Fahnen mit Unternehmenslogo von Continental in Hannover
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Trübe Aussichten auf 2019 Conti: Das ist keine Überraschung mehr

Stand: 14.01.2019, 15:10 Uhr

Trotz Gewinnwarnungen ist es für den Autozulieferer Continental im vergangenen Jahr etwas besser gelaufen als erwartet. Eine Trendwende ist 2019 allerdings nicht zu erwarten. Im Gegenteil. Die Anleger greifen trotzdem bei dem gefallenen Engel zu.

Die Continental-Aktie dreht nach anfänglichen Kursverlusten ins Plus. Dabei hat sich das Papier im vergangenen Jahr wegen der wiederholten Gewinnwarnungen mehr als halbiert, stürzte von 251 Euro auf 120. Damit war Conti im Dax einer der schwächsten Werte 2018. Für Enttäuschung sorgte am Morgen zunächst vor allem die in Aussicht gestellte weitere Schrumpfung der Marge.

Sie soll im laufenden Jahr zwischen 8 und 9 Prozent liegen, teilte das im Dax notierte Unternehmen am Morgen mit. 2018 ging die Marge auf 9,2 Prozent zurück, von 10,8 Prozent im Vorjahr. Das entsprach einem Ergebnis vor Steuern und Zinsen von rund 4,1 Milliarden Euro, der damit knapp über den Erwartungen der Analysten lag. Der Umsatz lag 2018 mit 44,4 Milliarden Euro knapp über Vorjahr.

Keine große Überraschung

Nach den zwei Gewinnwarnungen im vergangenen Jahr überrasche es kaum, dass Autozulieferer vorsichtig ins neue Jahr gehe, schrieb Analyst Christian Ludwig in seiner aktuellen Studie. Die Prognosen für 2019 könnten auf den ersten Blick zwar enttäuschen, schafften aber Spielraum, sie letztendlich zu übertreffen. Allerdings dürfte es insgesamt ein erneut schwieriges Jahr für den Dax-Konzern werden. Ludwig stuft die Aktien mit "Halten" und einem Kursziel von 140 Euro ein.

Im laufenden Jahr peilt Continental einen Umsatzanstieg auf 45 bis 47 (2018: rund 44,4) Milliarden Euro an. Hier liegt die durchschnittliche Expertenprognose bisher bei etwas mehr als 46 Milliarden Euro. Vollständige Zahlen legt das Unternehmen am 7. März 2019 vor.

Continental: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
136,70
Differenz relativ
-0,36%

Wie die gesamte Automobilindustrie stehen auch die Zulieferer vor enormen Umbrüchen. Das Management hat sich deshalb für einen radikalen Umbau entschieden. So soll die Antriebstechnik abgespalten und an die Börse gebracht werden. Allerdings dürfte der Börsengang angesichts der aktuell niedrigen Bewertung der gesamten Autobranche eher enttäuschend ausfallen. Die Reifen und der Rest der Autozuliefersparte - unter anderem Elektronik, Sensoren und Bremsen - sollen zumindest vorerst komplett unter dem Konzern-Holdingdach bleiben.

Gesunkene Autoproduktion

Mit dem Geld aus dem Börsengang will Conti unter anderem investieren und zukaufen. Die Anleger konnte das Vorhaben nicht überzeugen - auch weil das Unternehmen im vergangenen Jahr gleich zweimal die Gewinnprognosen kappen musste. Probleme machen vor allem die Automobilmärkte in Europa und China.

Conti-Reifen mit Logo-Aufkleber

Continental AG. | Bildquelle: picture alliance / Julian Stratenschulte/dpa

Auf dem Heimatkontinent belastete die gesunkene Auto-Produktion wegen der Umstellung auf den neuen Abgas- und Verbrauchsstandard WLTP, in China die abwartende Haltung von Autokäufern wegen des Handelsstreits mit den USA. Dass es im neuen Jahr stützende Maßnahmen aus Peking für den Automarkt geben wird oder sich der Zollkonflikt mit den USA in Luft auflöst, ist keineswegs sicher.

Kein drastisches Sparprogramm

Trotz des höheren Margendrucks sieht das Management keinen Bedarf, stärker auf die Kostenbremse zu treten. "Wir brauchen keine drastischen Restrukturierungsprogramme zu fahren", sagte Finanzvorstand Wolfgang Schäfer am Montag der Nachrichtenagentur Reuters in einem Telefoninterview.

Der Konzern arbeite ständig daran, seine Kosten zu senken. Das Unternehmen sei nach wie vor in der Lage, zwischen drei und fünf Prozentpunkte schneller zu wachsen als die weltweite Automobilproduktion. Das Wachstum werde zwar in den ersten beiden Quartalen dieses Jahres nicht ganz so stark ausfallen. Danach wolle Conti aber wieder bei diesen drei bis fünf Prozentpunkten mehr sein.

Im Herbst nahm das Top-Management die Belegschaft in die Pflicht. Zu viele Geschäftsbereiche erreichten ihre Ziele wiederholt nicht, hieß es da. In Zukunft will sich der Konzern stärker auf Software ausrichten als bisher.

Die meisten Analysten sind dem Unternehmen aber wohlgesonnen. Neun Experten raten zum Kauf der Aktie, 13 zum Halten, zwei raten zum Verkauf. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 174,55 Euro - also rund 38 Prozent über dem aktuellen Niveau.

lg/dpa/rtr