Conti-Reifenwerk in Hannover
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Autoproduktion schwächelt Conti im Nachfragetal

Stand: 23.07.2019, 17:51 Uhr

Der Autozulieferer wird von der Nachfrageschwäche in der Branche hart erwischt. Im zweiten Halbjahr werden Umsatz und Ergebnis deutlich unter den bisherigen Prognosen liegen, so Conti am Montagabend. Die Aktie leidet zunächst, dreht aber dann ins Plus.

Die Aktien von Conti waren mit einem Plus von über sechs Prozent der Top-Gewinner im Dax. Sie zogen die anderen Autoaktien wie BMW, Daimler und VW mit hoch. Anleger könnten angesichts der ausgeprägten Schwäche der Autobranche bereits mit einer Gewinnwarnung der Hannoveraner gerechnet haben. Analyst Erwann Dagorne von der Barclays Bank sprach von einem "Déjà-vu".

In der Tat waren die Umsatz- und Gewinnwarnung des Unternehmens vom gestrigen Abend nicht ganz überraschend. Bei Umsatz und Gewinn muss das Unternehmen nun seine Ziele zusammenstreichen, vor allem, weil die weltweite Produktion von Pkw und leichten Nutzfahrzeugen in diesem Jahr wohl um fünf Prozent sinken wird, und dies auf den Autozulieferer durchschlägt.

Besonders China macht Sorgen

Der Umsatz bei Conti soll nur noch 44 bis 45 Milliarden Euro erreichen, zuvor waren 45 bis 47 Milliarden Euro angepeilt. Bei der um Sondereffekte bereinigten Marge des Ergebnisses vor Zinsen und Steuern (Ebit) rechnet man nun mit einem Wert zwischen sieben und 7,5 Prozent. "Für das zweite Halbjahr sind wir nun weniger optimistisch als zuvor. Grund dafür ist der fortlaufende Abwärtstrend der Automobilproduktion in Europa, Nordamerika und insbesondere in China. Auch die weiter ungelösten Handelskonflikte tragen zu wirtschaftlicher Unsicherheit bei", so Finanzchef Wolfgang Schäfer.

Das zweite Quartal zeigt bereits, in welche Richtung die Geschäftsentwicklung bei Conti zeigt: Von April bis Juni erzielte das Unternehmen einen Umsatz von 11,2 Milliarden Euro nach 11,4 Milliarden im Vorjahreszeitraum. Die bereinigte operative Marge lag mit 7,8 Prozent deutlich unter dem Vorjahreswert von 10,2 Prozent.

Weitere Belastungen möglich

Vor allem für die Autozuliefersparte, die direkt vom Produktionsvolumen der Autohersteller abhängt, werden die Aussichten aber immer düsterer. Unerwartete Veränderungen des Abrufverhaltens von Kunden führten zu Volumenrückgängen bei bestimmten Produkten der Sparte, hieß es. Im zweiten Halbjahr könnte es laut dem Unternehmen außerdem zu Rückstellungen für Gewährleistungsfälle kommen, weitere Belastungen für die Ergebnisausbeute wären die Folge.

Conti musste bereits im vergangenen Jahr zweimal den Geschäftsausblick senken. Analysten hatten mit weiteren schwachen Zahlen aus der Autobranche und auch mit weiteren Gewinnwarnungen gerechnet. Der Zollstreit zwischen den USA und China schwelt weiter, die Weltkonjunktur kühlt in vielen Regionen merklich ab. Weiterhin schwierige Aussichten für die Branche also.

AB