Daimler Freightliner Cascadia

Elektro-Lkws Daimler fordert Tesla heraus

Stand: 07.06.2018, 14:03 Uhr

Während Tesla mit seinem Elektro-Lkw bereits für Furore sorgte, haben die deutschen Hersteller das Nachsehen. Doch jetzt prescht auch Platzhirsch Daimler vor und setzt auf eine breite Modellpalette.

Martin Daum kämpft. "Wir sind fest entschlossen, die unbestrittene Nummer eins in der Elektromobilität zu werden", stellte der Chef der Lkw-Sparte von Daimler in Portland in Oregon klar. Um das zu unterstreichen, präsentierte er gleich zwei neue Nutzfahrzeuge mit Elektroantrieb, die spätestens 2020 oder 2021 in den USA in die Serienproduktion gehen sollen.

Keine Scheinwerferkanonen, keine Wolken aus Kunsteis wabern über die Bühne in dem einfachen Zelt auf einer Rennstrecke nahe Portland, keine bombastische Musik. Geräuschlos und unauffällig rollt Daimlers Zukunft hinein. "Das müssen sie hören - oder eben nicht." Nur das Knirschen des Sands unter den Reifen kündigt den Freightliner eCascadia an. Das ist eine ausgewachsene Zugmaschine für einen schweren Sattelzug, der in den USA bis zu 36 Tonnen wiegen und 120 Kilometer pro Stunde schnell fahren darf. 30 Schwerlastwagen sollen noch dieses Jahr an Testkunden ausgeliefert werden.

Tesla herausfordern

Mit bis zu 730 PS Maximalleistung und einem 550-Kwh-Akku will Daimler mit dem eCascadia den Konkurrenten Tesla herausfordern. Dessen Semi-Zugmaschine soll ab 2019 E-Laster in den USA salonfähig machen. Der US-Hersteller Navistar arbeitet mit seinem Partner Volkswagen ebenfalls an einem Elektrokonzept. Tesla verspricht bei seinem Elektro-Sattelschlepper je nach Batterie-Variante Reichweiten von bis zu 300 oder 500 Meilen (480 und 800 km).

Daimlers klassisch mit einer Doppel-Fahrerkabine ausgestattete eCascadia wird eine Reichweite von bis zu 250 Meilen (400 km) haben. Das reicht für große Ladung auf mittlere Entfernungen und für feste und vorhersehbare Routen, zum Beispiel zwischen Zulieferbetrieben und Herstellern oder Häfen und Lagerhäusern.

2,5 Milliarden Euro Investitionen

Daimler nimmt aber auch Lieferungen im städtischen Bereich in Angriff, etwa für die Fahrten von Zentrallagern zu Filialen. Der Freightliner eM2 wird dafür bis zu 480 PS und 325 Kwh Batterieleistung aufbringen. Binnen 90 Minuten lädt der eM2 rund 80 Prozent seiner Leistung nach, was ihn für den Stadtverkehr attraktiver machen soll. Außerdem gibt es da ein großes Problem, das die Verfechter von Elektro-LKWs nur ungern ansprechen. Die Kühlaggregate auf Lastwagen für Frischwaren verbrauchen dermaßen viel Strom, dass die Fahrleistung massiv darunter leidet. Schnelles Laden zwischendurch ist da ein Muss.

Insgesamt hat Daimler mit den neuen Modellen, dem eFuso für den asiatischen Markt, dem Mercedes-Benz eActros für den europäischen Markt und einem Elektro-Schulbus für die USA nach eigenen Angaben das größte Angebot von E-Lastern. Für die Entwicklung der neuen Elektrofahrzeuge will Daimler 2,5 Milliarden Euro investieren.

Auf jeden Fall glauben die Manager nicht, dass Daimler den Zug zur Elektromobilität verschlafen hat. "Uns Herstellern wird oft vorgeworfen, wir seien zu langsam. Aber wir wissen einfach, was alles schiefgehen kann. Das müssen Start-ups noch lernen."

lg/dpa