Daimler E-Klasse
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Zahlen hinter Erwartungen Daimler: Kartellverdacht ist "Spekulation"

Stand: 26.07.2017, 13:17 Uhr

Deutliche Steigerungen bei Umsatz und Ergebnis hat der Autokonzern im zweiten Quartal geschafft. Die Prognosen der Analysten wurden jedoch nicht ganz erreicht. Zur angeblchen Kartell-Affäre hält sich das Unternehmen bedeckt.

Zu den Vorwürfen zu Preisabsprachen wollte sich Daimler-Chef Dieter Zetsche am Mittwoch nicht recht äußern. Die entsprechenden Medienberichte bezeichnete der Manager als Spekulation, an denen man sich nicht beteiligen wolle. Nach Medienberichten hat Daimler bereits 2014 eine Art Selbstanzeige bei den Kartellbehörden gemacht und nach den Berichten damit straffrei ausgehen.

Anlegerschützer aufgebracht

Anja Kohl
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Kartellskandal überschattet Daimler-Bilanz

Das Thema dürfte Zetsche aber weiter erhalten bleiben: Auf einer Pressekonferenz der Anlegerschutzorganisation DSW sagte am Vormittag deren Geschäftsführer Marc Tüngler: "Wenn es diese Selbstanzeigen gibt, warum wurde dann nicht ad hoc gemeldet?" Die DSW stellt infrage, dass die Eigentümer "korrekt und umfänglich" informiert wurden, sollten sich die Vorwürfe bestätigen.

Der BaFin ist der Vorgang immerhin einen Blick wert: "Wir schauen uns den Sachverhalt derzeit an und entscheiden dann, wie wir weiter verfahren", so die Aufsichtsbehörde gegenüber boerse.ARD.de.

Absatz auf Bestwert

Hörfunk-Moderatorin Ulla Herrmann
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Die Zahlen zum zweiten Quartal liegen damit etwas im Hintergrund der aktuellen Ereignisse. Daimler wächst weiterhin robust, das zeigt die Entwicklung der vergangenen drei Monate. Die Erlöse lagen bei insgesamt 41,2 Milliarden Euro, ein Plus von sieben Prozent, aber einen Hauch unter den durchschnittlichen Prognosen, laut denen 41,3 Milliarden Euro erwartet worden waren. Im zweiten Quartal war der Fahrzeugabsatz auf 822.500 Einheiten und damit auf einen Bestwert gestiegen.

Auf der Ergebnisseite erreichte Daimler beim Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) 3,7 Milliarden Euro im Quartal, auch hier hatte die Expertengemeinde im Schnitt mit 3,8 Milliarden Euro etwas mehr erwartet. Das Konzernergebnis wurde schließlich von 2,45 auf 2,51 Milliarden Euro gesteigert. Wiederum einen Schnaps unter den Annahmen der Beobachter.

"Trucks" besser als "Cars"

Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Die Mercedes Cars Group mit der gleichnamigen Hauptmarke legte im Quartal beim Umsatz von 22,1 auf 23,6 Milliarden Euro zu, bei der Lkw-Abteilung, den "Trucks", konnten die Erlöse überraschend deutlich von 8,7 auf neun Milliarden Euro gesteigert werden.

Separate Geschäftsbereiche für die Sparten?

Laut Daimler-Chef Zetsche denkt das Unternehmen darüber nach, einzelne Divisionen des Unternehmens rechtlich zu verselbständigen. Die größte eigene Division ist das Lkw-Geschäft. Eine Trennung von den Trucks ist aber nicht geplant, so der Manager. Ein Börsengang oder Verkauf der Brummis steht damit offenbar zunächt nicht zu Debatte. Eine stärker eigenständige Aufstellung soll vielmehr dazu dienen, sich besser auf Kunden zu fokussieren und besser auf regionale Märkte einstellen zu können.

Angesichts guter Nachfrage im globalen Automarkt kann Daimler am Morgen seine Prognosen für das Gesamtjahr auf der Umsatzseite bestätigen: Es wird weiterhin ein "deutlicher Anstieg" bei Absatz und Umsatz erwartet.

Was macht die Aktie?

Ob die Anleger das Zahlenmaterial in eine Kurserholung ummünzen können, bleibt abzuwarten. Die Daimler-Aktie hatte in den vergangenen Tagen im Konzert der Branche rund fünf Prozent eingebüßt. Seit Jahresbeginn steht nun ein Minus von etwa 15 Prozent zu Buche.

AB