Conti-Reifenwerk in Hannover
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Aktie dennoch gefragt Conti mit Milliardenverlust

Stand: 22.10.2019, 14:36 Uhr

Der Autozulieferer und Reifenhersteller Continental wird in diesem Jahr wegen einer milliardenschweren Sonderbelastung voraussichtlich in die Verlustzone schlittern. Zudem soll die Antriebssparte an der Börse verkauft werden.

Wie erwartet, trifft der Umbruch in der Autoindustrie die Zulieferer besonders hart. So muss Continental im dritten Quartal Wertminderungen von rund 2,5 Milliarden Euro verkraften. Diese seien in der Annahme begründet, dass sich die derzeitige Weltproduktion von Pkw und leichten Nutzfahrzeugen in den kommenden fünf Jahren nicht wesentlich verbessern werde, so das Management.

Außerdem seien Rückstellungen für den vor kurzem vorgestellten Konzernumbau in Höhe von 97 Millionen Euro angefallen. Die Belastungen würden im dritten Quartal und im Gesamtjahr beim auf die Anteilseigner entfallenden Konzernergebnis zu einem Verlust führen. Es seien jedoch keine wesentlichen Auswirkungen auf den Dividendenvorschlag für das laufende Jahr zu erwarten.

Operativ hat das dritte Quartal dagegen den Erwartungen der Analysten entsprochen: Der Umsatz habe bei 11,1 Milliarden Euro gelegen, die um Sondereffekte bereinigte operative Umsatzrendite (Ebit-Marge) bei 5,6 Prozent

Spin-off geplant

Continental will zudem seine Antriebssparte als Ganzes abspalten und an der Börse notieren. Ein möglicher Teilbörsengang ist nach einem Beschluss des Vorstands nun keine Option mehr, wie der Dax-Konzern weiter mitteilte.

Continental : Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
124,86
Differenz relativ
+1,27%

Die Tochter soll über eine reine Abspaltung (Spin-off) an die Börse gebracht werden, wie der Konzern am Dienstag in Hannover mitteilte. Zuletzt hatte Continental den Spin-off bereits als Alternative zu einem Teilbörsengang geprüft, bei dem der Konzern einen Teil der Vitesco-Aktien behalten hätte.

Nun bekommen die Aktionäre von Conti die Vitesco-Aktien einfach zusätzlich ins Depot gebucht. Geld fließt dabei weder Continental noch Vitesco zu. Der Beschluss zur Abspaltung soll formal auf der Hauptversammlung am 30. April 2020 gefasst werden. Ursprünglich sollte der Börsengang noch in diesem Jahr über die Bühne gehen, das Umfeld für Neuemissionen entpuppte sich aber als schwierig.

40.000 Beschäftigte

Seit längerem prüft der Konzern, wie er mit der Vitesco genannten Sparte verfahren will, zuletzt hatte Conti im September auf die kaum vorhersehbaren Bedingungen für einen Teilbörsengang im kommenden Jahr verwiesen.

Continental Antriebstechnik

Continental Antriebstechnik. | Bildquelle: Unternehmen

Anfang des Jahres hatte Conti die Sparte, zu der Verbrennungs- wie auch Elektroantriebe gehören, rechtlich auf eigene Beine gestellt. Vitesco erwirtschaftete zuletzt mit gut 40.000 Beschäftigten weltweit einen Umsatz von 7,7 Milliarden Euro. Damit wollen die Niedersachsen den Umschwung vom Diesel- und Benzinmotor hin zu Elektroautos ohne Blessuren überstehen. Der Wandel geht mit einem Rückgang von Beschäftigung für Verbrenner und unsicheren Gewinnaussichten für Stromautos einher.

Die Anleger reagierten erleichtert auf die Mitteilung, hatten sie doch für das dritte Quartal mit noch höheren Verlusten gerechnet. Auch erhoffen sie sich durch die Abspaltung der Antriebssparte eine drastische Kostenentlastung.

lg/dpa/rtr