Zentrale der Commerzbank in Frankfurt am Main

Trotz robustem zweiten Quartal Commerzbank: In diesem Jahr wohl rote Zahlen

Stand: 05.08.2020, 10:08 Uhr

Die Commerzbank hat im zweiten Quartal trotz stark gestiegener Vorsorge für faule Kredite ein Abgleiten in die Verlustzone vermieden. Doch für das Gesamtjahr sieht es düster aus.

Das von einer Führungskrise und schweren strategischen Fehlern geschwächte Geldhaus hat die Hoffnung, im laufenden Jahr einen Gewinn zu erzielen, aufgegeben. Wegen möglicher Umbaukosten und einem Anstieg der Belastungen aus faulen Krediten auf 1,3 bis 1,5 Milliarden Euro rechnet das Institut nun mit einem Verlust.

Dabei hat sich die Bank im zweiten Quartal als robuster erwiesen als befürchtet. Statt in die roten Zahlen zu rutschen, erwirtschaftete sie ein positives operatives Ergebnis von 205 Millionen Euro. Unter dem Strich ging der Gewinn auf 220 Millionen Euro zurück - obwohl die Risikovorsorge auf 469 Millionen Euro in die Höhe geschnellt ist, nach 178 Millionen im Vorjahresquartal. Darin enthalten ist auch eine Abschreibung von 175 Millionen Euro auf einen Kredit an den insolventen Zahlungsdienstleister Wirecard.

Einnahmen dank Comdirect gestiegen

Analysten hatten einen noch größeren Gewinneinbruch erwartet und im Schnitt nur einen Überschuss von 95 Millionen vorhergesagt. Doch der Commerzbank ist es im zweiten Quartal erstmals seit langem gelungen, die Einnahmen zu steigern, und zwar um 6,8 Prozent auf 2,3 Milliarden Euro. Sie profitierte dabei von einem starken Zuwachs im Wertpapiergeschäft der Online-Tochter Comdirect. Auch im traditionellen Privat- und Firmenkunden stiegen die Erträge leicht an, während die Kosten zurückgingen.

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Damit wäre die Bank zwar eigentlich auf einem guten Weg, auch im Gesamtjahr einen ordentlichen Gewinn zu erzielen. Doch die Corona-Pandemie und die verheerenden Folgen des Lockdowns für die Wirtschaft haben dieser Hoffnung einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Noch keine Details des Sanierungsplans

"Umso wichtiger ist es, dass wir unsere Kosten senken, um künftige Belastungen abfedern zu können", sagte Finanzchefin Bettina Orlopp. "So haben wir unser Kostenziel für dieses Jahr weiter verschärft." Sie sollen nun leicht unter dem Vorjahresniveau liegen statt auf dem Vorjahresniveau.

Bettina Orlopp, Commerzbank

Bettina Orlopp. | Bildquelle: Unternehmen

Orlopp gilt als eine interne Kandidatin für die Nachfolge des scheidenden Vorstandschefs Martin Zielke, der Anfang Juli seinen Rücktritt angekündigt hatte, nachdem Investoren seine Ziele als zu wenig ambitioniert kritisiert hatten.

Seit Monaten schraubt die Bank an einer Verschärfung des Sparkurses. Orlopp sagte bei der Ausarbeitung der Strategie habe das Management große Fortschritte erzielt. Details würden aber erst vorgestellt, wenn der neue Vorstandschef feststehe.

Pläne liegen auf Eis

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Börse 11.45 Uhr: Commerzbank sieht rot

Finanzkreisen zufolge sehen die jüngsten Pläne den Abbau von insgesamt 10.000 Jobs und die Schließung der Hälfte der 1.000 Filialen vor, um die Rendite mittelfristig auf sieben Prozent von zuletzt rund drei Prozent zu heben. Darin enthalten ist der bereits im Herbst 2019 beschlossene Abbau von 4300 Stellen.

Ein Teil der Kosten hierfür will die Bank noch in diesem Jahr verbuchen. Die Pläne für einen verschärften Sparkurs liegen auf Eis bis ein neuer Vorstandschef oder eine neue Vorstandschefin gefunden ist. Den Posten zu besetzen wird die oberste Aufgabe des neuen Aufsichtsratschefs Hans-Jörg Vetter sein.

lg