Conti-Reifenwerk in Hannover

Milliardenschwere Abschreibungen Conti: Dividende trotz hoher Verluste

Stand: 05.03.2020, 17:42 Uhr

Der Umbruch in der Autobranche hat den Zulieferer Continental voll erwischt. Milliardenabschreibungen haben das Unternehmen in die roten Zahlen gerissen. Dennoch sollen die Aktionäre eine Dividende erhalten. Dabei stehen die Ampeln weiter auf rot.

Der Autozulieferer und Reifenhersteller warnte am Morgen vor einem weiteren schwachen Jahr. Die um Sondereffekte bereinigte Marge des operativen Ergebnisses dürfte 2020 auf zwischen 5,5 bis 6,5 Prozent zurückgehen. Im Vorjahr war der Wert von 9,3 auf 7,4 Prozent zurückgegangen.

Analysten hatten für das laufende Jahr mit 7,1 Prozent bisher deutlich mehr auf dem Zettel als das Unternehmen. Conti musste in den vergangenen Jahren mehrfach seine Erwartungen nach unten schrauben, weil das Umfeld vor allem in der Autozulieferung schwächer wurde. Auch beim Umsatz ist Conti-Chef Elmar Degenhart vorsichtiger als die Experten, hier geht das Management von 42,5 bis 44,5 Milliarden Euro Erlös für das laufenden Jahr aus, am Markt wurde bisher mit einem Wert am oberen Ende der Spanne gerechnet.

Trübe Aussichten

Continental : Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
98,64
Differenz relativ
+7,64%

Das Umfeld werde 2020 herausfordernd bleiben, sagte Finanzchef Wolfgang Schäfer. Neben den Produktionsrückgängen setzten Turbulenzen aus der Coronavirus-Epidemie, weiter ungeklärte Handelskonflikte sowie drastisch verschärfte Abgasvorschriften in Europa der Automobilindustrie zu, so der Manager.

Die globale Produktion von Pkw und leichten Nutzfahrzeugen werde in diesem Jahr voraussichtlich um zwei bis fünf Prozent sinken. Darin seien die bis zum heutigen Tag erfassten Auswirkungen durch das Coronavirus berücksichtigt. Wegen der konjunkturellen Eintrübung will das Management das Sparprogramm verschärfen.

Dividende sinkt auf 4,00 Euro

Im vergangenen Jahr haben hohe Abschreibungen und Kosten für den Umbau den Autozulieferer tief in die Verlustzone gedrückt. Der Nettoverlust stieg auf 1,2 Milliarden Euro - das schlechteste Ergebnis seit zehn Jahren. Im Vorjahr hatte ein Konzerngewinn von 2,9 Milliarden Euro zu Buche gestanden.

Der Umsatz kletterte 2019 marginal auf 44,5 Milliarden Euro und lag damit in der im Juli gesenkten Prognosespanne. Trotz der tiefroten Zahlen will Conti den Anteilseignern, darunter als größte die Familieneigner des fränkischen Zulieferers Schaeffler, 4,00 Euro Dividende je Aktie zahlen. Im Vorjahr waren noch 4,75 Euro je Anteilsschein ausgeschüttet worden.

Kosten sollen gesenkt werden

Auch operativ schrieb Conti rote Zahlen: Der Betriebsverlust lag bei 268 Millionen Euro nach einem positiven Ergebnis von vier Milliarden im Vorjahr. Bereinigt um Sondereffekte wies der Konzern ein Betriebsergebnis von 3,2 Milliarden Euro aus, ein Fünftel weniger als im Vorjahr. Die operative Rendite schrumpfte auf 7,4 (Vorjahr 9,3) Prozent..

Der Vorstand macht nun auch gegen Widerstand Ernst und hat den Rotstift angesetzt. Die jährlichen Bruttokosten sollen ab 2023 um 500 Millionen Euro niedriger liegen, dafür stehen bis Ende 2023 weltweit 15.000 Stellen auf dem Prüfstand, 5.000 davon in Deutschland.

Aktie unter Druck

An verschiedenen Standorten hat Conti schon das Aus von Werken beschlossen oder ist noch in Gesprächen. Unter anderem wird das Hydraulik-Geschäft eingestellt, die Investitionen in Verbrennertechnik werden zurückgefahren, für mechanische Steuerungsinstrumente läuft die Zeit in einigen Jahren ab.

Die Anleger reagierten entsprechend enttäuscht, die Conti-Aktie war mit großem Abstand Dax-Schlusslicht und verlor 12,36 Prozent auf 84,36 Euro. Am Abend wurde dann noch bekannt, dass die Rating-Agentur Standard & Poor's das Kreditrating von BBB+ / stabiler Ausblick auf BBB+ / negativer Ausblick gesenkt hat.

lg/rm