Covestro Dämmstoffe

Zukäufe geplant Covestro: Raus aus dem Tal der Tränen?

Stand: 19.09.2018, 08:05 Uhr

Seinen Anlegern hat der Leverkusener Kunststoffhersteller Covestro in diesem Jahr keine Freude bereitet, hat die Aktie doch ein Viertel an Wert eingebüßt. Nun will das Unternehmen sein Geschäft weiter ausbauen. Ob das der Aktie hilft?

Die besten Möglichkeiten für Zukäufe sieht Firmenchef Markus Steilemann in der kleinsten Unternehmenssparte CAS, die Beschichtungen, Haft- und Dichtungsmittel umfasst. "Als noch junges Unternehmen besitzen wir keine großen Erfahrungen mit der Akquisition und Integration von Unternehmen. Deshalb wollen wir am liebsten zunächst klein anfangen, also erst gehen, dann laufen, dann rennen", sagte Steilemann der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Vor größeren Gelegenheiten werde Covestro aber nicht zurückschrecken, wenn sie ideal passen und alle Investitionskriterien erfüllen sollten.

Gut möglich also, dass Covestro bereits in den nächsten Wochen eine Übernahme verkündet, die das Wachstum weiter ankurbeln könnte. Dabei mangelt es dem Unternehmen nicht an positiven Aussichten. So hat sich im zweiten Quartal das Betriebsergebnis (Ebit) um gut 16 Prozent auf 985 Millionen Euro erhöht - mehr als von Analysten erwartet worden war.

Schneller wachsen als der Markt

Covestro kam vor allem ein starkes Geschäft mit dem Hochleistungskunststoff Polycarbonat zu Gute, der in Brillengläsern, Auto-Karosserien und Sportgeräten zum Einsatz kommt. Der Vorstand hat deshalb seine Jahresziele angehoben. Für 2018 werde nun mit einem Ebitda über dem Wert des Vorjahres von 3,4 Milliarden Euro gerechnet.

Angesichts dieser Zahlen hat Steilemann keine Angst vor einer sich abschwächenden Konjunktur. Auch die Umsetzung der im vergangenen Herbst verabschiedeten Strategie kommt voran. "Wir haben die Geschwindigkeit in den vergangenen Monaten nochmals hochgefahren und machen gute Fortschritte", versichert der Vorstandschef. Steilemann ist zuversichtlich, dass Covestro mit einem jährlichen Mengenwachstum von rund vier Prozent schneller wachsen wird als die globale Wirtschaftsleistung.

Sorge vor schwächerer Konjunktur

Dennoch ist der Einbruch der Aktie im August um zehn Euro (rund 13 Prozent) vorwiegend der Sorge vor einer sich abschwächenden Weltwirtschaft geschuldet. So berichtete Commerzbank-Analyst Michael Schäfer, Covestro habe im Sommer einen leichten Abschwung vor dem saisonal stärksten Monat September signalisiert. Das könnte das Überraschungspotenzial bei der Gewinnentwicklung im dritten Quartal begrenzen.

Barclays-Analyst Sebastian Satz verweist dabei auf fallende Preise. So hätten sich bestimmte Schaumstoffvorprodukte verbilligt, was mittelfristig die Margen von Covestro drücken könnte. Er hat deshalb das Kursziel von 98 auf 87 Euro gesenkt, die Einstufung aber auf "Equal Weight" belassen.

Ausverkaufsstimmung ist vorbei

Auch Markus Mayer, Analyst bei der Baader Bank, riet Ende Juli zu Gewinnmitnahmen bei Covestro. Begründung: Die Stimmung unter Anlegern zum Chemiesektor habe sich eingetrübt. Am Markt dürften viele Anleger eher zu defensiveren Werten greifen als Covestro, BASF oder Bayer.

Als Belastung für die Covestro-Aktie erwies sich in diesem Sommer auch die Nähe zu Bayer. Die Papiere seines ehemaligen Mutterkonzerns sind nach der Übernahme von Monsanto heftig unter Druck geraten. Dem konnte sich Covestro nicht entziehen, hält Bayer doch noch immer sieben Prozent der Papiere der Leverkusener.

Doch inzwischen scheint die Ausverkaufsstimmung in der Chemiebranche vorüber, die Titel ziehen wieder an. Selbst Covestro hat wieder die Marke von 70 Euro erreicht. Glaubt man den Experten, ist die Aktie damit deutlich unterbewertet, hat also noch viel Luft nach oben.

lg