Creditshelf-Vorstand Tim Habe, Daniel Bartsch, Mark Währisch

Kreditvermittler in den Startlöchern Creditshelf, der besondere Börsengang

Stand: 11.07.2018, 11:00 Uhr

Das steckt eine Menge Fantasie drin, dürften Analysten und Anleger gleichermaßen angesichts eines der ersten Fintech-IPOs in Deutschland sagen. Der Spezialist für Unternehmenskredite an Mittelständler hat Details zu seinem Börsengang veröffentlicht.

Einen Emissionserlös von 15 bis 20 Millionen Euro peilt das Unternehmen mit Sitz in Frankfurt an, dazu sollen 250.000 Aktien aus einer Kapitalerhöhung an zeichnungswillige Anleger ausgegeben werden, und zwar zum Wunschpreis von je 80 Euro. Der Börsengang erfolgt nach Plan am 25. Juli in den Prime Standard der Deutschen Börse. Die Creditshelf-Anteile können ab heute bis voraussichtlich zum 18. Juli gezeichnet werden.

Plattform bringt Mittelständler und Investoren zusammen

Damit käme Creditshelf nach dem Börsengang auf eine Marktkapitalisierung von 105 bis 110 Millionen Euro, nicht schlecht für ein Unternehmen, das im vergangenen Jahr gerade einmal Erlöse in Höhe von 1,2 Millionen Euro erwirtschaftet hat. Diese Einnahmen stammen aus der Vermittlung von Krediten für mittelständische Unternehmen zwischen den Unternehmen und interessierten institutionellen Investoren. Über seine "Peer-to-peer"-Plattform bringt Creditshelf Investor und Kreditnehmer zusammen. Analysten des Unternehmens prüfen zuvor die Bonität des kreditsuchenden Unternehmens und vergeben anschließend ein Kreditrating. Dieses bestimmt dann über die Höhe des Kreditzinses - umgekehrt die Höhe der angepeilten Renditen für die Investoren.

Kreditlücke schließen

Seit dem Start der Plattform im Jahr 2015 bis März 2018 hat Creditshelf nach eigenen Angaben Finanzierungen im Volumen von 58 Millionen Euro vermittelt. Die Gründer im Unternehmenschef Tim Thabe, einem ehemaligen UBS-Banker, sehen aber erhebliches Wachstumspotenzial: Das mittelfristige Ziel liegt bei einem jährlichen Finanzierungsvolumen von 500 Millionen Euro. Optimistisch stimmt die Macher bei Creditshelf, dass es bei der Finanzierung von deutschen Mittelständlern eine "Kreditlücke" von vielen Milliarden Euro jährlich geben soll. Denn der hohe Kreditbedarf vieler junger Unternehmen wird kaum durch die Vergabe durch traditionelle Banken abgedeckt.

In Sachen Börsengang hat das Unternehmen gleich in mehrfacher Hinsicht einen "First Mover"-Effekt. Creditshelf ist der einer der ersten Vertreter aus dem Fintech-Sektor, der einen Börsengang hierzulande anpeilt, und der erste Kreditvermittler, der auf eine Internet-Plattform setzt. Im Herbst 2017 hatte die Naga Group sich als Eisbrecher in Sachen Fintech-IPOs betätigt.

Der Großinvestor investiert noch mehr

Investor Rolf Elgeti. | Quelle: picture-alliance/dpa

Und ein Erfolg des IPO scheint bei all den Unwägbarkeiten des Geschäfts bereits garantiert. Denn der Großinvestor Rolf Elgeti, der über seine Hevella Capital 46,1 Prozent der Anteile hält, hat eine so genannte "Backstop Order" für die neuen Aktien über bis zu 15 Millionen Euro aufgegeben. Das bedeutet, dass Aktien bis zu diesem Volumen von Hevella gezeichnet werden, die nicht von anderen Anlegern abgenommen werden.

Elgeti, einst Staranalyst der Commerzbank in London, hatte sich vor rund einem Jahrzehnt als Immobilieninvestor betätigt und den Immobilien-Konzern TAG neu ausgerichtet und massiv wachsen lassen. Dort ist Elgeti noch Vorsitzender des Aufsichtsrats. Zudem hat er mehrere REITs, börsennotierte Immobilieninvestments, geschaffen. Elgeti wird nach dem Börsengang bei Creditshelf wohl zum Mehrheitsaktionär aufsteigen, seine Investmentgesellschaft war in den vergangenen Jahren zudem auch an rund 40 Prozent der vergebenen Kredite als Partner-Investor beteiligt. Durch das geplante weitere Wachstum soll die Abhängigkeit der Kreditgeschäfte von Elgeti nach dem Börsengang aber verringert werden.

AB