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LOT übernimmt den Ferienflieger Polen retten Condor

Stand: 24.01.2020, 13:05 Uhr

Der angeschlagene Ferienflieger Condor hat einen Käufer gefunden. Die Airline, die in den Sog der Thomas-Cook-Insolvenz geraten war, wird von der polnischen Airline LOT übernommen.

Wie Condor am Vormittag mitteilte habe die Polish Aviation Group (PGL), Eigentümer der polnischen Airline LOT, einen Vertrag zur Übernahme von Condor unterzeichnet und "damit unsere Zukunft als Deutschlands beliebtester Ferienflieger nachhaltig gesichert". Die Marke Condor soll erhalten bleiben.

LOT gehört der Polish Aviation Group (PGL). Sie ist in der Star Alliance mit dem Lufthansa-Konzern verbunden. Die Gesellschaft ist komplett in staatlicher Hand und befindet sich auf Expansionskurs. So hat sie 2019 zum vierten Mal in Folge einen starken Anstieg ihrer Passagierzahlen verzeichnet.

Mehr als zehn Millionen Passagiere

Die Airline beförderte 2019 mehr als zehn Millionen Passagiere, das waren 1,3 Millionen mehr als im Vorjahr. Der Betrieb ist nach eigenem Bekunden profitabel - genaue Zahlen dazu wurden nicht genannt. Derzeit betreibt die LOT eine Flotte von 80 Maschinen.

Die Condor kommt auf knapp 60 Jets. Bis zum Jahr 2024 will das polnische Unternehmen die Zahl der beförderten Passagiere auf 20 Millionen pro Jahr verdoppeln, hatte Vorstandschef Rafal Milczarski in dieser Woche erklärt. 2015 hatte die Airline nach eigenen Angaben noch 4,4 Millionen Fluggäste mit lediglich 37 Flugzeugen befördert.

Neue Langstreckenflieger

LOT will die veraltete Langstreckenflotte von Condor nach der Übernahme so schnell wie möglich erneuern und ausbauen, sagte Konzernchef Rafal Milczarski in Frankfurt. Der Ferienflieger Condor betreibt neben seinen Airbus-Mittelstreckenjets bisher 16 Langstreckenjets vom Typ Boeing 767, die deutlich mehr Treibstoff verbrauchen als modernere Modelle.

Weil Condor in der Vergangenheit zusätzlich Maschinen der kanadischen Air Transat im Einsatz hatte, fasst Milczarski den Kauf von 20 neuen Langstreckenjets für Condor ins Auge. LOT hat auf der Langstrecke derzeit 15 moderne Boeing-Jets vom Typ 787 "Dreamliner" im Einsatz. Deren Einführung habe den Treibstoffverbrauch um 20 Prozent gesenkt, sagte Milczarski.

Hilfe zurückzahlen

Der Bund soll zudem seine Staatshilfen für Condor in Höhe von 380 Millionen Euro zurückerhalten. Die Investition von LOT werde es Condor ermöglichen, das von der staatlichen Förderbank KfW erhaltene Darlehen "vollständig zurückzuzahlen", teilte der Ferienflieger mit. Das Darlehen werde im April zurückbezahlt.

Zuletzt waren mehrere potenzielle Käufer im Rennen um Condor: Neben LOT wurden auch der US-Finanzinvestor Apollo und der britische Investor Greybull genannt.

Schon länger auf Partnersuche

Condor ist schon seit längerem auf der Suche nach einem Käufer. Bereits im Herbst dieses Jahres erklärte die irische Billigflug-Gesellschaft Ryanair, dass sie kein Interesse habe, weitere Airlines zu kaufen. Damals zeigte sich auch die Deutsche Lufthansa zögerlich. Branchenbeobachter sind der Meinung, dass das Condor-Geschäftsmodell für die Lufthansa nicht mehr wirklich interessant sei, da viele Fluggäste nicht mehr über den Reiseveranstalter kämen.

lg/dpa/rtr