Hörfunk-Moderatorin Franka Welz
Audio

Dax-Aufsteiger Covestro: Erfolgsgeschichte aus Leverkusen

von Lothar Gries

Stand: 19.03.2018, 11:15 Uhr

Nur zweieinhalb Jahre nach seiner Erstnotiz steigt der Kunststoffhersteller Covestro in die oberste deutsche Börsenliga auf. Dessen Produkte sind inzwischen nahezu überall, jeder kommt damit in Berührung.

Als der Leverkusener Chemie- und Pharmakonzern Bayer sich im September 2015 von seiner Kunststoffsparte trennte, fand das Ereignis außerhalb der Fachwelt kaum Beachtung. Dabei ist an diesem Tag ein neues Großunternehmen entstanden, mit dessen Produkten praktisch jeder Bewohner Deutschlands und der westlichen Welt tagtäglich in Berührung kommt.

Denn die Kunststoffe des Unternehmens sind überall – in Autos, Sportschuhen, Kleidung, Möbeln und Gebäuden. Nicht zuletzt der Boom in der Elektromobilität verspricht neue Einsatzbereiche für die vielfältig einsetzbaren Produkte aus Polycarbonat und Kunstharzen, die einst bei Bayer erfunden wurden.

Von Brillengläsern bis Flugzeugbau

Vor allem optische Speichermedien wie CDs wären ohne den Einsatz dieser Kunststoffen nicht denkbar. Neben der Elektronik werden die Produkte von Covestro auch zunehmend in der Medizintechnik, etwa bei Linsen und Brillengläsern, sowie der Kfz-Industrie und dem Flugzeugbau angewendet - und zwar weltweit.

Covestro Kunststoffe für Sportschuhe

Covestro. | Bildquelle: Unternehmen

Covestro hilft dabei, Autos leichter und damit sparsamer zu machen. Auch in Dämmsystemen für Gebäude sind Kunststoffe von Covestro enthalten. In der Unterhaltungselektronik sorgen die Produkte des Unternehmens für Funktionalität und Sicherheit. Auch in der Sport- und Schuhmodeindustrie sind Stoffe von Covestro enthalten. Sie tragen besonders dazu bei, Sneaker immer leichter und elastischer zu machen.

Unbestrittener Weltmarktführer

Bei der Herstellung von Polyurethanen und Polycarbonaten ist das Leverkusener Unternehmen unbestrittener Weltmarktführer. Das dürfte vorerst auch so bleiben, weil es Newcomer angesichts der komplizierten und teuren Herstellverfahren für diese Art von Kunststoffen schwer haben, sich zu etablieren.

Zudem verspricht der sich abzeichnende Boom in der Elektromobilität neue Einsatzbereiche. Im vergangenen Jahr hat Covestro seine Erlöse um 14 Prozent gesteigert, das Betriebsergebnis kletterte um mehr als 70 Prozent auf 3,4 Milliarden Euro. Unter dem Strich hat sich der Gewinn auf zwei Milliarden Euro verdoppelt. An der Börse wird das Unternehmen derzeit mit gut 16 Milliarden Euro bewertet.

Und die Aussichten stehen gut. Die deutsche Chemieindustrie erwartet auch für dieses Jahr weitere Umsatzsteigerungen. Dank der kräftigen Nachfrage aus dem In- und Ausland werde der Erlös wohl um 4,5 Prozent auf den Rekordwert von gut 204 Milliarden Euro steigen, erklärte der Branchenverband VCI. Im Dezember hatte der Verband noch mit drei Prozent Umsatzwachstum gerechnet.

Idee der Abspaltung ist nicht neu

Für Bayer ist die Idee einer Abspaltung nicht neu. Vor 13 Jahren trennten sich die Leverkusener bereits von einem Teil der Chemiesparte. Die wird seitdem unter dem Namen Lanxess weitergeführt. Auch dieses Unternehmen ist einst, im Herbst 2012, in die erste deutsche Börsenliga aufgerückt, musste jedoch wegen geschäftlicher Einbrüche und anschließendem Kursverlust von gut 40 Prozent wieder in die zweite Reihe, den MDax zurück.

Und warum heißt das Unternehmen nun Covestro? Das Kunstwort setzt sich aus "COllaboration" (englisch: Zusammenarbeit), "InVESTieren" und "STROng" (englisch: stark) zusammen.