TeamViewer-Pilot

Nach Wachstumsschub durch Corona Teamviewer: Die stürmischen Zeiten sind schon vorbei

Stand: 04.08.2020, 09:52 Uhr

Die Corona-Pandemie hat dem schwäbischen Softwareanbieter Teamviewer einen kräftigen Wachstumsschub verliehen. Doch die Kaufgelüste des Unternehmens schrecken die Anleger ab.

Die Teamviewer-Aktie dreht im morgendlichen Xetra-Handel deutlich ins Minus und fällt ans MDax-Ende. Damit setzt sich die seit Mitte Juli anhaltende Schwäche-Phase fort. Nachdem das Papier bis zu diesem Zeitpunkt rasant nach oben geschossen war, bis auf 54,86 Euro, sorgen die vorab veröffentlichten Eckdaten zu den Vertragsabschlüssen für etwas Enttäuschung.

Zudem gab Teamviewer die Übernahme von Ubimax, einem Bremer Softwareanbieter für die Logistikbranche, bekannt. Weil der Zukauf teilweise mit neuen Aktien bezahlt werden soll, brachen die Teamviewer-Papiere ein - und haben sich seitdem nicht wieder erholt.

Wachstum verlangsamt

Wie das Unternehmen nun bekannt gab, hat sich das Wachstum im zweiten Quartal verlangsamt. Der Umsatz legte um 21 Prozent auf 114,7 Millionen Euro zu. Zwar konnte das Unternehmen in der Region Amerika viele Neuverträge abschließen, doch legte die Kundenzahl insgesamt nur moderat zu, von gut 514.000 Ende des ersten Quartals auf nun 534.000.

Im ersten Quartal war das Neugeschäft noch deutlich stärker gewachsen. Auch im April war die Nachfrage noch hoch, normalisierte sich dann aber laut früheren Aussagen wieder. Teamviewer will vor allem bei Großkunden mit mehr als 10.000 Euro Vertragsvolumen wachsen, die Zahl solcher Kunden stieg nun auf 1.457. Vor einem Jahr waren es nur 518.

Ärger wegen Cyberattacke

Ärger könnte den Schwaben aus einer Cyberattacke vor einigen Jahren drohen. 2016 war Teamviewer angegriffen worden. Eine der Strafverfolgungsbehörden, mit denen man nach der Attacke zusammengearbeitet habe, habe das Unternehmen nun auf einen damit zusammenhängenden Datenverlust hingewiesen.

Vorbehaltlich einer detaillierten Analyse könne das zu Benachrichtigungspflichten von Behörden und Kunden führen. Es gebe jedoch keine Belege für einen Datenmissbrauch, nachdem das Unternehmen bis Mitte 2018 die Infrastruktur verbessert hatte. Rückstellungen für eventuelle Belastungen hat das Unternehmen bisher keine gebildet.

Goldman Sachs-Analyst bleibt bullisch

ARD-Börsenstudio: Jan Plate
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ARD-Börse: Schwäbische Teamviewer Corona-Profiteur

Die Jahresprognose bestätigte das Management ohne Berücksichtigung der Ubimax-Übernahme, die noch im laufenden Quartal abgeschlossen werden soll. Vorstandschef Oliver Steil stellte bei der Vorlage der Zahlen am Morgen bereits weitere Zukäufe in Aussicht. Dabei könnten auch "größere Unternehmen spannend sein".

Der Analyst von Goldman Sachs, Mohammed Moawalla, der sich stets besonders bullisch zur Teamviewer-Aktie geäußert hat, beließ die Einstufung für Teamviewer nach den Zahlen auf "Buy" mit einem Kursziel von 50 Euro. Das zweite Quartal des Softwareanbieters habe bei Margen und Free Cashflow seine Erwartungen übertroffen, schrieb er. Die Strategie des Unternehmens verlaufe planmäßig. Die Anleger bleiben jedoch vorsichtig.

lg