Martin Zielke, Vorstandsvorsitzende der Commerzbank
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Geld schon zurückgelegt Commerzbank sieht sich auf Dividenden-Kurs

Stand: 08.05.2018, 16:14 Uhr

Auf der Hauptversammlung der Commerzbank ging es diesmal ruhiger als sonst zu. Dazu beigetragen haben dürfte das Versprechen von Vorstandschef Martin Zielke, für 2018 wieder eine Dividende auszuschütten. Und diese soll keine Eintagsfliege bleiben.

"Für die folgenden Jahre streben wir ebenfalls Dividenden an", kündigte Zielke an. Mittelfristig könnten die Aktionäre mit einer Ausschüttungsquote von 30 bis 40 Prozent rechnen, sagte der 55-jährige Top-Banker, der bislang eher durch Understatement als mit vollmundigen Ankündigungen auffiel.

"Wachstumskurs im ersten Quartal fortgesetzt"

Die Chance auf die erste Dividende seit 2015 ist auf jeden Fall gestiegen. Nach den ersten drei Monaten sieht sich das Geldinstitut auf Kurs in Richtung Jahresziel. "Wir haben unseren Wachstumskurs im ersten Quartal fortgesetzt", verkündete Zielke den rund 1.100 Aktionären im Portalhaus der Messe Frankfurt. Die Erträge hätten sich im Vergleich zum Vorquartal stabil entwickelt. "Wie geplant konnten wir unsere Kundenbasis weiter ausbauen - sowohl im Privat- als auch im Firmenkundengeschäft." Die genauen Zahlen zum ersten Quartal will die Bank am 15. Mai veröffentlichen.

Zielke bekräftigte das Ziel, den Gewinn im laufenden Jahr zu steigern. 2017 hatte das Geldinstitut einen Mini-Überschuss von 156 Millionen Euro gemacht. Analysten rechnen für das erste Quartal mit einem Gewinnrückgang von 231 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum auf 177 Millionen Euro.

Commerzbank-Chef verspricht erneut Dividende für 2018

Für das Geschäftsjahr 2018 will die Commerzbank endlich wieder Dividende ausschütten. Hierfür habe die Bank bereits im ersten Quartal Geld zur Seite gelegt, verkündete Vorstandschef Zielke. Angestrebt sei eine "konservative Auszahlung", erklärte der 55-Jährige in stocksteifem Banker-Deutsch.

Rückendeckung bekam Zielke vom Aufsichtsratschef Klaus-Peter Müller. "Wir sind auf einem gutem Weg", sagte der 73-Jährige, der sich nach mehr als 50 Jahren Dienstzeit bei der Commerzbank in den Ruhestand verabschiedete. Die Bank habe ihr Eigenkapital gestärkt, Risiken abgebaut und die Bilanz verbessert, lobte er. Dass unter seiner Ägide die Bank fast pleite gegangen wäre, vergaß er zu erwähnen.

Zweifel bei den Aktionären

Ellen Frauenknecht
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Wo steht die Commerzbank?

Aktionäre teilten den Optimismus der Commerzbank-Manager nicht ganz. "Die ausgegebenen Ziele von sechs bis acht Prozent Rendite in den nächsten zwei Jahren erscheinen mehr als ambitioniert", sagte Klaus Nieding von der Aktionärsschützer-Vereinigung DSW. Und auch Rechtsanwalt Markus Kienle von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) äußerte seine Zweifel. "Sie bekommen das Kundenwachstum nicht auf die Ertragsschiene."

Mehrere Anteilseigner kritisierten die vage Strategie und die ungewissen Zukunftsperspektiven der Bank. Auch die jüngsten Gebührenerhöhungen der Bank stießen auf Unmut mancher Aktionäre, die oft auch Kunden der Bank sind. Ab Juli fällt selbst für die Bargeldeinzahlung oder -abhebung vom eigenen Konto am Bankschalter eine Gebühr von 1,50 Euro an.

Ein kleines Lob gab's dann aber doch für Zielke. Das Geschäftsjahr 2017 sei unter dem Strich erfolgreich gewesen, meinte Aktionärsschützer Nieding. "Herr Zielke, Sie wenden den Tanker", gratulierte er dem Vorstandschef.

Ein bisschen Lob für Herrn Müller zum Abschied

Und selbst der langjährige Top-Banker Klaus-Peter Müller, ein Urgestein der Frankfurter Banken-Szene, wurde für seine Dienste gewürdigt. "Die Weichen für eine bessere Zukunft haben Sie maßgeblich mitgestellt", bescheinigte ihm Aktionärsvertreter Wolfgang Aleff, der sich in den vergangenen Jahren oft sehr kritisch geäußert hatte. Ein Aktionär meinte gar, seine Frau sei ein "Fan" von Müller. Das quittierte der scheidende Aufsichtsratschef mit seinem gewohnt rheinischen Humor: "Ich bitte um herzliche Grüße an Ihre Frau - so viele Fans hatte ich in den letzten Jahren nicht."

Die Nachrichten von der Hauptversammlung konnten die Anleger am Dienstag nicht begeistern. Die Commerzbank-Aktien fallen bis zum Nachmittag um knapp ein Prozent. Seit Jahresbeginn haben sie rund 16 Prozent verloren.

nb

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