Hackerangriff

Schutz vor Hacker-Attacken Cyberpolicen boomen

Stand: 10.12.2017, 16:19 Uhr

Angesichts zunehmender Hackerangriffe und Online-Erpressungen schließen immer mehr Firmen eine Cyberversicherung ab. Versicherer wittern ein Milliardengeschäft. Der Markt dürfte in den nächsten Jahren explodieren.

Die Allianz und die Münchener Rück rechnen langfristig mit einer Vervielfachung des Geschäfts. "In zehn Jahren könnte es ein weltweites Marktvolumen von 20 Milliarden Euro geben", prophezeit Andreas Berger, Vorstandsmitglied der Allianz AGCS, zuständig für die Betreuung der Firmenkunden.

Schon jetzt großer Markt in den USA

Noch ist der Markt für Cyberpolicen klein, wächst aber rasant. Die Munich Re geht weltweit von einem Volumen von derzeit 3,6 Milliarden Dollar aus. Davon entfallen rund 85 Prozent auf die USA, wie Doris Höpke sagt, im Vorstand zuständig für Spezial- und Finanzrisiken. Der weltgrößte Rückversicherer erwartet bis 2020 einen Anstieg auf weltweit acht bis zehn Milliarden Dollar Prämieneinnahmen.

Laut Gesamtverband der Versicherungswirtschaft bieten in Deutschland inzwischen gut 15 Versicherer Cyber-Policen an, überwiegend für die Industrie. Als Vorreiter sieht sich hierzulande der US-Riese AIG.

EU-Verordnung dürfte neuen Schub geben

Die Zahl der Hackerangriffe nimmt stetig zu. "Bei jeder zehnten Cyber-Police wird ein Schaden gemeldet", sagt Allianz-Manager Berger. Für zusätzlichen Versicherungsbedarf dürfte 2018 die EU sorgen. Brüssel verschärft dann die Regulierung. "Die Nachfrage wird mit Inkrafttreten der EU-Datenschutzgrundverordnung im nächsten Jahr rapide zunehmen. Die sieht eine verschärfte Meldepflicht für Cyberattacken vor."

Eine einzige Cyber-Attacke kann ebenso wie eine Naturkatastrophe Tausende oder Zehntausende von Unternehmen gleichzeitig treffen - diese Risiken können auf einen Schlag immens teure Schäden verursachen. "Weltweites Risiko Nummer eins ist die Betriebsunterbrechung", sagt Allianz-Mann Berger.

Ebenso schwierig wie die Abschätzung von Domino-Effekten ist die Frage, was eigentlich versichert werden kann. "Das Einfachste ist die Versicherung der IT-Infrastruktur des Kunden vor Ort", sagt Munich-Re-Vorstand Höpke.

Viele Unternehmen sind verwundbar

In vielen Unternehmen fehlt es offenbar an Vorsorge: "Es ist erstaunlich, wie viele - auch schwere - Schäden immer noch durch vermeintlich simple Nachlässigkeiten entstehen", sagt Höpke. Er verweist auf ganz simple Sachen wie zu einfache Administratoren-Kennwörter, so dass ein Angreifer von außen nicht nur einen E-Mail-Account knackt, sondern sich Zugriff auf ein ganzes Firmennetzwerk verschafft.

nb