Continental-Schriftzug in der Zentrale in Hannover

Datenschutz-Bedenken Conti verbannt Snapchat und WhatsApp

Stand: 05.06.2018, 10:16 Uhr

Wer beim Autozulieferer Continental ein Diensthandy verwendet, für den ist Schluss mit whatsappen und snapchatten. Mehr als 36.000 mobile Geräte sind betroffen.

Ziel sei es, Beschäftigte und Geschäftspartner zu schützen, denn die Dienste griffen auf persönliche und damit potenziell vertrauliche Daten zu - beispielsweise Adressbucheinträge. Dabei gehe es um Daten unbeteiligter Dritter, wie der Autozulieferer mitteilte. 

„Wir arbeiten an null Unfällen im Straßenverkehr und fordern daher eine solche "Vision Zero" auch für den Datenverkehr", sagte Conti-Vorstandschef Elmar Degenhart. "Wir halten es nicht für akzeptabel, die Erfüllung von Gesetzen zum Datenschutz einseitig auf die Nutzer zu übertragen."

„Praktisch untauglich“

Hintergrund ist die  am 25. Mai in Kraft getretene EU-Datenschutzgrundverordnung (DSGVO), die die Verarbeitung personenbezogener Daten durch Unternehmen, Vereine oder Behörden deutlich strenger regelt als bisher. Verbraucher müssen darüber informiert werden, wer Daten wie Name, Adresse, E-Mail-Adresse und Ausweisnummer aus welchem Grund sammelt - und dem auch zustimmen.

Continental kritisierte, die Anwendungen wälzten die Verantwortung auf die Nutzer ab. Um der Verordnung zu folgen, müssten WhatsApp-Nutzer von jeder Person im Adressbuch einzeln die Zustimmung zum Teilen ihrer Daten mit den Diensten einholen. Dies sei im Alltag "nicht ausreichend zuverlässig und damit praktisch untauglich.

Was macht Snapchat?   

Der Social-Media-Dienst WhatsApp mit über 1,3 Milliarden Nutzern weltweit war 2014 für rund 22 Milliarden Dollar an Facebook verkauft worden. Der WhatsApp-Konkurrent Snapchat war mit spektakulärem Erfolg im März 2017 an der Börse gestartet. Über Snapchat können Bilder und Mitteilungen versendet werden, die nur eine kurze Zeit sichtbar sind.

Kurz nach dem IPO sackte das Papier allerdings wieder unter den Ausgabekurs. Schwache Geschäftszahlen nähren zudem den Verdacht, dass der Dienst nicht über ein tragfähiges Geschäftsmodell verfügt.

ts/dpa