Martin Zielke, Vorstandsvorsitzender der Commerzbank
Video

Noch mehr Stellen weg Commerzbank: Schrumpfkurs geht weiter

Stand: 20.09.2019, 16:01 Uhr

Kommenden Freitag, dem 27. September, will Commerzbank-Chef Martin Zielke der Presse seine neuen Strategiepläne für die Zukunft erläutern. Bekannt gemacht hat sie die Bank schon jetzt. Sie gleichen einem Akt der Verzweiflung.

Das Strategieprogramm "Commerzbank 5.0" besteht aus einem Sammelsurium von Maßnahmen aus Verkäufen, Einsparungen und Filialschließungen, die es in sich haben. Im Mittelpunkt steht der geplante Umbau von Deutschlands zweitgrößter börsennotierter Bank, die sich nach dem gescheiterten Fusionsversuch mit der Deutschen Bank neu aufstellen muss.

Dazu sollen rund 4.300 Vollzeitstellen wegfallen. Weil an anderer Stelle 2.000 Stellen neu hinzukommen, würde sich der Stellenabbau im Konzern voraussichtlich netto auf rund 2.300 Vollzeitstellen belaufen, schreibt die Bank in einer am Freitagnachmittag veröffentlichten Mitteilung. Die Details sollen in den nächsten Monaten ausgearbeitet und gemeinsam mit den Arbeitnehmern beraten werden.

200 Filialen fallen weg, mBank wird verkauft

Parallel dazu werden 200 der zuletzt rund 1.000 Filialen hierzulande geschlossen - entgegen den gegenteiligen Beteuerungen in der jüngsten Vergangenheit. Die Kosten für die Filialschließungen und den Stellenabbau schätzt die Bank auf 850 Millionen Euro.

Hinzu kommen Investitionen in Höhe von 750 Millionen Euro in die Modernisierung der IT-Infrastruktur. Um diese Ausgaben von insgesamt 1,6 Milliarden Euro stemmen zu können, will die Bank ihre polnische Tochter mBank verkaufen. Die mBank ist an der Warschauer Börse gelistet und wird dort derzeit mit rund 3,1 Milliarden Euro bewertet. Die Commerzbank hält 69,3 Prozent an dem Institut. Durch einen Verkauf der Anteile könnte sie rechnerisch gut zwei Milliarden Euro einnehmen.

Verschmelzung mit der Comdirect

Die Veräußerung würde die Commerzbank zudem von risikogewichteten Aktiva entlasten. Dabei geht es um rund 17 Milliarden Euro. Das würde auch zu einer Freisetzung von Eigenkapital bei der Commerzbank führen.

Parallel dazu planen die Frankfurter die Verschmelzung mit der in Quickborn bei Hamburg ansässigen Onlinebank-Tochter Comdirect - weil sich die Geschäftsmodelle der Commerzbank und der Comdirect immer stärker angleichen, so die Begründung.

Dazu will die Commerzbank den außenstehenden Aktionären der börsennotierten Comdirect ein Kaufangebot machen. Laut Plan sollen sie eine Prämie von voraussichtlich 25 Prozent auf den Aktienkurs der Comdirect bekommen. Das Comdirect-Papier reagierte mit einem Kurssprung in dieser Größenordnung. Aktuell hält die Bank bereits einen Anteil von 82 Prozent an der Comdirect.

Kostenbasis soll sinken

Die Commerzbank will durch dieses Bündel an Maßnahmen weiteres Wachstum generieren und die Erträge steigern. Gleichzeitig sollen bis 2023 die jährlichen Kosten um rund 600 Millionen Euro sinken.

Die Aktionäre reagierten verhalten auf die Meldung. Die in den MDax abgestiegene Commerzbank-Aktie notierte am Freitagnachmittag lediglich ein halbes Prozent im Plus.

lg