Logos von BNP, ING, Unicredit und Deutsche Bank um geben die Commerzbank-Zentrale in Frankfurt
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Sondersitzung des Aufsichtsrats Commerzbank: Was wird denn nun?

Stand: 16.05.2019, 09:48 Uhr

Nach dem Ende der Fusionsgespräche mit der Deutschen Bank ist die Commerzbank zum Spielball von Spekulanten geworden. Nun will der Aufsichtsrat Klarheit über den künftigen Kurs - zehn Jahre nach dem Einstieg des Bundes.

Wie das "Handelsblatt" berichtet, soll es dazu am 21. Mai - einen Tag vor der Hauptversammlung - eine Sondersitzung des Aufsichtsrats geben. Dabei solle der Vorstand ausführlich darlegen, warum er die Fusionsgespräche mit der Deutschen Bank beendet habe und welche strategischen Pläne er nun verfolge, schreibt das Blatt unter Berufung auf "mehrere mit dem Thema vertraute Personen".

Eine Commerzbank-Sprecherin wollte sich zu dem Bericht nicht äußern. Das Treffen des Kontrollgremiums kam dem Bericht zufolge auf Initiative der Arbeitnehmerseite zustande. Der Vorsitzende des Commerzbank-Betriebsrats und stellvertretende Vorsitzende des Aufsichtsrates, Uwe Tschäge, hat demnach die Sitzung beantragt und durchgesetzt.

Spielball der Spekulanten

Tatsächlich ist die Commerzbank zum Spielball von Spekulanten geworden. So genügte kürzlich ein Bericht der Agentur Reuters über ein konkretes Kaufinteresse der Mailänder Bank UniCredit, um den Kurs der Commerzbank-Aktie um über fünf Prozent in die Höhe zu treiben.

Als die UniCredit am nächsten Tag dementierte und mitteilte, weder JPMorgan noch Lazard ein Mandat zur Beratung einer Übernahme der Commerzbank erteilt zu haben, musste der Aktienkurs seine Vortagesgewinne wieder abgeben.

Dennoch gilt die Commerzbank weiterhin als potenzieller Übernahmekandidat, weil ihr niemand zutraut, ohne einen starken Partner an ihrer Seite nachhaltig rentabel zu sein. Neben den Italienern wird auch immer wieder die holländische ING als möglicher Käufer genannt.

ING erwägt Zukauf im Ausland

Auch deren Führung steht unter Druck und soll sich dazu äußern, ob die Bank an einer Übernahme des deutschen Rivalen interessiert sei, forderte die niederländische Anlegergemeinschaft VEB am Mittwoch. ING solle zwar nicht auf jedes Marktgerücht reagieren. Aber im Sinne einer ehrlichen Bestimmung des ING-Aktienpreises sei Klarheit notwendig.

Der ING-Kurs sei in den vergangenen Tagen gesunken, wahrscheinlich wegen der Berichte zur Commerzbank. ING müsse die Aktionäre nach niederländischem Recht über jeden konkreten Schritt hin zu eine Übernahme unterrichten, mahnte die VEB.

Ein ING-Sprecher sagte, ähnliche Forderungen wie die der VEB seien auch schon bei der jüngsten Hauptversammlung aufgekommen. Zu den Antworten des Vorstands damals sei nichts hinzuzufügen. ING-Chef Ralph Hamers hatte den Aktionären gesagt, dass das Institut einen Zukauf im Ausland unter bestimmten Umständen in Erwägung ziehe - beispielsweise, wenn es in einem der ING-Märkte zu Konsolidierungen käme. Deutschland ist nach den Niederlanden der zweitgrößte Markt für ING.

Kritische Analysten

Die Analysten der Citibank sehen eine Übernahme durch die UniCredit kritisch. Der Vorteil einer solchen Transaktion bestünde vor allem darin, Kosten einzusparen. Allerdings müssten die Synergien 20 bis 25 Prozent erreichen, damit eine Übernahme einen Sinn ergibt. Das würde sich vor allem durch einen massiven Personalabbau erreichen lassen.

Hypovereinsbank-Schriftzug an der Zentrale in München

HypoVereinsbank. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Bei der HVB hatte die UniCredit die ausgaben drastisch gesenkt. Dazu wurde seit 2005 die Hälfte der Filialen geschlossen, Beteiligungen wurden abgestoßen und kräftig Stellen abgebaut. Es kann also nicht überraschen, dass die Gewerkschaft Verdi bereits erbitterten Widerstand gegen eine Übernahme durch die Italiener angekündigt hat. Deshalb taxieren die Citi-Analysten die Chancen auf einen Einstieg der UniCredit auf magere 20 Prozent.

Umsetzungsrisiken auch für die ING

Deutlich besser werden die Chancen für eine Übernahme durch die ING eingeschätzt. Die Citi-Analysten sprechen von 35 bis 45 Prozent. Der Grund: Da die Holländer bisher keine Filialen in Deutschland haben, dürfte der Stellenabbau bei der Commerzbank deutlich geringer ausfallen.

Doch auch diese Transaktion berge große Umsetzungsrisiken, so die Experten. Auch verfüge die ING derzeit nicht über ausreichend Mittel. Sie müsste also ihre Aktionäre für bis zu zwölf Milliarden Euro anpumpen. Ein Schritt, der nach Ansicht der Citi-Experten nur "schwer zu rechtfertigen" ist.

Fusion mit der BayernLB?

Anlegern empfehlen sie trotzdem, Commerzbank-Aktien zu kaufen, weil das Geldhaus ein Übernahmekandidat bleibe. Derweil berichten Medien über ein anderes, in der deutschen Bankenlandschaft bisher undenkbares Szenario: Die Commerzbank könne auch mit der Bayerischen Landesbank (BayernLB) zusammengehen.

Dass eine private, börsennotierte Bank ein öffentlich-rechtliches Institut kauft, halten die meisten Banker für unwahrscheinlich. Angesichts der Not, in der sich auch die Landesbanken befinden, will allerdings auch niemand ein solches Szenario völlig ausschließen. In die deutsche Bankenlandschaft könnte also schon bald Bewegung kommen.

lg