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Immer mehr Interessenten Commerzbank: Jetzt auch die UBS

Stand: 27.11.2017, 10:27 Uhr

Die Liste der angeblichen Interessenten an der Commerzbank wird immer länger. Nach der französischen BNP und der italienischen UniCredit wird jetzt auch die Schweizer UBS ins Spiel gebracht.

Laut der "NZZ am Sonntag" soll die UBS an Teilen der Commerzbank interessiert sein. Ein Strategieteam der Bank sei "mit Hochdruck daran, verschiedene Szenarien zu prüfen", berichtet die Zeitung unter Berufung auf einen Insider. Allerdings erscheine eine komplette Übernahme der zweitgrößten deutschen Bank laut der Quelle als unwahrscheinlich.

Zu unattraktiv sei das wenig rentable Privatkundengeschäft in Deutschland. Die Commerzbank habe aber auch einige "attraktive Filetstücke" zu bieten, etwa wenn sie bei einem Rückzug auf das Kerngeschäft nicht-strategische Teile veräußere. Die Zeitung verwies auch darauf, dass der heutige UBS Schweiz-Chef Martin Blessing bis 2016 die Commerzbank geleitet habe. Auch UBS-Präsident Axel Weber sei mit den Geldhaus vertraut, so habe er 2008 als damaliger Bundesbank-Präsident dessen staatliche Rettung koordiniert. Die UBS wollte den Bericht nicht kommentieren.

Lange Liste von Interessenten

Damit wird die Liste der Interessenten immer länger. Zu der seit Jahren immer wieder genannten französischen Bank BNP Paribas sind zuletzt auch die ebenfalls französische Crédit Agricole und die italienische UniCredit genannt worden. Wie konkret die Ambitionen dieser Institute sind, bleibt ungewiss, weil sich keiner der Beteiligten öffentlich dazu geäußert hat. Fakt ist, dass besonders die französischen Banken ihre Präsenz in Deutschland zwar ausgebaut haben, aber ohne größere Übernahmen heimischer Geldhäuser keine nennenswerten Marktanteile erreichen. Das könnte sich mit einem Einstieg oder einer Übernahme, sei es auch nur in Teilen, der Commerzbank ändern. Politisch gewollt, zumindest auf französischer Seite, ist es allemal.

Deutlich konkreter in Stellung gebracht hat sich der US-Investor Cerberus: Seit Juli besitzt die Investmentfirma einen Anteil von 15 Prozent an der Commerzbank. Zwar gilt Cerberus nicht als aktivistischer Investor, doch ein strategisches Interesse an Deutschlands zweitgrößter Bank hat er auch nicht.

Wann steigt der Bund aus?

Hintergrund des anhaltenden Interesses an der Commerzbank ist offenbar die Aussicht auf einen baldigen Ausstieg des Bundes, der mit gut 15 Prozent neben Cerberus der größte Einzelaktionär der Bank ist. Tatsächlich gehen die meisten Experten davon aus, dass sich eine neue Bundesregierung von ihrem Anteil an der Commerzbank verabschieden wird, auch wenn sich dies im Vergleich zum Einstiegskurs als Verlustgeschäft erweisen dürfte.

Dass die Commerzbank seit vielen Jahren immer wieder als Übernahmekandidat gehandelt wird, liegt natürlich an ihrer mangelhaften Profitabilität. Während besonders ausländische Institute die Folgen der Finanzkrise längst überwunden haben, steckt die Commerzbank mitten in ihrem xten Restrukturierungsprozess.

Niedrige Marktbewertung

Besonders tief in die Tasche greifen müssten eventuelle Käufer nicht: Die Commerzbank wird derzeit mit gut 15 Milliarden Euro bewertet. Zum Vergleich: Die UBS ist knapp 54 Milliarden Euro wert und die BNP Paribas bringt 79 Milliarden Euro auf die Waage. An der Börse sorgen die neuerlichen Übernahmegerüchte für einen weiteres Plus der Commerzbank-Aktie. Damit hat das Papier seit dem Tief im Sommer letzten Jahres um 140 Prozent zugelegt.

lg