Ola Källeniusbei der Eröffnung der Daimler Factory 56

Ergebnisprognose angehoben Daimler traut sich wieder was

Stand: 23.10.2020, 09:41 Uhr

Nach der Gewinnwarnung im Januar und den Belastungen der Corona-Krise brauchte Daimler-Chef Ola Källenius endlich positive Nachrichten. Die gab es mit schwarzen Zahlen im dritten Quartal und jetzt mit der Anhebung der Jahresprognose.

Wenn etwas überraschend nicht schlechter wird, ist das schon eine gute Nachricht: Daimler erwartet in diesem Jahr ein operatives Ergebnis auf dem - niedrigen - Niveau des Vorjahres. Absatz und Umsatz dürften zwar wie schon bisher erwartet deutlich unter Vorjahr bleiben, aber das Ergebnis vor Steuern und Abschreibungen (Ebit) werde auf dem Niveau von 2019 liegen, erklärte das Unternehmen am Morgen.

Was wenig spektakulär klingt, ist aber ein echter Fortschritt. Denn bisher war der Dax-Konzern von einer weiteren Verschlechterung des Betriebsergebnisses unter den Vorjahreswert ausgegangen. Das Ebit war 2019 allerdings wegen der schwachen Autokonjunktur und Milliarden schweren Lasten des Dieselskandals um gut 60 Prozent auf 4,3 Milliarden Euro eingebrochen.

Keine Rückstellungen mehr für Dieselaffäre

Die Belastungen aus der Dieselaffäre, für die der Konzern knapp drei Milliarden Euro zurückgestellt hat, fallen dieses Jahr weg. Bei der nun verkündeten Ergebnisprognose handelt es sich also mehr um eine Stabilisierung als um eine Wende zum Besseren.

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Dennoch schaffte es Daimler im dritten Quartal zu überraschen. Dank gestiegener Absatzzahlen in China - Daimlers wichtigstem Markt - und Kosteneinsparungen, ist das operative Ergebnis um 14 Prozent auf 3,07 Milliarden Euro gestiegen. Diese Dynamik aus Märkten und Kostensenkungen wird auch im vierten Quartal erwartet.

Vorausgesetzt es gibt keinen allgemeinen Lockdown

Voraussetzung der Prognose sei allerdings, "dass sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen auf den wichtigsten Märkten weiter normalisieren und es insbesondere zu keinen neuerlichen Rückschlägen infolge der Covid-19-Pandemie kommt." Tatsächlich bleibt ungewiss, ob die wieder erweiterten Kontakt- und Bewegungsbeschränkungen in Europa die Konjunktur nicht erneut in die Knie zwingen, wie dies bereits im Frühjahr der Fall war.

Finanzvorstand Harald Wilhelm sprach von einer "zunehmend schwierigen" Einschätzung der Lage. Sollte es zu keinem zweiten Lockdown kommen, würde Mercedes-Benz Pkw und Vans eine um Sonderfaktoren bereinigte Umsatzrendite von 4,5 bis 5,5 Prozent erreichen. Im dritten Quartal betrug sie 9,4 Prozent, weil der Autobauer nicht nur Kosten senkte, sondern auch bessere Preise durchsetzen konnte.

Kosten um ein Fünftel senken

"Mit diesem Schwung sind wir auf dem richtigen Weg, um unser Geschäft wetterfester zu machen", erklärte Finanzchef Harald Wilhelm. "Die Transformation von Daimler ist allerdings ein Langstreckenrennen. Wir halten das Tempo weiter hoch - fokussiert und mit hoher Disziplin."

Der Konzern will im Pkw-Geschäft Fixkosten, Investitionen und Entwicklungsausgaben bis Mitte des Jahrzehnts um ein Fünftel senken und Personal abbauen. Die Rendite soll damit auf bis zu zehn Prozent gesteigert werden.

Inzwischen haben knapp 2.000 Beschäftigte das Abfindungsangebot angenommen und den Konzern verlassen. "Ich will das nicht überbetonen, aber es geht in die richtige Richtung", sagte Wilhelm. Dies sei auch an den steigenden Ausgaben für Restrukturierung abzulesen, die im dritten Quartal auf knapp 300 Millionen Euro kletterten. Die Zahl der Beschäftigten weltweit war Ende September mit 291.770 rund 7.000 niedriger als vor Jahresfrist.

LkW-Geschäft bleibt schwierig

Der Geschäftseinbruch durch die Corona-Krise konnte im dritten Quartal etwas ausgebügelt werden. Nach neun Monaten liegt der Umsatz mit 125,6 Milliarden Euro noch 14 Prozent unter Vorjahr. Der Absatz von Pkw, Vans und Nutzfahrzeugen sackte um ein Fünftel ab auf 2,4 Millionen Fahrzeuge.

Während die Pkw-Marke mit dem Stern im dritten Quartal ein kleines Plus schaffte, leidet Daimler Trucks noch unter starken Einbußen.

lg/rtr