Zentrale der Commerzbank in Frankfurt am Main
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Doch kein nationaler Champion? Bankenfusion: Auch die UniCredit will mitspielen

Stand: 04.04.2019, 08:00 Uhr

Beim Ringen um die Zukunft der großen deutschen Privatbanken soll sich einem Pressebericht zufolge die UniCredit ins Spiel bringen. Die italienische Großbank erwäge ein Gebot für die seit der Finanzkrise teilverstaatlichte Commerzbank, behauptet die "Financial Times". Das gibt der Coba-Aktie frischen Schwung.

Es sei allerdings unwahrscheinlich, dass die Unicredit bei den aktuellen Gesprächen zwischen der Deutschen Bank und der Commerzbank dazwischenfunke, schreibt die "FT" und beruft sich dabei auf einige mit der Angelegenheit vertraute Personen. Aber sollten diese scheitern, wie einige Experten erwarten, stünde die Unicredit bereit.

UniCredit wolle mit einem bedeutenden Anteil die Kontrolle bei der Commerzbank übernehmen und diese dann mit ihrer deutschen Tochter HypoVereinsbank fusionieren, erzählen die Insider. Die Commerzbank wird derzeit an der Börse mit rund neun Milliarden Euro bewertet. Unicredit und Commerzbank lehnten einen Kommentar zu dem Bericht ab.

Die UniCredit galt in den vergangenen Jahren immer wieder als möglicher Käufer der Commerzbank. So soll die Bank dem "FT"-Bericht zufolge zuletzt 2017 Kontakt mit deutschen Regierungsvertretern wegen eines möglichen Gebots aufgenommen haben. Die UniCredit ist wegen der wirtschaftlichen Krise in Italien selbst angeschlagen, konnte sich aber zuletzt berappeln.

UniCredit wiegt mehr als die Deutsche Bank

Die UniCredit-Aktie gehört seit der Finanzkrise - neben den Anteilen der Deutschen Bank und der Commerzbank - zu den größten Verlierern unter den europäischen Banktiteln. Nachdem der seit 2016 amtierende Chef Jean Pierre Mustier mit den Altlasten aufgeräumt und das Kapital erhöht hat, ist die Bank aber wieder aber in ruhigeren Fahrwassern. Zudem kommt die UniCredit aktuell auf einen Börsenwert von 27 Milliarden Euro und damit auf deutlich mehr als die Deutsche Bank, die derzeit nur knapp 16 Milliarden Euro wert ist.

Unicredit-Türme im Bankenviertel Porta Nuova in Mailand

Unicredit-Türme im Bankenviertel Porta Nuova in Mailand. | Bildquelle: picture alliance / Daniel Kalker

Wie die Nachrichtenagentur Reuters von zwei mit den Verhandlungen vertraute Personen erfahren hat, drücke vor allem die Commerzbank bei den Verhandlungen mit der Deutschen Bank auf das Tempo, während sich die Deutsche Bank etwas mehr Zeit für die Gespräche nehmen wolle. An den unterschiedlichen Vorstellungen über den Zeitplan sollten die Verhandlungen aber nicht scheitern.

Die Anleger nehmen den Bericht positiv auf. Bei L&S wird die Commerzbank-Aktie vorbörslich mit einem Plus von rund fünf Prozent gehandelt.

ts/dpa/rtr