Commerzbank im Regen
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Kein Ausstieg absehbar Commerzbank: Ein Milliardengrab für den Steuerzahler

von Lothar Gries

Stand: 08.01.2019, 06:30 Uhr

Heute vor zehn Jahren ist der Bund bei der Commerzbank eingestiegen, um sie vor dem Zusammenbruch zu bewahren. Für den deutschen Steuerzahler ein rabenschwarzer Tag, denn die Bank steckt noch immer in der Krise, ihr Wert kräftig abgeschmolzen.

Tatsächlich gleicht die Commerzbank einem Fass ohne Boden. Allein im vergangenen Jahr stürzte die Aktie um über 50 Prozent ab, musste sogar in die zweite Börsenliga, den MDax, absteigen. Eine noch vor wenigen Jahren undenkbare Schmach für das fast 150 Jahre alte Haus, ist doch die Commerzbank eines der Gründungsmitglieder des Dax, dem Leitindex der deutschen Börse. Ihm hatte sie seitdem ununterbrochen angehört.

Nun also der Abstieg in die "Kreisliga", wie Marktexperte Robert Halver höhnte. An der Börse wird die Commerzbank nur noch mit 7,5 Milliarden Euro bewertet, ein Klacks im Vergleich zu Deutschlands wertvollstem Unternehmen, SAP, das 104 Milliarden Euro wert ist. Erschreckend wenig auch im Vergleich zu europäischen Konkurrenten wie der französischen Großbank BNP Paribas. Die hat im vergangenen Jahr zwar ebenfalls fast die Hälfte ihres Wertes verloren, ist aber trotzdem noch 50 Milliarden Euro schwer.

In der Krise gefangen

Doch der Niedergang der Aktie des zweitgrößten deutschen Bankhauses ist nur konsequent. Denn die Commerzbank schafft es nicht aus der Krise zu kommen, in die sie vor fast zehn Jahren geschlittert ist. Seitdem kämpft sie mit sinkenden Erträgen und schrumpfenden Margen. Zehntausende Mitarbeiter verloren bereits ihren Job.

Kurzfristig besteht keine Aussicht auf Besserung. So ist das Ergebnis im dritten Quartal 2018 um fast die Hälfte eingebrochen. Das liegt zwar auch an hohen Sondererträgen, die im Vorjahreszeitraum erzielt worden waren, doch das Vertrauen der Anleger bleibt angeschlagen.

Nur noch ein Fünftel übrig

Die Fakten sprechen für sich: Seit November 2008 hat der Steuerzahler der Commerzbank in mehreren Tranchen 18,2 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt. Zeitweise besaß er ein Viertel ihrer Aktien.

Nach diversen weiteren Kapitalerhöhungen, an denen sich der Staat nicht beteiligte, schmolz sein Anteil auf heute noch 15,6 Prozent zusammen. Dafür zahlte er insgesamt 5,1 Milliarden Euro. Viel ist von dem Geld allerdings nicht mehr übrig. Bis zum heutigen Tag schmolz der Wert der Beteiligung auf gerade mal 1,2 Milliarden Euro zusammen - ein Desaster.

Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
7,96
Differenz relativ
-2,01%
Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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7,69
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-1,18%

Was macht der Bund?

Da ist es nur ein kleiner Trost, dass die Bank in diesem Jahr ihren Aktionären für das Geschäftsjahr 2018 eine bescheidene Dividende in Aussicht stellt. 20 Cent sollen sie erhalten, genauso viel wie 2015, als das Geldhaus zum ersten und bisher einzigen Mal seit der Rettung durch den Staat in der Finanzkrise 2007/2008 seinen Anteilseignern etwas gezahlt hatte. Dass sich der Bund als größter Einzelaktionär in dieser Situation von seinem Anteil trennt, ist eher unwahrscheinlich.

Verkauft er die Aktie zum derzeitigen Preis, macht er Verluste in Milliardenhöhe. Das dürfte das Finanzministerium vermeiden wollen. Es bleibt also nur die Hoffnung auf Besserung. 2018 dürfte die Bank wieder einen ordentlichen Gewinn erzielt haben, nachdem bereits in den ersten neun Monaten ein Überschuss von 752 Millionen Euro gelungen ist.

Warten auf die Fusion

Olaf Scholz (SPD), Bundesfinanzminister

Olaf Scholz. | Bildquelle: dpa

Vor allem aber scheint Bundesfinanzminister Olaf Scholz auf eine Verschmelzung der Commerzbank mit der Deutschen Bank zu setzen. Auf einer Bankentagung in Frankfurt beklagte er im Herbst, es sei ein Problem für das Land, dass die hiesigen Banken "nicht die notwendige Größe haben, um die Unternehmen zu begleiten“. Er glaubt, dass die viertgrößte Volkswirtschaft der Welt mindestens ein "starkes, weltweit agierendes Geldinstitut" benötigt.

Das Argument des Finanzministers ist nicht neu. Vor zehn Jahren hatte bereits sein damaliger Vorgänger, Peer Steinbrück, ins gleiche Horn getrötet. Den Zusammenschluss aus Dresdner Bank und Commerzbank begrüßte er als Stärkung des Finanzplatzes Deutschland. Endlich entstehe neben der Deutschen Bank ein zweites, international wettbewerbsfähiges Haus. Für 9,8 Milliarden Euro übernahm die Commerzbank die Dresdner Bank von der Allianz. Das war am ersten September 2008. 14 Tage später ging Lehman Brothers pleite - und alles war anders. Die Commerzbank musste mit Hilfe des Staates vor dem Zusammenbruch gerettet werden.

Zwei Kranke schaffen keinen Gesunden

Markus Gürne
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Was wurde aus der Hilfe für die Commerzbank?

Diesmal mehren sich die Stimmen derer, die vor einem übereilten Zusammenschluss der Commerzbank mit der Deutschen Bank warnen. Ihr wichtigstes Argument: Die Fusion zweier Kranker schaffe nicht automatisch einen Gesunden. Denn nicht nur die Commerzbank steckt in Schwierigkeiten, auch die Deutsche Bank kränkelt und wird immer noch von den kriminellen Machenschaften ihrer Investmentbanker aus der Vergangenheit eingeholt. Gut möglich also, dass der Bund bei der Commerzbank erst mal still hält. Damit dürfte auch der Steuerzahler sein Geld so schnell nicht wiedersehen.