Commerzbank-Logo an einer Hochhausfassade in Frankfurt
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Aktie fällt trotz Gewinnsprung Wieder mehr Licht bei der Commerzbank

Stand: 07.08.2018, 10:55 Uhr

Mit einem unerwartet hohen Gewinn im zweiten Quartal gelingt der Commerzbank eine Überraschung. Trotzdem strafen die Investoren die Aktie ab. Weitere Kursverluste könnten für das Finanzinstitut unangenehme Folgen haben.

Vorbörslich notierte das Commerzbank-Papier noch zwei Prozent fester. Jetzt steht es mit einem Minus von mehr als zwei Prozent am Dax-Ende. Zeitweise war die Aktie um rund drei Prozent zurückgefallen. Dabei könnte die Coba angesichts der mageren Aktienbilanz in diesem Jahr einen einen frischen Schub gut gebrauchen. Die Commerzbank zählt mit einem Verlust von mehr als 29 Prozent des Börsenwerts auf derzeit nur noch rund elf Milliarden zu den größten Verlierern unter den Dax-Werten. Dem Dax-Gründungsmitglied droht der Rauswurf aus dem deutschen Leitindex.

„Vereinfachung der Bank kommt voran“

Commerzbank und Commerzbank-Tower in Frankfurt
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hr-iNFO-Kollegengespräch zu den Commerzbank-Zahlen

Im zweiten Quartal legte das operative Ergebnis im Vergleich zum Vorjahr um 117 Prozent auf 389 Millionen Euro zu. Unter dem Strich stand ein Gewinn von 272 Millionen Euro. Im Vorjahresquartal hatte die Bank wegen der Kosten für den Konzernumbau inklusive des Abbaus von mehreren tausend Stellen einen Verlust erzielt. Die Erträge kletterten auf 2,22 Milliarden Euro von 2,06 Milliarden. Die Bank übertraf damit die Erwartungen der Experten.

Dazu habe insbesondere das Segment Privat- und Unternehmerkunden bei getragen. Dort setze sich das Kundenwachstum mit leicht vermindertem Tempo fort, heißt es in der Unternehmensmitteilung.  

»Die Umsetzung unserer Strategie kommt voran. Wir wachsen und machen bei der Vereinfachung und Digitalisierung der Bank Fortschritte.«

Martin Zielke, Vorstandsvorsitzender

Die Kosten steigen

Wegen Investitionen und Pflichtabgaben würden Kosten bei rund 7,1 Milliarden Euro erwartet, statt zuvor 7,0 Milliarden. Auf Konzernebene werden insgesamt höhere bereinigte Erträge erwartet, wobei sie im Segment Privat- und Unternehmerkunden höher und im Segment Firmenkunden niedriger als 2017 ausfallen dürften. Bisher hatte die Bank für beide Bereiche höhere Erträge in Aussicht gestellt.

Martin Zielke, Vorstandsvorsitzender der Commerzbank

Martin Zielke. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Die Investoren, die in den vergangenen Jahren den starken Kursverlust der Aktie zu spüren bekommen hatten, sollen im Frühjahr 2019 wieder eine Dividende erhalten. Es wäre das erste Mal seit drei Jahren. Die Bank peilt eine Zahlung von 20 Cent je Anteil an.

So reagieren die Experten

Hörfunk-Moderatorin Ulla Herrmann
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Börse 10.00 Uhr: Commerzbank droht Rauswurf aus Dax

Was gefällt Anlegern und Experten an den Zahlen nicht? Die US-Investmentbank Goldman Sachs hat die Einstufung für Commerzbank nach Zahlen auf "Neutral" mit einem Kursziel von 11,75 Euro belassen. Das Finanzinstitut habe ein insgesamt gemischtes Zahlenwerk präsentiert, schrieb Analyst Jernej Omahen.

Das operative Ergebnis des Geldhauses habe die Konsensschätzung übertroffen, schrieb Analyst Kian Abouhossein von JPMorgan. Die Eigenkapitalrendite (RoTE) von lediglich 4,3 Prozent im ersten Halbjahr signalisiere aber ein herausforderndes Ertragsumfeld. Händler bemängelten die Gewinnqualität und den vorsichtigen Ausblick.

ts