel Abgassumpf. Hunderttausende Fahrzeuge mit verbotener Software müssen in die Werkstätten zurückgerufen werden. Das ganze Ausmaß ist auch einen Tag später unklar.

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Denn die "Bild"-Zeitung meldete am Dienstag, sogar bis zu drei Millionen Fahrzeuge könnten vom Dieselskandal betroffen sein und nicht nur die 774.000, von denn gestern die Rede war. Der Autobauer widersprach am Dienstag dem Bericht. "Der Rückruf ist eindeutig auf die am Montag genannten Zahlen begrenzt", sagte eine Unternehmenssprecherin.

Hunderttausende Autos betroffen

Am Montagabend war bekannt geworden, dass wesentlich mehr Modell betroffen sind als nur der Transporter Vito mit gut 4.900 Einheiten. In dieser Sache war Firmenchef Dieter Zetsche im Mai schon einmal bei Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer gewesen, nachdem das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) für die Fahrzeuge einen Rückruf wegen unzulässiger Abschalteinrichtung bei der Abgasreinigung angeordnet hatte.

Daimler AG-Chef Dieter Zetsche nachdenklich

Daimler AG-Chef Dieter Zetsche. | Bildquelle: Imago

Der Bund ordne nun deutschlandweit einen Rückruf von 238.000 Fahrzeuge wegen dieser Abschalteinrichtungen an, erklärte Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer am Montag nach einem Treffen mit Zetsche in Berlin.

In Europa sind insgesamt 774.000 Mercedes-Fahrzeuge betroffen - neben dem schon zurückgerufenen Transporter Vito auch C-Klasse-Modelle und der Geländewagen GLC. Daimler sagte zu, kooperativ mit dem Kraftfahrt-Bundesamt schnellstmöglich die beanstandeten Funktionen zu beseitigen. Nach Angaben von Zetsche fällt kein Ordnungsgeld an. Der Minister hatte im Vorfeld 5.000 Euro pro Fahrzeug angedroht.

Bis zu diesem Montag sollte geklärt werden, bei wie vielen Fahrzeugen die beim Vito beanstandeten Softwarefunktionen im Einsatz sind. Nach bisheriger Ansicht von Daimler sind diese aber nicht unzulässig, was der Konzern vor Gericht klären will und deshalb Widerspruch gegen den Vito-Rückrufbescheid ankündigte.

Aktie zeigt sich unbeeindruckt

Das befürchtete Drama für das Daimler-Papier ist heute ausgeblieben. Die Aktie, die am Vorabend nach Börsenschluss kurzzeitig stärker einknickte, präsentierte sich heute robust. Mit einem Tagesgewinn von 1,45 Prozent gehörte das Papier zu den größten Gewinnern im Dax, der selber unverändert schloss.

Neben dem nicht enden wollenden Dieselthema leiden autoaktien derzeit unter einer schlechten Branchenstimmung angesichts drohender Importzölle in die USA. Damit hatte Präsident Donald Trump nach dem gescheiterten G7-Gipfel gedroht.

rm/rtr