Condor

Expansion in Deutschland Condor fliegt in die Air-Berlin-Lücke

von Notker Blechner

Stand: 08.02.2018, 11:26 Uhr

Nach dem Aus von Air Berlin droht ein härterer Wettbewerb auf dem deutschen Airline-Markt- zumindest auf einigen Strecken. Nicht nur Easyjet, sondern auch die Thomas-Cook-Tochter weitet ihr Flugangebot hierzulande aus.

Der Ferienflieger kündigte am Donnerstag an, seine eigene Flotte von 26 auf 37 Maschinen aufzustocken. Allein sechs neue Mittelstreckenjets kommen von der Air Berlin Aviation, die Condor übernommen hat. Zudem stehen für die Flüge von und nach Mallorca fünf neue Maschinen zur Verfügung. Hierfür hat Thomas Cook eine eigene neue Fluggesellschaft mit Sitz in Palma de Mallorca gegründet, die Thomas Cook Airlines Balearics. Unklar ist noch, mit welchen Preisen die neue Airline antritt.

Dank der zwei neuen Töchter will der Reisekonzern Thomas Cook und seine Tochter Condor das Flugangebot in Deutschland kräftig ausbauen. Bereits im Sommer dieses Jahres sollen die Kapazitäten um zehn Prozent wachsen. Der Ferienflieger plant, sein Streckennetz um neue Routen zu erweitern - zum Beispiel von Deutschland nach Kroatien und Palma de Mallorca.

"Verrückt, was alles auf den deutschen Markt drängt"

Damit stößt Condor in die Lücke, die nach der Pleite von Air Berlin auf dem deutschen Airline-Markt aufgerissen ist. "Es ist verrückt, wer gerade alles auf den Markt drängt", erklärte Lufthansa-Chef Carsten Spohr gestern bei der Präsentation des neuen Logos der Kranich-Airline. Voraussichtlich werde die weggefallene Kapazität der Air Berlin durch neue Anbieter zu 110 Prozent ersetzt. Lufthansa sieht sich laut Spohr einem härteren Wettbewerb als vor der Pleite von Air Berlin gegenüber. Die Kranich-Airline hat rund die Hälfte der früheren Air-Berlin-Flotte integriert.

Luftfahrtunternehmer und Ex-Rennfahrer Niki Lauda hat den Zuschlag für die einst von ihm gegründete Air-Berlin-Tochter Niki erhalten. Unter dem Namen Lauda Motion will er sie zum Sommerflugplan wieder an den Start bringen. Thomas Cook verhandelt mit Niki Lauda über eine Kooperation. Dabei geht es um die Vermarktung der Flugtickets und die Abnahme von Sitzplatz-Kontingenten für Pauschalreisen von Thomas Cook.

Profiteur der Air-Berlin-Pleite?

Der Wegfall von Air-Berlin werde nicht zu höheren Urlaubspreisen führen, versicherte unlängst Thomas-Cook-Deutschlandchefin Stefanie Berk. "Wir sehen für 2018 bei Urlauberflügen keine Preisbewegung nach oben, denn wir haben einen großen Teil der benötigten Flugkapazitäten bereits eingekauft."

Thomas-Cook-Konzernchef Peter Fankhauser glaubt, dass der Reiseveranstalter vom Air-Berlin-Aus profitiert. Das Verschwinden von Air Berlin und auch der britischen Monarch Airlines sei ein Vorteil, weil die Flugkapazitäten zumindest weniger stark zunähmen. "Das hilft uns bei den Preisen", sagte Fankhauser. Zudem wechselten Reiseveranstalter mit den Flugbuchungen von Air Berlin in Deutschland verstärkt zu Condor.

Türkei-Comeback macht Cook optimistisch

Das Wachstum im Airline-Geschäft und die wieder anziehende Reiselust in die Türkei und nach Ägypten stimmen Thomas Cook zuversichtlich. Der Konzern, der in Deutschland vor allem für seine Marke Neckermann Reisen bekannt ist, peilt im Geschäftsjahr 2017/18 (bis Ende September) ein operatives Ergebnis von rund 400 Millionen Euro an.

Im ersten Quartal 2017/18 (Oktober bis Ende Dezember 2017) konnte der Verlust um fast ein Fünftel auf 42 Millionen britische Pfund (47 Millionen Euro) reduziert werden. Der Umsatz stieg dank mehr Kunden und höherer Preise um sieben Prozent auf 1,75 Milliarden Pfund. Thomas-Cook-Chef Peter Fankhauser zeigte sich zufrieden über den guten Start ins Geschäftsjahr. Reiseveranstalter schreiben im Winter meist Verluste, weil sie in diesem Zeitraum ihre festen Kosten nicht decken können. Die Gewinne fahren sie vor allem in der Hauptreisezeit im Sommer ein.

Aktien-Erholung gestoppt

Die Aktien von Thomas Cook fallen am Donnerstag um drei Prozent, nachdem sie in den letzten Monaten deutlich zugelegt hatten. Seit Juli 2017 ist der Kurs um gut ein Drittel gestiegen.

Der Umsatz von Thomas Cook stieg im Geschäftsjahr 2016/17 um knapp neun Prozent auf umgerechnet gut zehn Milliarden Euro. Das operative Ergebnis legte weniger stark zu auf gut 370 Millionen Euro. Als Gewinnbringer erwies sich vor allem die Flug-Tochter Condor. Dagegen drückten steigende Hotelpreise im boomenden Spanien-Geschäft die Rendite. Deutsche Urlauber mieden 2017 die Türkei und fuhren bevorzugt nach Spanien sowie Griechenland.

Spanien und Griechenland-Urlaub wird teurer

2018 werden zahlreiche Urlaubsziele teurer. Thomas Cook hebt die Preise für Spanien und Griechenland im Durchschnitt um vier Prozent an. In Italien und Österreich steigen die Preise im Schnitt um drei Prozent, in Deutschland und Kroatien um zwei Prozent. Stabil bleiben die Preise nur für die Türkei, Ägypten und Tunesien.

Mit zusätzlichen Extras will sich Thomas Cook von anderen Reiseveranstaltern abheben. So führt der Neckermann-Konzern eine "Mein Zimmer"-Option ein. Wie beim Check-in vor dem Flug sollen Urlauber sechs Tage vor der Anreise ihr Zimmer wählen können - für 30 Euro extra. "Wir sind der erste Reiseveranstalter, der die Wahl von Wunschzimmern einführt", sagt Managerin Berk.