Commerzbank-Logo an einer Hochhausfassade in Frankfurt

Forderung des Großaktionärs Commerzbank will Cerberus nicht im AR

Stand: 15.06.2020, 08:04 Uhr

Der Finanzinvestor Cerberus, einer der Großaktionäre der Commerzbank, ist sauer auf das Management und fordert einen Kurswechsel. Auch wollen die Amerikaner in den Aufsichtsrat. Doch die Bank lehnt ab.

"Bis auf Weiteres sehen wir weder eine Notwendigkeit noch eine Basis dafür, die Zusammensetzung des Aufsichtsrats zu ändern", heißt es in einem Brief von Chefkontrolleur Stefan Schmittmann, aus dem das "Handelsblatt" zitiert, dem das Schreiben vorliegt.

Es gebe im Aufsichtsrat aktuell keine Vakanzen, alle Mitglieder seien qualifiziert und bis 2023 gewählt. Cerberus hält gut fünf Prozent an der Commerzbank. In einem letzten Dienstag verschickten Brief hatte der Finanzinvestor den Kurs des Instituts scharf kritisiert und zwei Sitze im Aufsichtsrat gefordert.

Kritik wird ernst genommen

Schmittmann habe weiter ausgeführt, die Commerzbank nehme die Rückmeldungen von Cerberus und anderen Investoren ernst, heißt es in dem Bericht. "Wir erwarten, dass Sie bei der Vorlage der angepassten Strategie sehen werden, dass viele ihrer Vorschläge berücksichtigt und Bedenken adressiert wurden."

Auch werde Cerberus als "wichtiger Aktionär“ weiterhin reichlich Möglichkeiten bekommen, dem Vorstand und Aufsichtsrat der Bank seine Einschätzung der Lage zu schildern. "Lassen Sie mich nochmals betonten, dass wir Ihre Beteiligung an der Bank und Ihre Anregungen schätzen", zitiert das "Handelsblatt" Schmittmann.

Im August neue Sparziele

Die Forderung der Amerikaner, dass sich die Commerzbank bei ihrer Neuausrichtung von der Cerberus-Beratungstochter COAC unterstützen lässt, habe Schmittmann allerdings mit deutlichen Worten zurückgewiesen. Der Vorstand habe dieses Angebot abgelehnt, weil er Interessenkonflikte zwischen Cerberus als Aktionär und in seiner Rolle als Berater fürchte, habe Schmittmann erklärt. "Der Aufsichtsrat teilt diese Einschätzung."

Das Frankfurter Geldhaus versprach bereits, seine Kosten besser in den Griff zu bekommen. "Wir arbeiten weiter am Kostenmanagement, wo wir über die aktuellen Pläne hinaus zusätzliches Potenzial sehen", sagte Commerzbank-Chef Martin Zielke vergangenen Donnerstag in einer Online-Konferenz. Die Bank werde bei der Vorlage der Zahlen zum zweiten Quartal im August eine Weiterentwicklung der Strategie vorstellen und damit auch zusätzliche Sparmaßnahmen.

Verdi warnt

Die Gewerkschaft Verdi warnte am Morgen vor einem größeren Job- und Filialabbau bei der Commerzbank. "Es wird deutlich mehr Filialschließungen und mehr Arbeitsplatzverluste geben als bisher angekündigt", sagte Verdi-Vertreter und Commerzbank-Aufsichtsratsmitglied Stefan Wittmann.

"Die Belegschaft ist sehr unruhig und verunsichert." Wittmann verurteilte zudem den Vorstoß von Commerzbank-Großinvestor Cerberus. "Das Vorgehen von Cerberus ist unhöflich und unangemessen. Man fordert keine Beratungsmandate und man fordert nicht drei Wochen nach der Hauptversammlung plötzlich Sitze im Aufsichtsrat."

lg/dpa-afx