Continental Antriebstechnik

Opfer der Autoflaute Conti fährt in die roten Zahlen

Stand: 20.07.2020, 21:08 Uhr

Der wochenlange Stillstand in der Autobranche hat auch den Autozulieferer Conti schwer getroffen. Im zweiten Quartal erlitt der Dax-Konzern einen hohen Millionenverlust. Der Umsatz sackte dramatisch ab.

Der Autozulieferer und Reifenhersteller Continental hat in der Corona-Krise deutlich Federn lassen müssen. Im zweiten Quartal schrumpfte der Umsatz auf 6,62 Milliarden Euro ab, wie der Dax-Konzern am Montagabend nach Börsenschluss mitteilte. Bereinigt um Zu- und Verkäufe sowie Wechselkurseffekte betrug das Minus fast 40 Prozent.

636 Millionen Euro Verlust

Der um Sondereffekte bereinigte Verlust vor Steuern und Zinsen (Ebit) lag bei rund 636 Millionen Euro. Vor einem Jahr hatte Conti auf dieser Basis noch 868 Millionen Euro verdient. Nach sechs Monaten stehen damit gut 200 Millionen Euro operativer Verlust zu Buche. Mit den Zahlen schnitten die Hannoveraner beim Umsatz in etwa wie von Analysten zuvor erwartet ab, beim Verlust hatten die Experten zuvor im Schnitt mit einer noch schwächeren Marge gerechnet.

Continental : Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
101,15
Differenz relativ
+0,65%

Die Aktie legte nachbörslich auf der Handelsplattform Tradegate zunächst etwas zu. Im März war das Papier im Corona-Crash bis auf nahezu 53 Euro gefallen, erholte sich zuletzt wieder auf fast 90 Euro. Bevor die Pandemie die Aktienmärkte mit voller Wucht erfasst hatte, kostete die Aktie aber noch um die 110 Euro.

Das Unternehmen hatte wegen der Beschränkungen in der Pandemie bereits rote Zahlen im zweiten Quartal angekündigt. Autobauer hatten ihre Fabriken rund um die Welt wochenlang gestoppt, weil auch die Autohändler im Lockdown schließen mussten. Die Abrufe bei den Zulieferern wurden ebenfalls auf Eis gelegt.

Umsatzeinbußen in allen Sparten

Bei Conti machte sich das in allen Sparten deutlich bemerkbar. Am stärksten waren die Umsatzeinbrüche im Geschäft mit Elektronik, Sensorik und Bremssystemen, aber auch in der Antriebssparte. Das Geschäft mit Reifen und Kunststofftechnik kam etwas glimpflicher davon, verzeichnete aber ebenfalls einen starken Dämpfer mit minus einem Drittel.

Die Geschäftsentwicklung habe sich im zweiten Quartal zwar gebessert, hieß es. Doch auf einen Ausblick verzichtet das Management wegen der Unsicherheiten nach wie vor. Es bleibe schwierig, das Ausmaß der nachteiligen Auswirkungen der Pandemie auf Produktion, Lieferkette und Nachfrage abzuschätzen.

Hoffnung auf besseres drittes Quartal

Binnen drei Monaten flossen bei Conti 1,78 Milliarden Euro an Finanzmitteln (Free Cash Flow) ab. Trotzdem sieht sich der Konzern finanziell auf soliden Füßen: Per Ende Juni habe Conti ein Liquiditätspolster 10,1 Milliarden Euro, 3,3 Milliarden mehr als Ende März. Der Autozulieferer hatte seine Kreditlinien um drei Milliarden Euro erweitert und drei Anleihen über zusammen 2,1 Milliarden platziert.

Conti-Chef Elmar Degenhart hatte bereits auf der Hauptversammlung vergangene Woche in Aussicht gestellt, dass das dritte Quartal zwar besser als das zweite werden dürfte. An den Vorjahreszeitraum wird Conti demnach aber auch im laufenden Dreimonatszeitraum nicht anknüpfen können.

nb