Kronkorken auf einer Corona Extra-Bierflasche

Imageschaden und Baustopp einer Brauerei Corona in der Krise

Stand: 24.03.2020, 11:54 Uhr

In Mexiko stoppen Bürger den milliardenschweren Bau einer Corona-Brauerei. Der weltgrößte Bierbrauer AB Inbev, der an der Marke beteiligt ist, muss seine Prognose streichen. Unternehmen rund um das Bier haben es momentan schwer.

Weltweit gehört Corona zu den umsatzstärksten Biermarken. Doch aktuell ist es wohl auch den Menschen ein Begriff, die gar kein Bier mögen. Mehr oder weniger schlechte Witze über die Parallelen zum Virus sind überall zu hören und sehen - im Internet oder im Supermarkt vor der Getränketheke. Für die Bierbrauer rund um die Marke Corona bedeutet es allerdings einen massiven und ernsten Imageschaden.

Außerhalb der USA produziert und vertreibt das Corona-Bier der mexikanische Hersteller Grupo Modelo, an dem der belgische Getränkeriese AB Inbev die Mehrheit hält. Nach Angaben des weltgrößten Bierbrauers mit Marken wie Beck's und Budweiser ist der Umsatz von Corona in den ersten beiden Monaten nach dem Ausbruch des Virus um rund 170 Millionen Euro zurückgegangen.

AB Inbev streicht Prognose

Die Flaschen mit der Beschriftung "Corona Extra" sind derzeit einfach weniger gefragt. Auch das könnte AB Inbev dazu veranlasst haben, die Prognose wegen der weltweiten Krise zurückzuziehen. Gründe seien eben die hohe Unsicherheit und die schnelle Entwicklung der Lage, teilte der Konzern am Dienstag mit.

AB Inbev hatte bereits Ende Februar mitgeteilt, dass das Coronavirus Umsatz und Gewinn belasten wird, aber noch an der Prognose eines Anstiegs des operativen Ergebnisses um zwei bis fünf Prozent festgehalten.

In vielen Ländern sind wegen der Corona-Krise mittlerweile Restaurants und Bars geschlossen, was sich auf den Absatz von Bierbrauern und Getränkeherstellern auswirkt. Zudem zieht sich der geplante Verkauf des Australien-Geschäfts für 11,3 Milliarden US-Dollar an den japanischen Konkurrenten Asahi in die Länge.

Die Aktie liegt am Dienstag allerdings rund fünf Prozent im Plus. Seit Anfang Februar hat sie dennoch etwa 40 Prozent an Wert verloren.

Bürger stoppen Corona-Brauerei in Mexiko

Kronkorken auf einer Corona Extra-Bierflasche

Corona. | Bildquelle: imago images / Levine-Roberts

Einer Telefonumfrage der Agentur 5WPR zufolge sagen 38 Prozent der Bier trinkenden Amerikaner, aufgrund des Virus das Bier aktuell nicht zu kaufen. Der US-Hersteller Constellation Brands wies die Umfrage zurück. Trotzdem reagierte er mit einer PR-Kampagne, bei der Kult-Rapper Snoop Dogg eine Rolle spielen soll.

2013 hatte Constellation Brands die Exportrechte von Mexiko in die USA gekauft - unter anderem für die beliebte und vor Ort am meisten verkaufte Marke Corona. Damit übernahm der Konzern das US-Geschäft von Grupo Modelo.

Drei Jahre später kündigte Constellation Brands ein 1,5 Milliarden Dollar teures Projekt in der mexikanischen Grenzstadt Mexicali an. Bisher ist die Brauerei zu 65 Prozent fertiggestellt worden. Doch jetzt ist Schluss: Nach einer Bürgerbefragung darf sie nicht in Betrieb gehen.

Umstrittenes Projekt

Die geplante Brauerei war umstritten, weil befürchtet wurde, dass sie den Menschen der trockenen Region dringend benötigtes Wasser entziehen würde. Bei der Befragung der Bewohner Mexicalis am Wochenende stimmten 76,1 Prozent der Teilnehmer gegen die Inbetriebnahme der Brauerei, wie Mexikos Regierung mitteilte.

Es beteiligten sich allerdings nur 36.780 der mehr als eine Million Bewohner der Stadt im Bundesstaat Baja California. Die Befragung erfüllte aus mehreren Gründen nicht die Kriterien eines verbindlichen Bürgerentscheids. Die Regierung hatte aber erklärt, das Ergebnis anerkennen zu wollen. "Man muss die Entscheidung des Volkes respektieren", sagte Präsident Andrés Manuel López Obrador am Montag.

Die nationale Wasserbehörde werde dem Konzern wegen der Ablehnung durch die Bevölkerung keine Nutzungserlaubnis erteilen, hieß es. Die Regierung wolle mit dem Unternehmen in Kontakt treten, um Lösungen für die entstandenen Schäden zu suchen.

Die Anleger konnte das offenbar nicht beruhigen. So sackte die Aktie des US-Konzerns am Montag um fast zwölf Prozent ab. Seit einem Zwischenhoch Mitte Februar schnellte das Papier um fast die Hälfte seines Wertes nach unten.

tb