Mercedesstern in Qualmwolken

Milliardenschwere Kosten für Dieselnachrüstungen Daimler: Das wird teuer

Stand: 22.01.2020, 10:41 Uhr

Daimler hat im vergangenen Jahr wie befürchtet einen drastischen Ergebniseinbruch erlitten. Doch damit nicht genug: Aus der laufenden Umrüstung von Dieselfahrzeugen kommen zusätzliche Belastungen auf das Unternehmen zu.

Der Konzern schätzt die Kosten in einer Mitteilung vom Morgen auf 1,1 bis 1,5 Milliarden Euro. Damit werde die Umsatzrendite des Geschäftsfelds Mercedes-Benz Vans unter der aktuellen Ergebniserwartung von minus 15 bis minus 17 Prozent liegen. Bisher hatte das Unternehmen rund drei Milliarden Euro an Rückstellungen dafür bekannt gegeben.

Daimler gab zugleich vorläufige Zahlen zum abgelaufenen Geschäftsjahr bekannt. Das operative Ergebnis (Ebit) halbierte sich im Vergleich zum Vorjahr auf 5,6 Milliarden Euro, nach 11,1 Milliarden im Vorjahr.

Operative Rendite im Rückwärtsgang

Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Der Autobauer hatte bereits wegen Rückstellungen für Diesel-Verfahren, hohen Investitionen in Elektromobilität und Produktionsproblemen mit einem deutlichen Gewinnrückgang gerechnet. Die Hauptsparte Mercedes-Benz Cars verdiente trotz eines Absatzzuwachses 2019 vor Steuern und Zinsen nur 3,7 Milliarden Euro - nach 7,2 Milliarden im Vorjahr.

Die operative Rendite brach dementsprechend auf 4,0 von 7,8 Prozent im Vorjahr ein. Im Van-Geschäft werde der Verlust wegen der Diesel-Aufwendungen noch höher ausfallen als die jetzt bekannt gegebenen 2,4 Milliarden Euro. Detailliertere Zahlen zum Geschäftsjahr 2019 sowie zum vierten Quartal 2019 will Daimler am 11. Februar 2020 bekanntgeben.

Schlechter als befürchtet

Der Aktienkurs knickte wegen der Zahlen zunächst ein, erholte sich dann wieder, tauchte aber in der Folge erneut ab. Am Markt sei bereits mit einer Gewinnwarnung gerechnet worden, erklärte Frank Schneider von Alpha Wertpapierhandel das Kursplus. Zudem verwies er auf den festen Gesamtmarkt mit dem Dax auf Rekordhoch.

Schneider gab aber zu bedenken, dass die Eckdaten der Stuttgarter eigentlich noch schlechter ausgefallen seien als befürchtet. Das sei keine gute Basis für das neue Jahr. Zudem könnten nun auch Bedenken hinsichtlich der Dividende aufkommen.

Müssen Daimler und BMW fusionieren?

Frank Schwope, Analyst bei der NordLB, glaubt, dass sich Daimler für die nächsten Jahre von durchschnittlichen Ziel-Margen im Pkw-Bereich jenseits von acht Prozent verabschieden müsse. Gegenwärtig sei mehr denn je Fahren auf Sicht angesagt. Teslas Berlin-Brandenburger Pläne dürften die deutschen Premiumhersteller zusätzlich unter Druck setzen.

Zudem könnte eine Konsolidierungswelle bei den Automobilkonzernen einsetzen. Fiat-Chrysler und PSA seien möglicherweise erst der Anfang. Volkswagen kooperiert bereits bei Elektroautos und leichten Nutzfahrzeugen mit Ford. Toyota habe Mazda, Subaru und Suzuki stärker an sich gebunden. "Vielleicht wird es Zeit für engere Kooperationen oder gar ein Zusammengehen von Daimler und BMW", so Schwope.

lg