Continental - selbstfahrendes Auto

Conti-Aktie gen Rekordhoch? Conti zieht ab

Stand: 09.11.2017, 11:13 Uhr

Autozulieferer Continental ist gut im Geschäft. Der Bereich Autoelektronik mit den zukunftsträchtigen Fahrerassistenzsystemen wächst stark. Und das Reifengeschäft bringt die Gewinne. Conti verspricht einen starken Jahresschluss.

Fahrerassistenzsysteme werden aus Gründen der Sicherheit in immer mehr Autos eingebaut, auch im Hinblick auf das langfristige Ziel selbstständig fahrender Autos. Das ist der große Wachstumsbereich für Autozulieferer und Reifenhersteller Continental.

Die Wachstums-Sparte

Conti-Chef Elmar Degenhart will das Geschäft mit Sensorik, Software-Dienstleistungen und E-Mobilität in den nächsten Jahren energisch vorantreiben. Diese Wachstumsstory läuft schon jetzt, wie Contis neue Zwischenbilanz zum dritten Quartal zeigt. Es ist vor allem dieser Bereich, der den Umsatz konzernweit um sieben Prozent auf 10,7 Milliarden Euro steigen ließ. Der Anteil der Produkte aus den Bereichen Elektronik, Software und Sensorik aus dem Geschäftsfeld Automotive wächst stetig. "Lag er im Jahr 2012 noch bei etwa 50 Prozent des Umsatzes der Automotive Group, liegt er heute bereits bei über 60 Prozent – Tendenz steigend“, erklärte Finanzvorstand Wolfgang Schäfer.

Conti-Chef Degenhart zeigte sich entsprechend zufrieden und versprach einen starken Jahresschluss. Der Dax-Konzern liege nach neun Monaten voll im Plan. "Das vierte Quartal wird noch einmal stark verlaufen. Das gilt für Umsatz und Ergebnis", sagte Degenhart. Damit werde das Unternehmen die Jahresziele "sicher erreichen".

Für die Folgejahre bleiben die Hannoveraner in dem Geschäft auch zuversichtlich. Der Auftragseingang sei in den neun Monaten bis Ende September um ein Fünftel auf mehr als 30 Milliarden Euro angewachsen.

Die Gewinn-Sparte

Das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern stieg konzernweit im dritten Quartal um mehr als zwei Drittel auf 1,09 Milliarden Euro. Vor einem Jahr hatte Conti für Kartellverfahren und Gewährleistungsansprüche sowie Probleme eines Zulieferers in Japan hunderte Millionen an Sonderkosten verbucht. Unter dem Strich stand nun auch ein nahezu verdoppelter Gewinn von 729,1 Millionen Euro. Insgesamt schnitt Conti bei den Ergebnissen wie von Analysten geschätzt ab.

In der kleineren, aber lukrativeren Reifensparte belasteten gegenüber dem Vorjahr erneut höhere Rohstoffkosten. Im dritten Quartal schlugen die mit 100 Millionen Euro zu Buche, im vierten Quartal würden noch einmal 50 Millionen Euro hinzukommen, sagte Finanzchef Schäfer. Analysten hatten zuvor ausgerechnet, dass Conti um wenigstens einen Teil der insgesamt kalkulierten Belastung von 450 Millionen Euro im Jahr herumkommt, weil die Preise für Rohmaterialen wie Kautschuk und Butadien sich nicht allzu stark erhöht hatten wie prognostiziert.

Conti-Aktie gen Rekordhoch?

Die jüngere Entwicklung der Rohmaterialpreise werde sich allerdings erst im kommenden Jahr auswirken, hieß es nun vom Unternehmen. Beim bereinigten operativen Ergebnis in der Reifensparte lag das Unternehmen im dritten Quartal denn auch weiter unter dem Vorjahreswert. Allerdings ist das Geschäft mit einer Marge von über 15 Prozent immer noch der Gewinnbringer im Konzern. Im ersten Halbjahr konnte Conti wie europäische Rivalen auch die Preise erhöhen, was den Umsätzen nach oben half. Auch im dritten Quartal gab es durch Preiserhöhungen bei Reifen positive Effekte. Und mit Blick auf das vierte Quartal kann Conti sagen: Der Verkauf von Winterreifen ist gut angelaufen. Allerdings hängt alles weitere auch davon ab, wann Schnee fällt.

An der Börse kam das Zahlenwerk gut an. Die Aktie legte deutlich zu und knüpfte damit an die zuletzt positive Entwicklung an. Sei legt gut anderthalb Prozent zu auf 220,25 Euro. Das vor zweieinhalb Jahren markierte Rekordhoch von 234,25 Euro liegt in nicht mehr allzu weiter Ferne.

Conti will zwar den Bereich Elektromobilität deutlich ausbauen - und muss dann auch kräftig investieren. Aber bei seiner Dividendenpolitik will das Unternehmen dennoch vorerst bleiben. "Wir investieren ordentlich in Zukäufe und Technologien, gleichzeitig bieten wir mit bis zu 30 Prozent eine attraktive Ausschüttungsquote", sagte Schäfer. Einige Analysten hatten für das kommende Jahr dank dann womöglich sinkender Verschuldung auf etwas mehr Luft bei den Ausschüttungen spekuliert.

Reifensparte an die Börse?

Die Continental-Aktie hatte nach einer ausgeprägten Schwächephase zuletzt wieder zugelegt. Nicht nur, weil der Konzern selbst seine Jahresprognose leicht angehoben hatte. Auch Konkurrenten trugen ihren Teil dazu bei. Autoliv etwa, der schwedische Autozulieferer trägt sich mit Aufspaltungsgedanken. Geplant ist die Teilung in zwei börsennotierte Unternehmen: eine Firma für passive Sicherheitstechnik, wie Airbags und Sicherheitsgurte und eine für aktive Sicherheitstechnik wie Fahrassistenzsysteme. Und Conti gehört zu den größten Unternehmen im Bereich Fahrerassistenzsysteme.

Spekuliert wurde von einem Börsenbrief, dass Continental Milliarden bräuchte für den Ausbau der Elektromobilität. Das ließe sich zum Beispiel dadurch finanzieren, dass der Dax-Konzern möglicherweise die Reifensparte an die Börsen bringe.

bs