Mann mit leeren Hosentaschen
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Jetzt geht's ans Eingemachte Deutsche Bank/Commerzbank: Die Kohle reicht nicht!?

Stand: 05.04.2019, 10:07 Uhr

Während die Gewerkschaft Verdi heute die Mitarbeiter der beiden Großbanken zu einer Demonstration gegen die geplante Fusion aufgerufen hat, wird erneut über einen möglichen Kapitalbedarf der Deutschen Bank spekuliert.

Ziel der geplanten Fusion sei es, die Deutsche Bank für die nächste Krise zu stabilisieren, so die Aussagen eines Insiders gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. Dabei könne sie auf die Einlagen der Commerzbank zurückgreifen, weil ihre Aktionäre eine neuerliche Kapitalerhöhung wohl nicht mittragen würden.

Auch drängen offenbar auch die Aufsichtsbehörden auf eine höhere Kapitalausstattung. "Die Gespräche sind noch nicht soweit fortgeschritten, als dass man die Höhe des potenziellen Kapitalbedarfs definieren könnte", sagte die mit den Gesprächen hinter den Kulissen vertraute Person.

Droht eine Kapitallücke von zehn Milliarden?

Wenn man ganz aggressiv rechne, könne man eventuell ohne Kapitalerhöhung auskommen, aber dann müsste alles perfekt laufen, sagte der Insider. Bei solchen Rechnungen würden die Aufseher dann aber Sicherheitspuffer verlangen. Die Deutsche Bank und die Commerzbank wollten keinen Kommentar abgeben. Die bei der Europäischen Zentralbank (EZB) angesiedelte Aufsicht über die wichtigsten Banken in der Währungsunion, die eine Fusion der beiden größten heimischen Institute genehmigen müsste, wollte sich ebenfalls nicht äußern.

Analysten gehen davon aus, dass bei einer Fusion der beiden Institute eine Kapitallücke zwischen fünf und zehn Milliarden Euro droht, weil Vermögenswerte bilanziell neu bewertet werden müssten - zum Beispiel die Staatsanleihenbestände der Commerzbank. Ende März hatte die "Financial Times" einen Insider mit der Aussage zitiert, die Fusion mache die Ausgabe neuer Aktien im Volumen von drei bis zehn Milliarden Euro nötig. Im Höchstfall ginge es dabei um rund 40 Prozent des bisherigen Börsenwerts der beiden deutschen Geldhäuser.

Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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8,13
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Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Skeptische Großaktionäre

Eine solche Kapitalerhöhung betrachten vor allem einige Großaktionäre sehr skeptisch, da sie eine Fusion der beiden Banken gar nicht für sinnvoll halten. Vor allem die weltgrößte Fondsgesellschaft Blackrock, einer der größten Anteilseigner beider Institute, ist von der Idee nicht überzeugt. "Welches Problem soll hier gelöst werden?", fragte Vize-Verwaltungsratschef Philipp Hildebrand.

Es wäre mittlerweile auch die fünfte Kapitalerhöhung in weniger als zehn Jahren. Die Deutsche Bank hat seit dem Jahr 2010 rund 30 Milliarden Euro frisches Geld aufgenommen, zuletzt im März 2017 acht Milliarden Euro. Viel genützt hat es ihr nicht: Investoren bewerten das Institut an der Börse derzeit mit rund 15,7 Milliarden Euro.

Bereits Ende April mit konkreten Überlegungen?

Trotzdem scheinen die Verhandlungen voran zu kommen: Aufsichtsratschef Paul Achleitner wird mit der Aussage zitiert, die Vorstände beider Banken könnten bereits bei der Vorlage der Zahlen für das erste Quartal Ende April "mit konkreteren Überlegungen überraschen".

Derweil hat Commerzbank-Chef Martin Zielke in einem Gespräch mit Mitarbeitern der Bank versucht, sie von den Vorteilen einer Fusion mit der Deutschen Bank zu überzeugen. Zwar wachse die Commerzbank aus eigener Kraft, doch organisches Wachstum habe einen Nachteil: "Es braucht Zeit, um Marktanteile substanziell zu steigern", sagte Zielke zu sieben ausgewählten Commerzbank-Mitarbeitern laut einer im Intranet der Bank veröffentlichten Zusammenfassung.

Nichts tun geht nicht

Anja Kohl
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Poker um die Commerzbank?

Gleichzeitig betonte er, dass die Commerzbank wegen der anhaltend niedrigen Zinsen, den damit einhergehenden niedrigen Margen und den steigenden Kosten wachsen müsse. "Nur mit deutlich höheren Marktanteilen werden sich die notwendigen Investitionen rechnen." Egal wie die "ergebnisoffenen" Fusionsgespräche am Ende ausgingen: "Die Alternative, nichts zu tun, gibt es nicht."

Eine Übernahme der Commerzbank durch die italienische UniCredit gilt dagegen als unwahrscheinlich. DZ-Bank-Analyst Christian Koch sieht die Wahrscheinlichkeit einer solchen Transaktion derzeit deutlich unter 50 Prozent.

lg