Commerzbank im Regen
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Gewinnprognose gesenkt Commerzbank: Aus ist's mit dem Wunschdenken

Stand: 07.11.2019, 08:01 Uhr

Trotz eines Gewinnsprungs im dritten Quartal kappt das Management der Commerzbank die Prognose. Wunschdenken sei derzeit nicht angesagt, unterstreicht Konzernchef Martin Zielke. Die Anleger wissen die Offenheit zu schätzen.

Die im MDax notierten Titel rücken um fast zwei Prozent vor. In den vergangenen vier Wochen ist die Coba-Aktie mit einem Plus von mehr als 17 Prozent ausgezeichnet gelaufen. Die Investoren nehmen gelassen auf, dass die Commerzbank sich trotz eines Gewinnsprungs im dritten Quartal von ihrer Prognose für 2019 verabschiedet.

"Wir stellen bewusst den langfristigen Erfolg über kurzfristige Renditeziele", sagte Konzernchef Martin Zielke. "Wunschdenken ist angesichts niedriger Zinsen, Konjunktureintrübung und geopolitischer Unsicherheiten nicht angesagt." Zielke erwartet für 2019 einen Rückgang des Konzernüberschusses, nachdem er bislang noch eine leichte Steigerung gegenüber den 865 Millionen Euro im Vorjahr in Aussicht gestellt hatte.

Martin Zielke, Vorstandsvorsitzender der Commerzbank

Martin Zielke. | Bildquelle: Imago

Es wird eine Dividende geben

Die Zukunft wird trüber, aber in der jüngsten Vergangenheit lief es prächtig: Im dritten Quartal stieg das Nettoergebnis der Commerzbank um gut ein Drittel auf 294 Millionen Euro. Die Erträge legten um zwei Prozent auf 2,18 Milliarden Euro zu. "Im dritten Quartal haben wir ein gutes Ergebnis erzielt. Das lag vor allem an höheren Erträgen, verringerten Kosten und einem niedrigen Risikoergebnis", sagte Finanzchef Stephan Engels.

Dennoch hat die Commerzbank in den ersten neun Monaten unter dem Strich nur 684 Millionen Euro verdient - neun Prozent weniger als Vorjahreszeitraum. Das Kapitalpolster verringerte sich: Ende September lag die harte Kernkapitalquote bei 12,8 Prozent. Ende Juni waren es noch 12,9 Prozent gewesen.

Die Aktionäre sollen trotz des Gewinnrückgangs und des erneuten Konzernumbaus eine Dividende für 2019 erhalten. Die Ausschüttungsquote werde auf einem vergleichbaren Niveau wie 2018 sein. Für 2018 hatten die Anleger 20 Cent je Aktie erhalten.

Konzernumbau geht voran

"Jetzt geht es darum kräftig zu investieren, um die Digitalisierung der Bank voranzutreiben und unsere Kosten weiter zu senken", sagte Engels. Ende September hatte Commerzbank-Chef Zielke unter anderem den Abbau von konzernweit 4.300 Stellen, die Schließung von 200 der 1.000 Filialen, die Übernahme der Online-Tochter Comdirect sowie den Verkauf der polnischen Tochter mBank angekündigt.

Die Kosten für den erneuten Konzernumbau, die die Commerzbank ohne die Aufwendungen für die Comdirect-Übernahme auf 1,6 Milliarden Euro beziffert hatte, werden zum Großteil jedoch erst in den kommenden Jahren verbucht. Mit dem erneuten Konzernumbau und höheren Gebühren für Kunden reagiert das Management auf die anhaltend niedrigen Zinsen und den starken Wettbewerb im Heimatmarkt.

ts